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Wie mit möblierten Wohnungen die Mietpreisbremse umgangen wird | BR24

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Möblierte Wohnungen überschwemmen momentan den Mietmarkt, der Knackpunkt: Die Mietpreisbremse greift dabei nicht, nur der sogenannte "Wucherparagraph". Der muss aber erst zur Anzeige kommen.

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Wie mit möblierten Wohnungen die Mietpreisbremse umgangen wird

Möblierte Wohnungen überschwemmen momentan den Mietmarkt, ein Grund dafür: Die Mietpreisbremse greift dann nicht, nur der sogenannte "Wucherparagraph". Der muss aber erst zur Anzeige kommen.

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Wohnungssuche in München. Schon allein der Gedanke daran treibt manch einem den Angstschweiß auf die Stirn. Über persönliche Kontakte soll's ja immer noch am besten gehen. Aber was, wenn man gerade keinen kennt, der eine Wohnung zu vermieten hat?

Die meisten suchen online nach Mietwohnungen. Zu welchen Preisen diese aber gerade angeboten werden, ist ungeheuerlich. Besonders wenn ein "möbliert" dabei steht.

Mit "Billy"-Regalen die Mietpreisbremse aushebeln

Lilli Beck ist 69 und sucht eine Wohnung in München. Derzeit wohnt die Schriftstellerin noch zentral in Schwabing. Altbau, 45 Quadratmeter, 700 Euro warm - ein Schnäppchen. Aber die Treppen hoch in den vierten Stock werden im Alter nun mal nicht leichter. Außerdem möchte sie gerne näher zu ihrer Familie nach Sendling. Im Internet schaut sie deshalb nach Angeboten, die meisten Wohnungen sind bereits möbliert:

"28 Quadratmeter für knapp 1.500 Euro. Und teilweise stellen die halt wirklich nur das Billy-Regal rein und gehen einmal bei Ikea rum und kaufen ein paar Möbel für zwei-, dreitausend Euro. Das haben sie ja schnell wieder drin." Lilli Beck, Münchnerin auf Wohnungssuche

Möblierte Wohnungen sind ein Schlupfloch für Vermieter, denn mit Mobiliar können Wohnungen weitaus teurer vermietet werden. Lilli Beck sucht nun schon seit geraumer Zeit, ihr Eindruck bei den möblierten Angeboten ist, dass im Verhältnis zu den unmöblierten Angeboten die Mietpreise locker doppelt so hoch seien.

Wohnungssuchende brauchen keine möblierten Wohnungen

Und ein weiteres Problem kommt hinzu. Lilli Beck und viele andere Münchner auf Wohnungssuche wollen gar keine möblierte Wohnung:

"Das ist natürlich überhaupt nichts für mich. Ich habe selber Möbel und würde auch ungern in fremden Möbeln wohnen." Lilli Beck, Münchnerin auf Wohnungssuche

Was wäre also die Lösung? Überteuerte Wohnungen ignorieren und auf bessere Angebote hoffen? Beatrix Zurek vom Mieterverein München hat eine andere Erfahrung gemacht:

"Das Problem ist: Es wird alles gezahlt, wenn die Not groß ist." Beatrix Zurek, Mieterverein München

"Wucherparagraph" hilft nicht weiter

Rechtliche Hilfe gegen Wuchermieten gibt es kaum. Wenn die örtliche Vergleichsmiete um 50 Prozent überschritten wird, gilt zwar eigentlich der Wucherparagraf 291, doch damit hatte bislang kaum jemand vor Gericht Erfolg. Der Wohnungsmarkt in München sei dafür nicht angespannt genug, sagt Beatrix Zurek vom Mieterverein München.

"Um die möblierten Wohnungen und die finanziellen Auswüchse in den Griff zu bekommen, bräuchte es einen reformierten Wucherparagrafen, den wir derzeit nicht haben." Beatrix Zurek, Mieterverein München

Berechnet werden kann der Wucher eigentlich ganz einfach. Dafür muss man nur den Zuschlag für die Möblierung abziehen. Wenn das Mobiliar also insgesamt 10.000 Euro gekostet hat, dürfte monatlich ein Zuschlag von etwa 100 Euro zur normalen Miete dazukommen. Meist ist der Zuschlag aber viel höher.

Der Mieterverein will im Juli sein Volksbegehren für den Mietenstopp in Bayern einreichen. Lilli Beck will bis dahin erstmal weiter suchen. Vielleicht hat sie ja Glück und findet bald eine unmöblierte Mietwohnung zu einem fairen Preis.