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Bildrechte: picture alliance / dpa | Uwe Zucchi

Strafrechtler Björn Gercke, der den Umgang mit Missbrauchsvorwürfen im Erzbistum Köln untersucht hat, sieht keine Pflichtverletzung bei Kardinal Woelki.

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Wie läuft die Missbrauchs-Aufarbeitung in bayerischen Bistümern?

Ein Gutachten zum Umgang mit Missbrauchsvorwürfen hat den Kölner Kardinal Woelki heute entlastet. Doch der Missbrauchsskandal betrifft die ganze Kirche. Köln ist das eine – aber wie sieht es mit der Aufarbeitung in den bayerischen Bistümern aus?

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Von
  • Barbara Schneider
  • Martin Jarde

Am ehesten mit Köln vergleichbar, ist die Aufarbeitung im Erzbistum München und Freising. Hier wertet die Anwaltskanzlei Westpfahl-Spilker-Wastl seit einem Jahr die Akten aus. Im Fokus stehen dabei nicht nur die Täter, sondern auch die Verantwortlichen innerhalb der Bistümer, die Missbrauch nicht verhindert oder Täter gedeckt haben.So hatte es Generalvikar Christoph Klingan im Februar vor einem Jahr angekündigt.

Erzbistum München untersucht auch Rolle Benedikt XVI.

Im Sommer sollen Ergebnisse vorliegen. Die Untersuchung sei mit dem amtierenden Bischof abgesprochen, so Klingan im Gespräch mit dem BR, "aber wir haben nicht mit Vorgängern gesprochen". Dennoch solle der gesamte Zeitraum von 1949 bis 2019 untersucht werden und das betreffe dann auch alle Erzbischöfe, alle Verantwortungsträger in diesem Zeitraum – auch den ehemaligen Papst Benedikt XVI.

Einheitliche Standards in allen Bistümern gibt es bislang nicht. Das Bistum Regensburg hat Strukturen von Gewalt und Missbrauch bei den Domspatzen sozialwissenschaftlich und historisch untersuchen lassen. Im Bistum Augsburg liegt inzwischen eine Untersuchung zu einem Kinderheim in Donauwörth vor, für ein weiteres Kinderheim wurde eine Projektgruppe eingesetzt. Und Würzburg hat Vorfälle in drei Internaten aufgearbeitet.

Missbrauch "ein systematisches Problem" der Kirche

Der Diplom-Theologe Bernhard Rasche von der Kirchenvolksbewegung "Wir sind Kirche" sagt, dass es nicht nur um einzelne Personen gehe, "die irgendetwas gemacht haben". Vielmehr sei es "ein strukturelles, ein systematisches Problem in allen Diözesen".

"Da kann sich niemand von freisprechen, er hätte davon nichts gewusst." Theologe Bernhard Rasche

Bislang erfolgt die Aufklärung in den Bayerischen Bistümern vor allem nach Aktenlage. In Würzburg hat eine Anwaltskanzlei die Personalakten von 1949 bis 1999 ausgewertet. In Eichstätt hat die Diözese selbst die Personalakten aus den Archiven von den 1920er Jahren bis heute geprüft.

Kritiker: Von der Perspektive der Opfer her aufarbeiten

Das Problem: Aktenrecherche reicht nicht aus, echte Aufklärung sieht anders aus, kritisiert Rasche. Man dürfe nicht nur die Perspektive der Opfer einnehmen, sondern müsse den Missbrauch "von dieser Perspektive her" aufarbeiten.

Eine solche Aufarbeitung könnten vielleicht in Zukunft sogenannte Unabhängige Kommissionen leisten, wie sie die deutschen Bischöfe mit dem Beauftragten der Bundesregierung für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, Johannes-Wilhelm Rörig vereinbart haben. Derzeit sind diese Kommissionen in allen bayerischen Bistümern in Planung, im Entstehen oder haben sich bereits konstituiert.

Bistum Würzburg will unabhängiges Gutachten anfertigen lassen

Das Bistum Würzburg hat bereits angekündigt, dass seine Kommission ein unabhängiges Gutachten in Auftrag geben wird. Bischof Franz Jung beteuert: "Völlig klar, Aufarbeitung bedeutet, dass Strukturen offengelegt werden und Verantwortlichkeiten benannt werden. Das werden wir tun."

Der Wille zu Aufklärung ist erkennbar. Einheitliche Standards und volle Transparenz und die vollständige Aufarbeitung des Umgangs mit Missbrauch innerhalb der Bistümer lässt allerdings auf sich warten.

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