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Wie komme ich an guten Ökostrom?

Viele Verbraucher haben jüngst Post von ihren Stromversorgern bekommen - mit der Ankündigung einer Preiserhöhung. Das bedeutet ein Sonderkündigungsrecht und kann Anlass sein, den Anbieter zu wechseln. Vielleicht gleich auf Ökostrom? Von Lorenz Storch

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Das Angebot ist groß und unübersichtlich. Wer etwa in München per Internetportal nach Ökostrom sucht, bekommt über 70 Angebote. Längst nicht alle davon bringen der Umwelt wirklich etwas, sagt Klaus Müller, Energiekoordinator der Verbraucherzentrale Bayern.

"Der Begriff Ökostrom ist nicht wirklich geschützt. Wichtig ist, dass bei gutem Ökostrom neue Ökostromkraftwerke gebaut werden, aufgrund der Tatsache, dass Verbraucher diesen Ökostrom beziehen."
Klaus Müller, Energiekoordinator der Verbraucherzentrale Bayern

Es lohnt sich also, genau hinzuschauen.

Beispiel 1: Edelweiß-Strom

Vor kurzem ist sogar der Deutsche Alpenverein ins Stromgeschäft eingestiegen – zumindest in die Vermarktung. Der DAV bietet zusammen mit dem Hamburger Unternehmen Lichtblick einen Tarif an, der besonders auch auf mehr als eine Million eigene Mitglieder und ihre Sektionen zielt. DAV-Sprecher Thomas Bucher zur Zusammenarbeit mit Lichtblick:

"Wir bewerben eben gemeinsam ein Produkt, das nennen wir Edelweiß-Strom – passt auch gut zu unserer Marke." Thomas Bucher, Sprecher DAV

Die Kraftwerke, aus denen der Strom kommt, sind allerdings nicht neu gebaut – sondern zum Teil 90 Jahre alt. Es sind Wasserkraftwerke an Inn und Donau, die zum österreichischen Verbund-Konzern gehören. Neue Anlagen zu bauen sei auch nicht Teil des Geschäftsmodells, sagt eine Lichtblick-Sprecherin. Der ökologische Zusatznutzen? Ein Regenwald-Schutzprojekt, Unterstützung der Forschung für die Einbindung von Ökostrom ins Netz.

"Wir bekommen pro Neukunde 25 Euro für den DAV-Klimafonds. Und davon finanzieren wir zum Beispiel Solaranlagen auf Kletterhallen." Thomas Bucher, Sprecher DAV

Ein Alpenvereins-Mitglied, das Edelweiß-Strom ordert, unterstützt also besonders den eigenen Verein.

Beispiel 2: Münchner Stadtwerke

Wer die eigene Kommune unterstützen will, der sollte sich sein örtliches Stadtwerk anschauen, ob es sich für Ökostrom engagiert und einen Ökostrom-Tarif anbietet. Die Stadtwerke München etwa investieren Milliarden in ihre Ausbauoffensive für Erneuerbare Energien. Die Kraftwerke werden allerdings mangels Möglichkeiten in Stadt und Umgebung zum Großteil weit entfernt gebaut. Stadtwerke-Sprecher Michael Solic zählt Beispiele auf:

"Das Projekt Sandbank westlich der Insel Sylt, das hat auch schon den ersten Strom eingespeist – also ein Offshore-Windpark. Dann bauen wir mit zwei kommunalen Versorgern aus Norwegen einen Windpark in Norwegen. Der wird Anfang 2019 in Betrieb gehen. Und so kommen Stück für Stück kleinere und größere Projekte hinzu, die dann einen sehr bunten erneuerbaren Erzeugungsmix geben." Michael Solic, Sprecher Stadtwerke München

Dieser Strom allerdings wird dann in Norwegen oder Norddeutschland eingespeist – und nicht an die Münchner Kunden verkauft.

Beispiel 3: Bavaria-Strom

Einen ganz anderen Ansatz verfolgt Bürgerenergie Bayern. Der Zusammenschluss der bayerischen Bürgerenergiegenossenschaften bietet den Tarif „Bavaria Strom“ an – bei dem das Prinzip Regionalität ganz groß geschrieben wird.

"Bavariastrom kauft direkt Wasser, Sonne und Wind bei bayerischen Bürgerenergiekraftwerken ein. Und verkauft den Strom auch ausschließlich in Bayern, mit entsprechendem Regionalanteil. In Zukunft wird es sogar so sein, dass überall dort, wo ein Kunde ist, auch in unmittelbarer Nähe ein Lieferkraftwerk stehen wird."
Michael Käser, Vorsitzender Bavaria-Strom

Damit am Ende auch der Preis passt, steckt allerdings auch im Bavaria-Strom ein Kompromiss – 75 Prozent des Stroms kommt auch hier aus einem seit Langem bestehenden Wasserkraftwerk. Dafür stammt dann der Rest wirklich aus Wind oder Photovoltaik in Bürgerhand, die auch nicht bereits über die EEG-Umlagen gefördert wird.

Dieses Modell lobt auch Klaus Müller von der Verbraucherzentrale Bayern. Ansonsten empfiehlt er, auf Gütesiegel zu achten – aber nicht irgendwelche.

"Es gibt vor allem zwei Gütesiegel, die als sehr gut zu bewerten sind: Das ok-Power-Label des Ökoinstituts Freiburg, und das Grüner-Strom-Label Gold, das unter anderem auch vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland ins Leben gerufen wurde." Klaus Müller, Verbraucherzentrale Bayern

Ökostrom meist nicht teurer

Die Vielfalt der Ökostrom-Angebote ist unübersichtlich. Doch die gute Nachricht für Verbraucher lautet: Sehr viel teurer als konventioneller Strom ist Ökostrom dafür meist nicht – zum Teil sogar billiger.