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Wie geht es Kindern und Jugendlichen im Lockdown? | BR24

© BR/Eleonore Birkenstock

Wie wirken sich die Ausgangsbeschränkungen psychisch auf junge Menschen aus, die kaum Freunde treffen und keine Schule besuchen dürfen?

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Wie geht es Kindern und Jugendlichen im Lockdown?

Kein Kicken mit Freunden, kein Quatschen in der Schulpause – stattdessen sitzen Kinder und Jugendliche stundenlang vor Bildschirmen, auch weil sie dem Unterricht folgen müssen. Wie geht es Kindern und Jugendlichen im Lockdown?

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Von
  • Eleonore Birkenstock

Der elfjährige Timo vermisst die Schule: "Ich habe beste Freunde in der Schule", sagt er. Außerdem vermisst er auch den Kontakt zu anderen Kindern und Jugendlichen im Spielhaus des Aktivspielplatzes Gostenhof, genannt Aki. "Im Aki habe ich mich richtig frei gefühlt, weil man da rennen und spielen kann", sagt der Viertklässler.

Fangen spielen geht in Zeiten von Corona nicht

Einfach mal wieder mit den anderen "Zombie" spielen, ein beliebtes Fangspiel, das wünscht sich Timo. Darüber würde sich auch die elfjährige Amina freuen. Im Moment geht es fast nur um die Schule. Für den Unterricht zuhause hat die Fünftklässlerin einen Laptop vom Spielhaus bekommen. Mit dem Online-Unterricht tut sie sich dennoch schwer. "Bei Mathe in der Schule kann ich mich melden. Übers Internet versteht man das nicht so gut", sagt Amina.

Türen in der Jugendeinrichtung sind offen

Im Spielhaus können Kinder und Jugendliche vorbeikommen, falls sie Hilfe in der Schule brauchen. Das geht aber im Moment nur für Einzelne und mit Terminabsprache. Manche Kinder werden nach der Corona-Pandemie Lücken beim Wissenstand haben, sagt die Leiterin des Spielhauses Gostenhof, Brigitte Schraml-Morgott.

"Ich denke schon, dass es für einige, vor allem die Kinder, die aus bildungsfernen Familien kommen, teilweise auch Kinder mit Migrationshintergrund, die jetzt in der ersten oder zweiten Klasse sind, in der dritten und vierten Klasse das Nachsehen haben werden, weil sie das, was sie jetzt versäumen, nicht mehr nachholen können." Brigitte Schraml-Morgott, Leiterin des Spielhauses Gostenhof

Kinder im Blick behalten

Das Team um Sozialpädagogin Brigitte Schraml-Morgott will die Kinder aus dem Stadtviertel weiter im Blick behalten, zum Beispiel mit Paketen. "Wir haben den Kindern Bastel- und Spielmaterialien nach Hause geschickt, Kochrezepte zum Ausprobieren, Rätsel und Quiz-Geschichten", sagt sie. Auch Treffen am Fenster und Hausbesuche im Treppenhaus gehörten für das Team dazu.

Jedes Kind reagiert anders auf die Corona-Pandemie

Einen Corona-Jahrgang oder eine ganze abgehängte Generation sieht Schraml-Morgott derzeit nicht. Den Kindern und Jugendlichen ergehe es sehr unterschiedlich, nicht allen gleich gut oder gleich schlecht. Der elfjährige Timo zum Beispiel vermisst zwar seine Freunde, fühlt sich von seinen Eltern aber unterstützt. "Meine Eltern machen alles, damit ich glücklich bin, und das finde ich schön," so der Schüler.

© BR/Constanze Schulze

Wie wirken sich die Ausgangsbeschränkungen psychisch auf junge Menschen aus, die kaum Freunde treffen und keine Schule besuchen dürfen? Wir haben eine Familie in Nürnberg besucht.

Magersucht als körperliche Reaktion bei Jugendlichen

Dennoch zeigen sich in der Kinder- und Jugendpsychiatrie des Klinikums Nürnberg Auswirkungen der Corona-Pandemie. Chefarzt Dr. Patrick Nonell berichtet von einer Zunahme von Magersucht-Fällen bei jungen Mädchen, die bei ihm in der Klinik landen. Davon berichten auch andere Kinder- und Jugendpsychiatrien in Deutschland. Die sozialen Medien mitsamt Bildern von sehr schlanken Models haben laut einer britischen Studie ihren Anteil daran.

Gründe für Essstörungen in der Pandemie

Magersucht ist eine sehr ernstzunehmende Krankheit. Essstörungen lagen vielleicht schon vor der Pandemie vor, sagt Chefarzt Patrick Nonell. Aber soziale Kontakte würden eher davon abhalten, sich obsessiv mit dem eigenen Körper und dem Essverhalten zu beschäftigen. Die soziale Kontrolle bei gemeinsamen Mahlzeiten, etwa in der Schule, fehle, sagt Patrick Nonell. "So kann man Krankheitssymptome besser verbergen und verheimlichen", sagt der Arzt.

Was tun im Lockdown?

Der Kinder- und Jugendpsychiater am Klinikum Nord rät dazu, nicht müde zu werden, den Kindern und Jugendlichen im Lockdown Angebote zu machen. Damit meint er Einrichtungen speziell für Kinder- und Jugendliche. Sie sollten weiter daran arbeiten, den Heranwachsenden auch digital Unterstützung anzubieten.

Familien im Dauerstress

Der Stress ist nicht nur bei Kindern und Jugendlichen gestiegen, bei den Erwachsenen auch. Somit sind ganze Familien vom Lockdown- und Pandemiegeschehen betroffen. Sozialpädagogin Brigitte Schraml-Morgott gibt den Kindern und Eltern, mit denen sie zu tun hat, einen ganz praktischen und einfachen Tipp. Denn viele Familien in ihrem Stadtviertel wohnen beengt: "Rausgehen, Sparzierengehen, frische Luft schnappen".

Hoffnung für Grundschüler im Wechselunterricht

Die Sozialpädagogin hofft, dass ab der kommenden Woche, wenn die Grundschulen wieder in den Wechselunterricht gehen, auch wieder mehr Kinder ins Spielhaus kommen dürfen. Zum gemeinsamen Essen und Spielen und Lernen.

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