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Wie gut sind Grundschulen auf Präsenzunterricht vorbereitet? | BR24

© dpa-Bildfunk

Schüler einer Grundschule sitzen mit Abstand in ihrem Klassenraum (Symbolbild).

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    Wie gut sind Grundschulen auf Präsenzunterricht vorbereitet?

    Grundschüler in Bayern können nach knapp zwei Monaten Homeschooling wieder in die Schule gehen: abwechselnd, in Kleingruppen, nur bei einer Sieben-Tage-Inzidenz unter 100. Ein enormer Organisationsaufwand für Eltern und Lehrkräfte.

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    Von
    • Anna Dannecker

    Am Morgen stellen sich die Erstklässler der Grundschule an der Helmholtzstraße München im Pausenhof auf, entlang einer aufgemalten Linie. "Und dann gehen wir im Gänsemarsch ins Klassenzimmer rein", erzählt die Grundschullehrerin Anna Dognin. Dann heißt es Händewaschen und mit Abstand hinsetzen. Für viele ist es nach knapp zwei Monaten Distanzunterricht das erste Mal, dass sie wieder in der Schule sind.

    Organisation des Wechselunterrichts in der Hand der Schule

    Jeweils die Hälfte der Klasse kommt an der Münchner Grundschule zunächst wieder in den Präsenzunterricht. Montags für einen halben Tag und dann abwechselnd am Mittwoch und Freitag oder Dienstag und Donnerstag. Die Schulen können selbst entscheiden, wie genau sie den Wechselunterricht gestalten: etwa in Wochen, Tagen oder halben Tagen. Wenn genug Platz da ist, wie es etwa in großen Schulen auf dem Land der Fall ist, könne auch Präsenzunterricht mit der ganzen Klasse stattfinden, schreibt das Kultusministerium.

    Großer Organisationsaufwand für Eltern und Schulen

    Erst am vergangenen Mittwoch haben viele Eltern von der Schule Bescheid bekommen, wie der Unterricht genau gestaltet wird. Denn die Schulen haben nur kurz zuvor vom Kultusministerium erfahren, innerhalb welchen Rahmens sie wieder Unterricht machen dürfen. Der Plan entstand "eben unter einem wahnsinnigen Zeitdruck", meint die Grundschullehrerin Anna Dognin.

    Das Kultusministerium sei wiederum an die Entscheidungen des bayerischen Kabinetts und an die aktuellen Infektionszahlen gebunden, erklärt der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV). Der Verband fordert schon seit längerem einen klaren Stufenplan für die Schulen.

    Elternbündnis fordert Verbesserung der Lernbedingungen

    Die Sorge, dass jetzt unter Zeitdruck Informationen durchrutschen, ist bei einigen Eltern groß. Zum Beispiel bei Sylvia Thomas aus Wasserburg am Inn. Noch im Dezember habe sie zu spät mitbekommen, dass es zur Entlastung der Schulbusse zusätzliche Verstärkerbusse gebe. "Ich weiß nicht, wie es aussieht, wenn ich am Montag vor dem Bus stehe. Ist der voll? Ist der leer? Es ist ein kleines Überraschungspaket." Mit zwei Kindern auf unterschiedlichen Schularten sei die Betreuung derzeit fast ein Vollzeitjob für sie, weswegen sie sich im "Elternbündnis Wasserburg" für Verbesserungen einsetzt.

    Der Freistaat finanziert zwar zusätzliche Verstärkerbusse für die Kommunen, die auch genutzt werden. Aber es gibt keine einheitlichen Regeln, wie viele Kinder genau im Bus sitzen dürfen. Ähnlich wie im öffentlichen Nahverkehr verweist das bayerische Verkehrsministerium deswegen auf die Pflicht zum Tragen eines Mund-Nasenschutzes.

    Lüften oder Lüftungsanlagen in den Klassenzimmern

    Bei den Lüftungsanlagen ist man, im Vergleich zum Dezember, ein gutes Stück weiter gekommen. Der Freistaat hat in zwei Finanzierungsrunden inzwischen rund 10.000 Lüftungsanlagen für die Kommunen gekauft beziehungsweise genehmigt. Bei geschätzt 80.000 Klassenzimmern in Bayern müssen da jedoch viele Klassen weiterhin aufs Lüften setzen.

    Für die Schulen ist der Start in den Präsenzunterricht auch deswegen schwierig, da sie neben dem Unterricht in den Schulen auch den Teil der Klasse betreuen müssen, der währenddessen zu Hause ist. Außerdem gibt es auch noch die Notbetreuung zu bewerkstelligen. "Die Belastungsgrenze für Lehrerinnen und Lehrer ist irgendwann erreicht. Wenn wir in der Grundschule jetzt Notbetreuung machen, Präsenzunterricht und das Ganze noch streamen", erklärt Simone Fleischmann vom BLLV.

    Corona-Reihentestungen an Schulen geplant

    Zwei Mal pro Woche alle auf Corona zu testen, das wäre der Wunsch des Lehrer- und Lehrerinnenverbands. Bayern plant derzeit den Einsatz von Antigen-Schnelltests als Selbsttests an Schulen, sobald diese vom Bund zugelassen werden. Die Zulassung wird im Laufe des März erwartet. Das Gesundheitsministerium hat "zunächst monatlich mehr als fünf Millionen dieser Tests für den Schul- und Kitabereich bestellt", sagt ein Sprecher des bayerischen Gesundheitsministeriums.

    Bei Eltern wie Lehrkräften lässt sich der emotionale Status zum Schulstart wohl als Mischung aus Freude und Sorge beschreiben. Für die Grundschullehrerin Anna Dognin ist heute wichtig, dass die Kinder berichten können, wie es ihnen die letzten Wochen ergangen ist. "Das fängt damit an, dass sie loswerden wollen, wie viele Zähne sie verloren haben. Es hatten einige Geburtstag während des Lockdowns. Da gibt es jetzt erst mal viel zu erzählen." Bisher ist angedacht, dass die Schulen den Wechselunterricht zunächst bis Ostern weiterführen.

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