BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

Wie ein Intensivpfleger über Corona-Leugner denkt | BR24

© BR/Leinfelder

Matthias Offinger

11
Per Mail sharen

    Wie ein Intensivpfleger über Corona-Leugner denkt

    Matthias Offinger ist 33 Jahre alt und pflegerischer Leiter der Intensivstation in Aichach. Dort erlebt er jeden Tag, was Corona anrichtet. Wir haben ihn gefragt, wie sein Alltag aussieht und wie er über die Impfung und Corona-Leugner denkt

    11
    Per Mail sharen
    Von
    • Barbara Leinfelder
    • Andreas Herz

    Studio Schwaben: Herr Offinger, was denken Sie über Corona-Leugner?

    Ja das bekommt man natürlich mit, dass es Leute gibt, die das Ganze immer noch leugnen, oder die sagen, Corona ist nur ein Schein. Das sagen immer noch zu viele. Aber durch diese Einstellung wird es nicht besser. Das klingt jetzt böse, aber vielleicht müssen diese Leute die Krankheit selbst erleben, dass sie eine andere Einstellung dazu bekommen.

    Studio Schwaben: Auch über die Impfung kursieren ja viele Verschwörungstheorien. Was denken Sie darüber?

    Ich ignoriere solche Kommentare, weil es für mich einfach sinnlos ist. Das, was wir jetzt lesen dazu, sind die neuesten Studien. Eben auch übers Impfen, unter dem Hinblick wie da die Leute darauf reagieren. Meine Kollegen wollen sich schon impfen lassen, manche Kollegen sind noch skeptisch, letztendlich muss es jeder selbst wissen, ob er sich impfen lässt oder nicht.

    Studio Schwaben: Was beschäftigt Sie aktuell am meisten?

    Am meisten beschäftigt mich, ob noch mal eine größere Welle kommt, nach Silvester, die nächsten zwei, drei Wochen. Auch wie wir es in der Arbeit auf die Reihe bringen, jetzt haben sich wieder Kollegen krank gemeldet, auch längerfristig. Aber es gab auch schöne Momente diese Woche, Patienten, die gut raus gekommen sind, die einen leichten Verlauf hatten, das sind so kurze Lichtblicke.

    Studio Schwaben: Wie belastend ist die Arbeit für Sie persönlich?

    Ich habe jetzt meinen sechsten Frühdienst hinter mir, und jetzt geht es dann noch in die Nächte rein. Man merkt es schon, diese körperliche Anstrengung, das auf jeden Fall. Wir befinden uns jetzt schon in einem Marathon, jeder ist körperlich an seinen Grenzen angekommen, auf lange Sicht ist das nicht machbar, das geht noch über ein paar Monate. Aber dann ist jeder soweit, dass er sagt, ich kann nicht mehr und ich mag nicht mehr.

    Studio Schwaben: Welche Unterstützung würden Sie sich wünschen?

    Wünschenswert wäre einfach noch mal zusätzliches Personal. Manche Großkliniken, die haben schon Leute von der Bundeswehr geholt, andere haben Leute aus der Rente zurückgeholt, finde ich ein bisschen grenzwertig, weil die auch wieder zur Hochrisikogruppe gehören. Aber man ist letztendlich froh um jede helfende Hand.

    Studio Schwaben: Und wenn nicht mehr Personal verfügbar wird?

    Auf lange Sicht hält das keiner durch, die Leute sind erschöpft, die können nicht mehr, die werden alle krank. Auf lange Sicht läuft es darauf raus, dass man eine Station nach der anderen leider schließen muss.

    Studio Schwaben: Wie geht es für Sie jetzt noch weiter in dieser Woche?

    Die Woche wird nochmal ziemlich schwer werden, weil noch mal Kollegen ausgefallen sind, weil wir noch mal versuchen müssen, unsere Beatmungspatienten so gut es geht über die Runden zu bekommen. Und Pläne müssen noch fertiggemacht werden, auch fürs nächste Jahr. Wir arbeiten gerade wirklich von einem Tag auf den nächsten, dass die Schichten komplett voll besetzt sind - und die Kollegen noch bei Laune gehalten werden können.

    "Darüber spricht Bayern": Der BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!

    Sendung

    Mittags in Schwaben

    Von
    • Barbara Leinfelder
    • Andreas Herz
    Schlagwörter