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Wie eine Lehrerin für ihre Rückkehr nach Unterfranken kämpft | BR24

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Bayernweit steigen die Schülerzahlen. Allerdings ist der Bevölkerungszuwachs in Oberbayern größer als in Unterfranken. Viele Lehrer müssen deshalb umziehen. Der Unterfränkische Lehrer- und Lehrerinnenverband kritisiert das scharf.

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Wie eine Lehrerin für ihre Rückkehr nach Unterfranken kämpft

In Bayern steigen die Schülerzahlen. Allerdings ist der Bevölkerungszuwachs in Oberbayern größer als in Unterfranken. Lehrer müssen deshalb umziehen – oder sie pendeln gleich in andere Bundesländer. Der Lehrer- und Lehrerinnenverband schlägt Alarm.

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Es ist eine bittere Nachricht für die Lehrerin Judith Vogt und ihre Mutter. Im Sommer 2019, drei Wochen vor Schulstart, erfahren sie von Judiths Versetzung nach Oberbayern. Alle Bemühungen, in Unterfranken bleiben zu dürfen, schlagen fehl. Diese Praxis ist in Bayern nicht unüblich. Der unterfränkische Lehrer- und Lehrerinnenverband kritisiert das scharf. Denn auch in Mainfranken sei die Personalsituation angespannt.

Lehrerin will in Unterfranken bleiben

"Meine Mutter hat durch einen Operationsfehler eine Kanüle im Hals und hat Schwierigkeiten zu atmen. Gerade in der Erkältungszeit ist die Infektionsgefahr sehr hoch", sagt Judith Vogt. Seit Anfang September pendelt die Grundschullehrerin jedes Wochenende 600 Kilometer. Ihre Mutter bräuchte Unterstützung beim Einkaufen und alltäglichen Besorgungen. Mit ihr seien drei weitere Lehrer zu Beginn des Schuljahres nach Oberbayern "beordert" worden. Ein Kollege habe sich geweigert und sei nach Baden-Württemberg gegangen.

Lehrermangel in ganz Bayern

Bayernweit gibt es momentan zu wenig Lehrer. Die Schülerzahlen wachsen im gesamten Freistaat. Allerdings: In Oberbayern steigt die Bevölkerung stärker an als in Unterfranken. Damit es im Süden Bayerns also genug Lehrer gibt, müssen sie aus anderen Regierungsbezirken "abgezogen" werden. Gerhard Bless vom unterfränkischen Lehrer- und Lehrerinnenverband stört sich an dieser Maßnahme. Er spricht von 150 Lehrern, die in den letzten Jahren in Nachbarbundesländer abgewandert sind. Problematisch sei das: denn eigentlich gebe es auch in Unterfranken zu wenig Lehrer.

Lehrer zieht es nach Hessen oder Baden-Württemberg

Immer wieder seien in den letzten Jahren einstellungswillige Lehrkräfte von Unterfranken etwa nach Hessen oder Baden-Württemberg abgewandert, sagt Bless. Das ist zum Beispiel am fränkischen Untermain ein Problem. Die Situation an Grund- und Mittelschulen sei dort auf Kante genäht, bestätigen auf Nachfrage viele Schulleiter am Untermain. Auch Schulamtsdirektor Ulrich Wohlmuth in Miltenberg, an der badischen Grenze, spricht von vielen Anstrengungen, um offene Stellen zu besetzen. Er habe zwar Verständnis für die gesamtbayerische Situation. Dennoch sei es schmerzhaft, wenn alljährlich gut ausgebildete Lehrkräfte abwandern müssten.

Lehrerverband fordert längerfristige Personalpolitik

Viele Lehrer würden demnach weiterhin am Untermain wohnen, allerdings über die Grenze zu sicheren Planstellen im Hessischen oder Badischen pendeln. Gerhard Bless vom Lehrer- und Lehrerinnenverband fordert deshalb mehr Weitsicht. "Wir bräuchten auf jeden Fall eine längerfristige Personalpolitik im Bereich der Lehrereinstellung", sagt er. Gleichlautende Forderungen würde der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband schon seit 40 Jahren erheben. Bless sieht das Kulturministerium in der Pflicht: "Die längerfristige Personalplanung wäre möglich – erst recht, weil die Kinder, die jetzt in die Schule kommen, schon vor sechs Jahren geboren wurden."

Kultusminister stellt Maßnahmen gegen Personalmangel vor

Kultusminister Piazolo hat vergangene Woche Maßnahmen vorgestellt, die den Lehrermangel in Bayern beheben sollen. Dazu gehört, dass Grundschullehrer eine Stunde länger pro Woche arbeiten müssen, kein Sabbatjahr mehr einreichen können und die Teilzeit verlängert wird.

Judith Vogt aus Würzburg bleibt jetzt noch bis März Zeit, ihre Rückversetzung von München nach Würzburg zu beantragen. Kommendes Schuljahr wird sich das Lehrerkarussell erneut drehen. Frühestens dann könnte sie nach Unterfranken zurückkehren.