BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© BR/Elisabeth Tyroller
Bildrechte: BR/Elisabeth Möst

Gut sterben - oder "einen schönen Tod" haben, wünschen sich die meisten, wenn sie über ihr Lebensende nachdenken. Doch was, wenn man sich nicht mehr äußern kann?

Per Mail sharen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Wie möchte ich sterben? Die Bedeutung der Patientenverfügung

Gut sterben – oder "einen schönen Tod" haben, wünschen sich die meisten, wenn sie über ihr Lebensende nachdenken. Doch was, wenn man sich nicht mehr äußern kann? Damit Angehörige wissen, wie sie handeln müssen, ist eine Patientenverfügung notwendig.

Per Mail sharen
Von
  • Elisabeth Tyroller

Ist der letzte Wille nicht geregelt, so sind Mediziner dazu verpflichtet, Leben zu erhalten und zu verlängern. Wenn in den Familien nicht über den Tod gesprochen wird, stehen Angehörige und Lebenspartner oft vor der plötzlichen Entscheidung, über Leben und Tod urteilen zu müssen. Das sei eine furchtbare Last, sagt Sepp Raischl, Leiter des Christophorus Hospizes in München. Er arbeitet seit mehr als 30 Jahren im Christophorus Hospiz in München und hat viel Erfahrung mit Sterbenden.

Es sei wichtig, Klarheit zu haben, um einem Arzt auch sagen zu können, ob lebenserhaltende Maßnahmen angewendet dürfen oder nicht, sagt Raischl: "Man kann auch mit 30 einen Herzinfarkt haben oder einen schweren Motoradunfall und die ganze Familie steht da und sagt sich: Eigentlich wär’s gut, er könnte sterben. Aber sie stehen dann unter dem Verdacht: Sie möchten sich dieses Lebens entledigen. Das ist ein großes Dilemma."

In einer Patientenverfügung wird der letzte Wille schriftlich festgehalten, was gesundheitliche Entscheidungen betrifft – ob man etwa eine Beatmung oder künstliche Ernährung möchte, oder nicht. Wichtig ist außerdem, eine Vertrauensperson zu bestimmen, die diesen letzten Willen kennt und ihn vertreten kann. Diese Vertrauensperson sollte auch die Patientenverfügung und Vollmacht kennen und aufbewahren.

Patientenverfügung: Ab dem 18. Lebensjahr notwendig

Nicht alle Menschen sind am Lebensende noch in der Lage, den eigenen Willen auszusprechen – erst recht nicht, wenn sie plötzlich oder viel zu jung sterben. Deshalb sollte nach Sepp Raischl jeder Mensch bereits in gesunden Zeiten vorsorgen. Denn wichtig sei die Patientenverfügung vor allem für zwei konkrete Situationen: Zum einen für den Fall einer Hirnschädigung mit Wachkoma, zum anderen im Falle einer fortgeschrittenen Demenz, wenn zum Beispiel der Schluckreflex stark beeinträchtigt ist.

Sepp Raischl hat an Vorlagen und Fragenkatalogen mitgearbeitet, die eine Hilfestellung geben, sich mit dem eigenen Tod auseinanderzusetzen um schließlich auch festlegen zu können, wie der eigene letzte Wille aussehen kann.

Wir brauchen beides, eine Patientenverfügung, die aussagt, was ich möchte. Da geht es um meinen Willen, was gesundheitliche Entscheidungen angeht. Und ich brauche eine Vollmacht, um festzulegen, wer soll diese Patientenverfügung vertreten. Sepp Raischl, Christophorus Hospiz München

Eine Vertrauensperson haben, die den Willen des Sterbenden kennt

Wichtig ist auch, mit Familie und Freunden über das Lebensende zu sprechen, ist der Hospizleiter überzeugt: "Ist mir wichtig, dass ich Jahre im Koma am Leben erhalten werde - oder ist es mir auch wichtig, dass ich in Frieden sterben darf? Wenn das nicht geregelt ist, dann sind wir heute, und die Mediziner in den Einrichtungen dazu verpflichtet, das Leben zu erhalten und zu verlängern."

Ärzte und Angehörige müssen mit dem Patienten kommunizieren

Es gibt natürlich auch kritische Stimmen. Ärzte erleben immer wieder, dass ein Patient im Nachhinein dankbar war, dass sein Leben gerettet wurde. Deshalb rät Sepp Raischl, in der Verfügung nicht zu viel festzulegen, sondern möglichst im Moment neu zu entscheiden, was man in einem bestimmten Stadium der Krankheit möchte. Für ihn ist Kommunikation besonders wichtig: "Arzt, Pfleger und Angehörige müssen mit den Patienten in Kontakt treten – sie fragen, was sie wollen" Das sei tatsächlich meist auch noch möglich – selbst wenn die Antwort nur ein Augenblinzeln ist, dann sei diese Antwort des Menschen ernst zu nehmen, sagt Raischl.

Raischl weiß, dass sich die Sicherheit durch eine Patientenverfügung sogar positiv auf das eigene Leben auswirken kann: "Es gibt bereits deutliche Studien aus den USA, die sagen, je früher sich ein Mensch mit der Endlichkeit befasst, sich auch mit dem Sterben intensiver befasst, desto besser lebt er und desto länger lebt er."