BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© BR
Bildrechte: pa/dpa

Rehkitze oder Jungvögel werden beim Wiesenmähen immer wieder getötet. Wissenschaftler wollen in einem großen Forschungsprojekt herausfinden: Wie kann der Mähtod verhindert werden? Welche Technik unterstützt Landwirte dabei?

5
Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Wie Naturschützer Wiesenbrüter vor Mähmaschinen retten wollen

Derzeit fahren wieder die Traktoren über Bayerns Wiesen und mähen das Gras. Unter ihren Messern sterben jedoch auch jede Menge vom Aussterben bedrohter Vögel, die in den Wiesen brüten. Naturschützer wollen das mit aufwendigen Projekten verhindern.

5
Per Mail sharen
Von
  • Ulrich Trebbin

Der Große Brachvogel brütet seit Urzeiten auf Wiesen - oder ähnlich niedrig bewachsenen Flächen - und zieht hier seinen Nachwuchs groß. Die Brutpaare wähnen sich auf der Wiese sicher, weil sie einerseits Deckung haben und andererseits einen Fuchs schon von Weitem sehen können, um rechtzeitig zu flüchten.

Viele Wiesenbrüter in Bayern vom Aussterben bedroht

Wenn allerdings die Landwirte mit ihren Mähwerken von zehn Metern Breite und mehr anrücken und die Wiese bis auf wenige Zentimeter kürzen, sterben dabei viele Küken der Brachvögel, weil sie nicht schnell genug flüchten können. Bei den meisten Wiesenbrütern haben auch deshalb in den letzten Jahrzehnten die Zahlen der Brutpaare in Bayern dramatisch abgenommen.

Sogar vom Aussterben bedroht sind in Bayern neben dem Große Brachvogel etwa die Uferschnepfe, der Rotschenkel, der Wachtelkönig, die Bekassine oder die Grauammer. Immerhin noch "stark bedroht" sind das Braunkehlchen und der Kiebitz.

Schutz vor Fuchs und Marder

In einigen wenigen geschützten Gebieten in Bayern - wie etwa im Wiesmet im Altmühltal - sind die Vorkommen des Großen Brachvogels halbwegs stabil. Aber nur, weil Vogelschützer, Landwirte oder Jäger gut zusammenarbeiten, um die Lebensbedingungen der Vögel zu verbessern. Einer von ihnen ist Tobias Petschinka. Er ist für das Wiesmet als Gebietsbetreuer zuständig.

Petschinka beobachtet die Brachvögel mit dem Fernglas, wenn sie im Frühjahr aus dem Süden zurückkommen und sich in den Wiesen Nestmulden schaffen. Denn er möchte die Nester ausfindig machen. Gemeinsam mit der Brachvogelspezialistin Verena Auernhammer sucht er die Gelege dann auf und schützt sie mit einem Elektrozaun vor Fuchs und Marder.

Küken per Sender vor dem Mähwerk retten

Wenn die Küken gerade geschlüpft sind, besuchen die beiden sie, um sie mit einem nur 1,3 Gramm schweren Radiosender zu bestücken. Mit diesem Sender können sie die Küken in den ersten vier Wochen, bis sie flügge werden, immer wieder aufspüren, um besser verstehen zu lernen, was die Wiesenbrüter zum Überleben brauchen. Und sie können sie auch vor den Mähwerken der Landwirte in Sicherheit bringen. Denn bisher verzichtet in Bayern nur eine Minderheit der Landwirte gegen eine Entschädigung darauf, ihre Wiesen vor dem 1. Juli zu mähen.

Wenn also eine Wiese gemäht wird, gibt der Landwirt den Vogelschützern Bescheid und die machen die besenderten Küken ausfindig und tragen oder scheuchen sie aus der Wiese. Dazu gehört natürlich ein guter Kontakt zu den Landwirten.

Vogelschützerin fährt am Traktor mit

Auch die ehrenamtliche Vogelschützerin Rita Vogl steht mit den Landwirten in der Regentalaue bei Cham auf gutem Fuß. Sie fährt bei der Mahd sogar am Traktor mit, beobachtet dabei, wo die Uferschnepfe auffliegt, steigt ab, sucht das Nest und bringt die Jungen in Sicherheit. Der Landwirt wartet so lange und mäht dann um das Nest herum. Eine aufwendige Angelegenheit.

Oft markiert Jutta Vogl auch im Vorfeld ein gefundenes Nest mit zwei Stöcken, damit der Landwirt beim Mähen außen herumfahren kann. Für die verlorenen Wiesenabschnitte und die durchs Langsamfahren verlorene Zeit bekommen die Bauern zwar einen finanziellen Ausgleich, der ist aber in den Augen von Jutta Vogl noch zu niedrig.

Außerdem würde sie sich wünschen, dass Landwirte mehr Geld für ihre Milch bekommen. Dann könnten sie weniger Rinder halten und Wiesen später mähen oder gleich ganz stehen lassen. Das täte auch der Insektenwelt gut, sagt sie.

Ausgleichsprämien für die Landwirte

Der Freistaat fördert den Schutz der Flora und Fauna durch Ausfallprämien für die Landwirte. Wenn sie später mähen, Nester aussparen oder auch auf die mächtigen Kreiselmähwerke verzichten und stattdessen mit schonenderen Messerbalken mähen, bekommen sie dafür im Rahmen des Bayerischen Vertragsnaturschutzprogramms (VNP) einen finanziellen Ausgleich. Für den Verzicht auf das Kreiselmähwerk gibt es zum Beispiel bis zu 680 Euro pro Hektar.

So wurden im Jahr 2020 für bayerische VNP-Flächen 64 Millionen Euro ausgezahlt. Es lohnt sich also auch für die Landwirte, etwas für die bedrohten Lebensräume zu tun und damit für die Wiesenbrüter.

Mit GPS-Sendern auf die Reise in den Süden

Wenn es die Küken der Brachvögel im Wiesmet über die ersten Wochen geschafft haben, bekommen sie von Verena Auernhammer einen GPS-Sender. Ihre Reise in den Süden kann dann jeder auf einer Webseite des Landesbunds für Vogelschutz mitverfolgen.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!