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Wie fahrradfreundlich ist Bayern? | BR24

© dpa/picture-alliance

Radfahrer in München

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Wie fahrradfreundlich ist Bayern?

In Sonntagsreden betonen Politiker immer wieder, wie umweltfreundlich das Radfahren ist. Doch damit mehr Menschen ihr Auto zugunsten des Radls stehen lassen, muss das Angebot stimmen. Wie ist der aktuelle Stand?

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Eine bundesweite Zufriedenheitsumfrage des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs ADFC von April stellt dem Freistaat kein gutes Zeugnis aus. Sie ist zwar nicht repräsentativ, gilt aber als Stimmungstest. Und da lag Bayern aus Sicht der Radfahrer nur im bundesweiten Mittelfeld. München bekam die Note Vier, Nürnberg und Würzburg landeten sogar bei Vier Minus. Am besten schnitt Gunzenhausen in Mittelfranken ab - mit einer Drei plus.

Sicherheitsgefühl gesunken

Auffällig ist laut ADFC, dass das Sicherheitsgefühl der Radfahrer gesunken ist. Auf Bayerns Straßen sterben jährlich rund 70 Radfahrer. Vor allem in großen Städten haben Eltern Sorge, ihre Kinder alleine mit dem Rad fahren zu lassen. Auf den Straßen wird’s vor allem wegen der Zunahme von Lkws schnell eng.

In München zum Beispiel wurde jüngst ein Radweg ersatzlos abgebaut. Die Straße wurde für den Autoverkehr verbreitert. Der nun schmalere Gehweg reicht jetzt nur noch für die Fußgänger. Auch zugeparkte Radwege sind laut ADFC ein zunehmendes Unfallrisiko. Die Polizei will jetzt genauer hinschauen und Radwegparker stärker verfolgen.

Radschnellwege lassen auf sich warten

In Dänemark und Holland wie auch im Ruhrgebiet gibt es bereits sogenannte Radschnellwege. In Bayern noch keinen einzigen. Es dauert hier recht lange, bis eine Trassenplanung steht. In Nürnberg hat man mehrere Trassen für Radschnellwege ins Umland durchgespielt – zum Beispiel nach Erlangen, Fürth oder Lauf – aber das Ganze ist noch im Planungsstadium.

Ebenso in München: Hier soll von der City bis zur TU in Garching eine Muster-Schnellstrecke entstehen – mit sicheren, breiten Fahrspuren von mindestens drei Metern auf jeder Straßenseite (außerhalb der Stadt auf einer gemeinsamen Radltrasse für beide Richtungen reichen vier Meter Gesamtbreite). Rund 20 Stundenkilometer schnell soll man da mindestens radeln können. Der Freistaat würde bis zu Dreiviertel der Gesamtkosten übernehmen.

Wegfall von Autoparkplätzen dürfte Bau verzögern

Aber: Es gibt Probleme. In Garching müssten Bauern Teile ihrer Felder hergeben. Im eng bebauten München würden nach einer Studie über 800 Auto-Parkplätze an der Straße wegfallen – ersatzlos. Denn man kann hier nicht einfach Tiefgaragen unter die Straßen bauen – es verlaufen ja auch noch U-Bahntrassen unter der Erde. Hier ist also massiver Widerstand von Anwohnern zu erwarten.

Bayern will Radl-Anteil am Gesamtverkehr bis 2025 verdoppeln

Die bayerische Mobilitätsstudie hat ergeben: Der Anteil des Radls am Gesamtverkehr ist in den letzten zehn Jahren gleichgeblieben – und zwar bei elf Prozent. Ziel der Staatsregierung: Bis zum Jahr 2025 soll sich der Rad-Anteil fast verdoppeln auf stolze 20 Prozent. Ziel ist ein lückenloses Radwegenetz – mit erleichterten Übergängen zum öffentlichen Nahverkehr.

Da, wo er selbst Baurecht hat – also entlang von Bundes- und Staatsstraßen – will der Freistaat jährlich 40 Millionen Euro investieren und bestehende Radwege sanieren und neue anlegen. Die Kommunen ihrerseits bekommen – wie schon gesagt – maximal Dreiviertel der Kosten aus öffentlichen Töpfen, beispielsweise für Radschnellwege. Im Raum Kopenhagen haben diese Schnellwege den Radverkehr um bis zu 60 Prozent gesteigert.

Aber: Ohne Kompromisse zu Lasten des Autoverkehrs wird es kaum gehen beim Umstieg aufs Rad.