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Die Schweinepreise sind im Keller. Viele Bauern können deshalb ihre Schweine nicht mehr gewinnbringend verkaufen. Ein Schweinebauer aus dem Landkreis Rottal-Inn geht seit 25 Jahren einen Sonderweg und das zahlt sich nun aus.

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Wie ein Landwirt den niedrigen Schweinefleisch-Preisen trotzt

Die Schweinepreise sind im Keller. Viele Bauern können deshalb ihre Schweine nicht mehr gewinnbringend verkaufen. Ein Schweinebauer aus dem Landkreis Rottal-Inn geht seit 25 Jahren einen Sonderweg und das zahlt sich nun aus.

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Christina SchmittChristina Schmitt
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Die jungen Schweine wühlen mit ihren Schnauzen im Stroh. Landwirt Heinz Wagenhofer hat ihnen gerade einen frischen Ballen in den Stall geworfen und die Aufregung ist nun groß. Die Schweine rennen quer durch den Stall und streiten sich um die größten Batzen. Seit wenigen Wochen leben sie in Heinz Wagenhofers Betrieb. "Wenn ich da runter gehe in den Stall und sehe, wie die Schweine scherzen und im Stroh wühlen - das ist ein ganz ein anderes Gefühl", sagt Heinz Wagenhofer.

Drei Quadratmeter pro Schwein

Der Landwirt aus Unterdietfurt hat knapp 600 Mastschweine. Für die jüngeren Tiere hat er einen Außenbereich mit Überdachung und Strohboden gebaut. Hierher kommen sie zum Wühlen, Rennen und zum Fläzen. Über eine Luke kommen sie in den Innenbereich: Ein normaler Stall mit Spaltenboden, damit Kot und Urin ablaufen können. Insgesamt hat Heinz Wagenhofer für jedes Schwein drei Quadratmeter Platz eingeplant, also etwa drei mal mehr als gesetzlich vorgeschrieben.

Tierwohl ja - aber auch viele Kompromisse bei der Haltung

Bio ist sein Betrieb aber nicht, denn dafür müsste er noch mehr Kriterien erfüllen, etwa entsprechendes Futter ausgeben. Auch sonst muss der Landwirt einige Kompromisse bei der Haltung machen. "Das Betriebswirtschaftliche dürfen wir auch nicht aus den Augen lassen, sonst schafft man es nicht mit der Strohhaltung", sagt er. So haben fast alle seine Schweine kupierte Schwänze. "Ich bekomme sie leider nicht anders von den Züchtern, dafür aber sind sie hier aus der Region", sagt Heinz Wagenhofer. Und: Wenn seine Schweine älter werden, ist es vorbei mit dem Leben im Freiluftstall. Dann müssen sie in ein anderes Gebäude umziehen. Dort haben sie ebenfalls mehr Platz und Stroh zum Wühlen, aber keinen Freiluftbereich. "Technisch war das leider einfach nicht möglich mit den Ställen, die wir schon hier hatten", sagt Heinz Wagenhofer, dessen Eltern schon den Hof betrieben haben.

Hoher Arbeitsaufwand - für mehr Ertrag?

Trotzdem haben die Schweine es hier deutlich besser als in den großen Schweinemastbetrieben. Seit 25 Jahren setzt er dabei auf Strohhaltung und kann mittlerweile auch Geld damit verdienen, obwohl er dafür deutlich mehr arbeiten muss: Alle zwei Wochen muss Heinz Wagenhofer das Stroh komplett auswechseln. Außerdem produziert er es selbst, damit es die gewünschte Qualität hat und ungespritzt ist. Laut dem Landwirt ist der Arbeitsaufwand fast doppelt so hoch wie bei einer konventionellen Haltung.

"Dafür aber stehen wir jetzt auch besser da, als viele andere zur Zeit", sagt Heinz Wagenhofer und spielt damit auf die niedrigen Preise für Schweinefleisch aus konventioneller Haltung an. Denn derzeit gibt es gerade beim Schweinefleisch aus Massentierhaltung oft nur wenig Geld pro Kilo. Viele Landwirte klagen, dass sich die Schweinemast für sie nicht mehr lohne. Bei Heinz Wagenhofer ist das anders: Er besetzt eine Nische - und vermarktet sein Fleisch auch so, nämlich als "Rottaler Strohschwein". Seine Abnehmer sind unter anderen mehrere Metzger aus der Region, die die Schweine auch noch schlachten. Für die Tiere bedeutet das kurze Transportwege und weniger Stress.

Ausweg aus der Preisspirale

Außerdem hat Heinz Wagenhofer noch einen weiteren Vertriebsweg. "Da kam der Moser Franz auf uns zu: Ob wir nicht mitmachen und die tierwohlgerechte Haltung besser vermarkten und eine Verkaufsorganisation gründen wollen", sagt Heinz Wagenhofer. Das Ziel: unabhängiger werden von den großen Supermarktketten und den Weltmarktpreisen.

Seitdem haben er, der Moser Franz - der heute Geschäftsführer ist -, und ein weiterer Landwirt den Eggenfeldener Bauernmarkt ins Leben gerufen, eine Art regionalen Supermarkt mit einem Schwerpunkt auf Fleisch. Hier erhalten die Landwirte pro Kilo einen fest vereinbarten Mindestpreis. Das Fleisch kommt den Kunden natürlich teurer als das konventioneller Haltung - aber nicht unbedingt teurer als vergleichbare Produkte im Supermarkt, die mit Siegeln mittlerweile entsprechend ausgewiesen sind.

Dass der Landwirt seine Produkte zusätzlich im Supermarkt anbietet, kommt für ihn nicht in Frage: "Damit können wir uns nicht identifizieren. Beim Supermarkt geht die Preisspirale oft immer nur nach unten", sagt er. Er arbeite viel für sein Produkt. "Das muss auch entsprechend entlohnt werden." Wie viel er pro Kilo bekommt, will er allerdings nicht verraten. Nur, dass es sich für ihn lohnt. Die Kunden im Eggenfeldener Bauernmarkt kennen auf jeden Fall sein "Rottaler Strohschwein" bereits - für sie ist nicht nur das Tierwohl ein Grund hier einzukaufen. "Der Schweinebraten schmeckt einfach viel besser", sagt eine Kundin.

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