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CSU-Chef Horst Seehofer in Berlin
© dpa-Bildfunk / Kay Nietfeld

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Nikolaus Neumaier
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CSU-Chef Horst Seehofer in Berlin

Normalerweise berät die CSU am Tag nach der Wahl, wie es weitergeht mit Personen und Posten. Diesmal diskutiert die Partei schon vor der Landtagswahl und dabei vor allem über die Zukunft von Parteichef Horst Seehofer. Viele wünschen sich, dass er den Platz freimacht, und vielleicht spielte darauf auch Markus Söder Anfang der Woche an, bei einem der seltenen, gemeinsamen Wahlkampfauftritte mit Seehofer: "Dabei geht's uns nicht darum, irgendwo jemand auf den Mond zu schießen, wobei ich einige wüsste", sagte Söder.

Seehofer auf den Mond?

Seehofer, der die Worte hörte, reagierte mit einem Scherz: "Ich war nicht gemeint, meine Damen und Herren." Das ändert nichts daran, dass die Stimmung gegen Seehofer ist. Einflussreiche Parteimitglieder, aber auch wahlkämpfende Abgeordnete berichten von einem "gewaltigen Verdruss gegen Seehofer" und deuten einen Aufstand der Basis nach der Landtagswahl an.

Seehofer freilich will von einseitigen Schuldzuweisungen nichts bemerkt haben. Er fühle sich an eine alte Schallplatte mit Sprung erinnert, "da ging immer die gleiche Melodie wieder von vorne los". Außerdem meint Seehofer, dass er noch gebraucht werde. In der CSU und in Berlin.

Seehofer wird nicht kampflos abtreten… und was ist mit Söder?

Seehofers Gegner werten solche Aussagen als Zeichen, dass dieser nicht kampflos aufgeben wird. In einem Interview kündigte Seehofer sogar an, er werde auf keinen Fall zurücktreten. Der "klammert", sagte ein Vorstandsmitglied dieser Tage. Allerdings wäre es zu einfach, die Schuld nur auf Seehofer zu schieben.

Sollte die CSU extrem abstürzen, würde vermutlich auch über die Zukunft von Ministerpräsident Markus Söder ernsthaft diskutiert, denn auch Söders Anhänger sehen, dass der Spitzenkandidat polarisiert. Zumindest ist Söder nervös. In der BR Wahlarena reagierte er gereizt auf die Fragen der Moderatorin und wirkte dünnhäutig. Auf den Hinweis der Moderatorin, dass jetzt vier Themen zur Landespolitik kämen, reagierte er schnippisch: "Ja Frau Heller. Danke Frau Heller. Freu ich mich."

Die entscheidende Frage ist die nach dem Parteivorsitz

Für die Statik der CSU ist vor allem der Parteivorsitz wichtig. In dem Zusammenhang wird immer wieder Manfred Weber genannt, der auch selbst seine Ambitionen kaum mehr zurückhält. Zumindest heißt es aus seinem Umfeld, dass einer, der wie er EU-Kommissionspräsident werden möchte, auch CSU-Chef werden kann. Weber selbst sprach diese Woche von großen Aufgaben: "Unsere Generation, meine Generation steht da vor historischen Aufgaben. Wir haben vielleicht in der Politik etwas den Sensus verloren für historische Veränderungen, und diese Aufgaben müssen wir in der Mannschaft anpacken."

Sind Weber und Söder das neue Führungsduo?

Weber würde die Zukunft gerne mit Söder gestalten. Die beiden haben inzwischen eine gute Basis miteinander gefunden: "Ich kann nur sagen, dass ich in den letzten Wochen und Monaten, seit Markus Söder im Amt ist, eine Partnerschaft erlebe, die stark ist, die gut ist", sagte Weber bei einem Besuch in der bayerischen Staatskanzlei und ergänzte: "Das, was ich in den letzten neun Monaten erleben durfte, ist Bereicherung, Inspiration genug, jetzt auch an die nächsten Jahre zu denken. Mich freut das sehr."

Weber würde die CSU Richtung Mitte und Richtung Europa ausrichten

Mit einem Parteichef Weber würde die CSU wieder in die Mitte rücken, denn von einer Politik am rechten Rand hat Weber noch nie etwas gehalten, und auch in der Landtagsfraktion gibt es seit langem Unmut über den verbalen Rechtsruck. Was wir rechts gewinnen, verlieren wir in der Mitte, sagte einer aus dem Vorstand. Für die Statik der großen Koalition in Berlin muss das nichts Negatives bedeuten. Im Gegenteil: Anders als Seehofer kann Weber auch gut mit der Kanzlerin.

Auch ein Rückzug Seehofers als Innenminister muss nicht unbedingt eine Gefahr für die GroKo sein. Statt Seehofer könnte die CSU Joachim Herrmann schicken. Der erfahrene Landesinnenminister war ohnehin schon mal für den Bund gesetzt. Für die Zukunft der CSU wird vor allem die Vorstandssitzung am Montag wichtig sein und dann die Fraktionssitzung am Dienstag. Dort wird wohl Markus Söder von der Fraktion aufgefordert werden, die Koalitionsverhandlungen zu führen, sofern sie notwendig werden.

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