BR24 Logo
BR24 Logo
Alles zur Maskenpflicht

Wie geht es weiter mit dem Klimaprotest? | BR24

© BR

Klimaproteste am Ende?

Per Mail sharen

    Wie geht es weiter mit dem Klimaprotest?

    Die Jugend protestiert. Sie geht freitags auf die Straße statt zur Schule. Doch wie effektiv ist das? Einige der jungen Menschen haben einen anderen Weg des Protests eingeschlagen - am Rande der Legalität. Ist das die bessere Art, etwas zu bewegen?

    Per Mail sharen

    "Es wird viel geredet, aber zu wenig getan." Das ist das Fazit der 18-jährigen Fridays-for-Future-Aktivistin aus München Elena Balthesen nach einem Jahr Protest. Ginge es nach Fridays for Future, dann dürfte Deutschland ab 2035 nicht mehr Treibhausgase ausstoßen, als auch kompensiert werden können.

    Ein Viertel der Kohlekraftwerke soll sofort abgeschaltet werden, der Rest bis 2030. Und CO2 soll mit 180 Euro pro Tonne besteuert werden. Zum Vergleich: Im Klimapaket der Bundesregierung stehen 35 Euro. Das frustriert. Es werden weniger Demonstranten an den Freitagen.

    Mit Provokation mehr Gehör?

    Doch einige Jugendliche haben beschlossen, ihren Protest anders zu gestalten: vehementer, provokanter, auffälliger, ungehorsamer. Und auch in ihren Forderungen geht die Gruppierung Extinction Rebellion einen Schritt weiter. Die jungen Leute, die sich dort zusammengeschlossen haben, demonstrieren indem sie viel nackte Haut zeigen - an öffentlichen Plätzen. Sie stürmen Läden und Schaufenster und bewegen sich dabei nicht selten am Rande der Legalität. Ihr Credo: "Große Veränderungen sind immer erstritten worden, die hat man nicht einfach durchs Demonstrieren bekommen. Da muss man schon etwas unbequemer sein, sonst passiert leider nichts."

    "Das wird ja oft so dargestellt, dass wir total durchgeknallt sind. Wir sind ganz normale junge Leute, die darauf hinweisen wollen, dass wir nicht mehr wahnsinnig viel Zeit haben und wir deswegen von der Politik schnelle Veränderungen sehen wollen. Geht halt scheinbar leider nur noch, indem man ein bisschen ungehorsamer ist und nicht einfach nur auf die Straße geht." Susi, Extinction Rebellion

    Wie lässt sich der Erfolg messen?

    Doch stimmt das? Ist die provokante Form des Protests erfolgreicher? Und woran lässt sich der Erfolg überhaupt messen? Generell: Messung von Protesterfolg ist tatsächlich auch innerhalb der Wissenschaft nicht so einfach und wird kontrovers diskutiert. Ob ein Protest wirklich erfolgreich ist, sieht man erst, sobald die Forderungen politisch umgesetzt wurden und langfristig einen Effekt haben.

    Forschungsergebnisse

    Nina Wienkoop forscht am Institut für Protest- und Bewegungsforschung – und kennt die Kriterien, die ein erfolgreicher Protest erfüllen muss. Als erstes muss über ihn berichtet werden – je länger und je mehr, desto wichtiger ist er auch für die Gesellschaft. Die Sozialen Medien werden nach Meinung der Protestforscherin dabei aber tendenziell überschätzt: Diese Plattformen eignen sich zwar sehr gut dazu, andere zu mobilisieren – doch Umsetzungen seitens der Politik werden von hier aus eher nicht erreicht, sagt sie.

    Als ganz wichtig empfindet Nina Wienkoop, dass der Protest von der Gesellschaft akzeptiert wird: Das heißt, die Demonstration oder Aktion beeinträchtigt die Menschen nicht zu stark in ihrem Alltag. Blockaden etwa verärgern die Leute. Sogar ziviler Ungehorsam kann laut Forscherin je nach Thema wichtig sein – darf aber nicht als unverhältnismäßig oder gewaltsam wahrgenommen werden.

    Denn nur so kann Protest auch andere mobilisieren: Um erfolgreich zu sein, muss sich die Anzahl der Teilnehmer steigern, es muss über einen längeren Zeitraum kurz getaktete Veranstaltungen geben, die sich auch auf andere Örtlichkeiten – am besten transnational – ausweiten. Dem Erfolg am nächsten ist ein Protest, wenn er in der Politik thematisiert wird. Also beispielsweise die Forderungen in Bundestagreden aufgegriffen werden.

    In der Politik angekommen

    Das Klimathema ist in der Politik angekommen. Es wird geredet, kontrovers diskutiert, es gibt Anfeindungen, in der realen und noch deutlicher in der digitalen Welt. Ein Erfolg? Die protestierende Jugend hat Hoffnung, endlich Gehör bei den Älteren zu erlangen. Oder besser: Mitreden zu können.

    "Natürlich wird jetzt nicht ein einziger Politiker sich nach so einer Aktion denken: Ah okay, jetzt ändern wir alles, aber es gibt mehr Leute, die zu uns kommen, es gibt mehr Leute, die nachdenken, und das ist ja dieser Druck, der sich dann in der Gesellschaft aufbaut. Der wird dann die Politiker auch zum Handeln bringen. Das haben wir in den letzten Jahren ja auch gesehen, das funktioniert teilweise ja auch und da bin ich schon guter Dinge, dass sowas dann auch immer was bringt." Susi, Extinction Rebellion
    "Es passiert schon öfter, dass Leute uns schreiben wie blöd sie uns finden und dass die uns sagen, was wir alles falsch machen und so. Und im Grunde, solche Leute, warum sollen wir uns von denen groß aufhalten lassen… Die Wissenschaft steht hinter uns. Und ich hab das Gefühl, ich tu hier 100 Prozent das Richtige […] und das einzig Richtige, was ich machen kann. Deswegen beeinflussen die mich überhaupt nicht." Elena, Fridays for Future München

    "Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!