Zwei Wanderer haben dem BR erzählt, dass ihnen, als sie draußen übernachtet haben, der Rucksack mit dem Proviant von einem schäferhundartigen Tier geklaut wurde. Sie glauben, dass es ein Wolf war. Der Wolfsexperte Ulrich Wotschikowsky aus Oberammergau sagt, dass seiner Meinung nach keinerlei Gefahr für die Wanderer bestanden habe:

"Ich sehe da überhaupt keinen Grund zur Besorgnis, weil da einfach nichts passiert“. Wolfsexperte Ulrich Wotschikowsky aus Oberammergau

Es gebe so gut wie nirgendwo auf der Welt folgenschwere Begegnungen zwischen Mensch und Wolf, solche Fälle seien extrem selten.

Weidetiere schützen - statt Wölfe erschießen

Für die Weidetierhaltung allerdings müssten Maßnahmen ergriffen werden, da freilich gebe es Konzepte, die etwa in Polen, Slowenien oder Italien gut funktionieren würden, so Wotschikowsky an die Adresse der Politik. Es könne nicht sein, dass der Wolf wieder auftauche und es dann gleich darum gehe, ihn wieder tot zu schießen. Ziel müsse sein, die Weidetiere zu schützen, aber da fehle es an allen Ecken und Enden, es gebe keine Förderprogramme, "die Landwirte werden allein gelassen".

Wölfe erschießen: ihnen Angst vor dem Menschen einimpfen

Wesentlicher skeptischer zeigt sich der Brandenburger Biologe Hans-Dieter Pfannenstiel: "Das Märchen vom bösen Wolf ist nicht vom Himmel gefallen", sagt er. In der Region südlich von Berlin sei die Stimmung derzeit am Kippen. Die Leute und vor allem auch die Nutzviehhalter hätten die Nase voll von der Beschwichtigungspolitik in Sache Wolf. Pfannenstiel plädiert für eine Aufnahme des Wolfs in die Liste der jagdbaren Tiere. Damit könne man Wölfe, die Weidevieh reißen, entnehmen und gleichzeitig den anderen Wölfen wieder eine gesunde Angst vor dem Menschen einimpfen.

Wölfe nicht gewähren lassen - sonst kommt es zum Übergriff

Dass das Tier im aktuellen Fall den Wanderern hätte gefährlich werden können, glaubt Pfannenstiel nicht. Dennoch, sagt er, sieht er durchaus die Möglichkeit, dass ein Wolf erst lange testet, ob er sich gefahrlos einem Menschen nähern kann und dann, wenn nichts passiert, er sich auch an den Menschen ranwagt. Man dürfe die Wölfe nicht einfach gewähren lassen, sonst komme es irgendwann zum Übergriff auf Menschen, meint er.

Gutachten: Wird tatsächlich Wolfs-DNA mit Wolfs-DNA verglichen?

Der Biologe äußert auch Zweifel, ob bei der genetischen Untersuchung von Wolfsmaterial das richtige Referenzmaterial vorliegt. Es wird nämlich gemutmaßt, dass DNA von Wolf-Hund-Hybriden als Referenz genutzt wird, so Pfannenstiel.

Autoren

Roswitha Polaschek
Barbara Leinfelder