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Junger irakischer Christ mit einem tätowierten Kreuz auf dem Oberarm.
© picture alliance / ZUMA Press
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Junger irakischer Christ mit einem tätowierten Kreuz auf dem Oberarm.

Immer häufiger entscheiden Verwaltungsgerichte darüber, ob eine Konversion glaubwürdig ist. Das ist immer dann der Fall, wenn das Bundesamt für Migration zuvor an der Motivation des Glaubenswechsels gezweifelt hat, den Asylbewerbern also unterstellt, dass sie es nicht so richtig ernst meinen mit dem Christentum.

"Identitätsprägend" zum Christentum konvertiert?

Die Verwaltungsgerichte versuchen dann herauszufinden, ob ein Asylbewerber "dauerhaft und identitätsprägend" zum Christentum konvertiert ist, oder ob die Konversion nur aus asyltaktischen Gründen erfolgt ist. So im Fall von Milat. Der 28- Jährige hatte sich im Iran einer christlichen Hausgemeinde angeschlossen. In Deutschland ließ er sich dann taufen, was das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge nicht als Fluchtgrund anerkannt hat. So ging der Fall vor Gericht.

"Meistens versucht man, allgemeine Fragen zum Christentum zu stellen, um zu sehen, hat jemand überhaupt Ahnung, hat er oder sie sich damit beschäftigt. Ich habe leider auch schon ganz viele plumpe Fragen gehört, die von einem Konvertiten einfach auswendig gelernt werden können. " Shervin Ameri, Regensburger Rechtsanwalt

Landesbischof kritisiert Praxis

Kritik an dieser Praxis kam zuletzt vom evangelischen Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm. Er hatte im Januar moniert, dass Gerichte eben in Glaubensfragen nicht die Kirchen ersetzen könnten. Seitens des Verwaltungsgerichts Münchens, wo auch der Fall von Milat verhandelt wurde, heißt es: Es sind immer Einzelfallentscheidungen, ob ein Konvertit als Flüchtling anerkannt wird oder nicht.

Gerade in der mündlichen Verhandlung könnten die Richter besonders gut die Beweggründe für einen Glaubenswechsel erfragen und bewerten. Einen einheitlichen Fragenkatalog, wie die Glaubwürdigkeit eines Konvertiten geprüft werden soll, gibt es nicht.

"Das ist alles sehr individuell. Die Befragung ist sehr individuell, die Beweggründe sind sehr individuell. Es kann nicht allgemein gesagt werden, wann eine Asylklage mit der Begründung einer Konversion letztlich zum Erfolg führt." Martin Friedrich, Gerichtssprecher München

Eine Entscheidung mit lebensbedrohlichen Folgen

Die Entscheidung liegt beim jeweiligen Richter eines Verwaltungsgerichts. Eine Entscheidung freilich, die lebensbedrohliche Folgen haben kann. Dann nämlich, wenn sie als Christen in ihr Heimatland abgeschoben werden. Zahlen darüber, wie die Verwaltungsgerichte im Falle von Konversionen entscheiden, gibt es nicht.

Für Milat ging das Verfahren gut aus. Inzwischen hat er eine Aufenthaltserlaubnis. In ein paar Monaten will er eine Ausbildung zum Mechatroniker beginnen.