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Wie man Wälder für den Klimawandel fit macht | BR24

© picture alliance/blickwinkel/S. Meyers

Buchenwald im Frühjahr

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    Wie man Wälder für den Klimawandel fit macht

    Der Klimawandel beschäftigt auch die bayerischen Förster. Mit der Verschiebung von Jahreszeiten und Temperaturen sehen sich viele Waldbesitzer mit neuen Herausforderungen konfrontiert. Von Chris Köhler

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    Irgendwo im Privatwald bei Waakirchen im Landkreis Miesbach. Waldbesitzer Andreas Hagleitner und Privatwaldförster Gerhard Waas vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Holzkirchen nehmen eine von Hagleitners Waldfläche unter die Lupe. Viele Bäume wurden durch einen Sturm beschädigt:

    "Wir haben einen unheimlich warmen Juni gehabt. Selbst bei uns, die wir so gut wasserversorgt sind mit 14 – 1.500 ml Jahresniederschlag, sind wir in einem Bereich drin, wo wir – obwohl es uns gut geht – aufpassen müssen, dass wir nicht große Käferlöcher zusammenbringen." Gerhard Waas

    Enorm viele schädliche Käfer in den Wäldern

    So viele Käferflächen wie jetzt hat Förster Gerhard Waas in all seinen Berufsjahren noch nie gesehen. Trotzdem ist es hier wie auf einer Insel der Glückseligen. Denn 30 Kilometer nordwärts auf der Münchner Schotterebene ist die Borkenkäferproblematik wesentlich schlimmer – genauso wie in Mittelfranken oder Niederbayern.

    "Die letzten 30-40 Jahre hatten wir auf Altmoränenstandorten, auf richtig gut wasserversorgten Standorten, keine Käferprobleme gehabt und jetzt kommt plötzlich unvermittelt mitten in den Beständen … deutliche Käferlöcher mit 300 Festmetern. Das ist neu. Ich führe das auf den Klimawandel zurück. Wir haben ja auch EIN Grad Erwärmung, da, wo wir jetzt gerade stehen … als vor 50 Jahren." Gerhard Waas

    Jahreszeiten verschieben sich

    Ein anderes Indiz dafür, dass der Klimawandel mit großen Schritten fortschreitet, sieht Förster Waas im veränderten Frühjahr: auch im Wald hat sich die Vegetationsperiode um rund 14 Tage verfrüht.

    "Ich habe heuer im Frühjahr Vegetationsaufnahme gemacht und selbst die Tannen haben ausgetrieben, wo ich früher noch 14 Tage Zeit gehabt habe. Und genauso fliegt der Käfer, der im Baum überwintert hat, schon im März aus und nicht erst im Mai. Wenn der März kalt ist und der April noch einmal schlecht ist, dann kommt der vor Mai nicht raus und dann verpilzt er zum Teil vielleicht noch vorher. Das sind so Erfahrungen." Gerhard Waas

    Mischwald zur Sicherung der Bestände

    "Mein Vater ist jetzt 82 und er weiß, dass er früher ohne Hemd keinen Sonnenbrand gehabt hat. Er sieht, dass wir mehr Stickstoffeintrag haben. Die Brombeere ist ein Thema, das man vor 30 Jahren noch nicht gekannt hat. Man muss pflegen, damit die Brombeere den Jungwuchs nicht überwuchert. Früher war die Fichte der Brotbaum und der sieht das jetzt auch, dass wir mischen müssen, weil die Gefahr, dass es Komplettausfall mit der Fichte ist, viel zu groß ist, weil es zu warm ist, zu trocken." Andreas Hagleitner

    Dieses Risiko versucht Privatwaldbesitzer Andreas Hagleitern zu minimieren, indem er seinen Wald umbaut: statt Fichtenreinbeständen Mischwald, der zumindest nach bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnissen als widerstandsfähiger gilt.

    Bejagung nach dem Motto "Wald vor Wild"

    Damit aus den Pflänzchen stattliche Bäume werden, ist viel Zeit und Geld nötig. Und dazu eine strikte Bejagung nach dem Motto "Wald vor Wild“. Privatwaldbesitzer Andreas Hagleitner hat das Hand in Hand mit Förster Waas und den Jägern vor Ort gut hinbekommen.

    Aber es gibt doch noch eine große Unbekannte: Welche Baumart ist dem Klimawandel gewachsen? Das können derzeit weder Wissenschaftler noch Praktiker genau sagen. Das kann erst die Zeit zeigen. Fest steht aber: Ist der Wald stabil, kommt das auch der Allgemeinheit zu Gute, denn:

    "Es ist mehr als eine Fläche, wo wir Holz produzieren. Der Wald hat eine ganze Reihe Sozialfunktionen: dass er den Boden schützt, dass er ein gesundes Klima macht, Schadstoffe aus der Luft filtert. Eine Lebensversicherung." Gerhard Waas