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Wie die SPD in München mit Speeddating um Wähler wirbt | BR24

© SPD/ Ediz Rehberg

Der SPD-Stadtratskandidat Roland Hefter stellt sich den Fragen der Speeddater

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    Wie die SPD in München mit Speeddating um Wähler wirbt

    Sich kurz fassen gilt nicht als Politikertugend. Beim SPD-Speeddating zählt aber genau das. In nur fünf Minuten müssen die Kandidierenden Wähler von sich überzeugen. Kann Wahlkampf interessanter werden, wenn man ihn schneller macht?

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    In der Amore Bar in München hat man nicht viel Zeit, aber viel vor: 16 Stadtratskandidaten wollen sich ihren potentiellen Wählern vorstellen. Der gnadenlose Takt dafür: fünf Minuten. So lange haben sie pro Tisch Zeit, dann klingelt es und die Politiker rutschen einen Tisch weiter. Anders als beim klassischen Speeddating sind die Treffen nicht Eins zu Eins, sondern jeder Politiker kann mit drei bis fünf Gästen reden.

    Speeddating statt Podiumsdiskussion

    Bei Martin und Anna hat das Speeddatingformat auf jeden Fall Interesse geweckt. Er ist 44, sie 17 Jahre alt. Beide finden Podiumsveranstaltungen "langweilig" und wollen mit den Politikern direkt reden, um herauszufinden, was die einzelnen Kandidaten vorhaben. An einem anderen Tisch wartet Student Sebastian auf seinen ersten Dating-Partner. Er ist 21, kommt gerade von der Uni und hat Block und Stift dabei, um sich die Namen und Listenplätze der Kandidierenden zu notieren. Keine schlechte Idee, wie sich herausstellen wird, denn im fünf Minutentakt werden gleich Politiker auf ihn einprasseln.

    Wer schnell redet, gewinnt nicht unbedingt

    Insgesamt sind rund 35 Gäste gekommen, ein paar davon Genossen aus der Partei, die meisten aber wie Anna, Sebastian und Martin einfach nur neugierig. Nach einer kurzen Erklärung, wie der Abend ablaufen wird, klingelt es zum ersten Mal und die Dates starten. Einige Kandidaten versuchen das kurze Zeitfenster maximal auszunutzen, indem sie maximal schnell und viel reden. Andere starten gleich mit einer Fragerunde an die Gäste. Man merkt, dass das Dating den Kandidierenden Spaß macht, die kurzen Zeitfenster ihnen aber auch einiges abverlangen.

    Vom Islamismus bis zur kostenlosen Kita

    Wenn man die Fragen der Wähler hört, weiß man auch warum: "Unterstützen Sie den Fahrradring in München?" oder "Wie soll der wachsende Verkehr in der Stadt in Zukunft gemanagt werden?" sind zwei der leichteren Fragen. Bei "Glauben Sie nicht, dass der islamistische Terror, der sich in Syrien ausgebreitet hat, nicht auch ein Problem darstellt für Deutschland?" wird es schwierig in fünf Minuten. Am Tisch von Martin und Erstwählerin Anna ist eine Diskussion darüber entbrannt, ob es in München in Zukunft nicht nur kostenlose Kindergärten, sondern auch kostenlose Kitaplätze für alle geben soll. Stadtratskandidatin Lena Odell hat die Idee verteidigt, eine Zuhörerin ist dagegen. Es kommt zum hitzigen Schlagabtausch, bei dem alle miteinander diskutieren.

    Obwohl, oder gerade weil sie mit ihrer Idee sehr angegriffen wird, zieht Kandidatin Lena Odell am Ende ein sehr positives Fazit:

    "Dass einem auf Facebook Meinungen um die Ohren gehauen werden, kennt man. Aber dass sich jemand hinsetzt und sagt 'Ich sehe das anders!' - finde ich super. So ist Politik meiner Meinung nach. Gerade auf kommunaler Ebene!" Lena Odell, Stadtratskandidatin

    Überblick in der Wahlkabine

    Auch Student Sebastian hat der Abend gefallen und dank seines Blocks hat er auch noch den Überblick: "Die Stärke des Formats ist, dass man viele Kandidaten kennen lernt. Wenn ich dann in der Wahlkabine mit dem riesigen Wahlzettel sitze, habe ich die Namen schon mal gehört oder kann auf meinem Zettel nachschauen."

    Am Ende ähnelt sich das Fazit von Kandidierenden und Wählern: Sich kennenzulernen, direkt miteinander zu reden - wenn auch nur für fünf Minuten - sei das Beste gewesen. Nur einer war von dem Abend sicherlich enttäuscht: Der junge Mann, der gekommen war, weil er dachte es sei ein echtes Speeddating. Obwohl – die SPD hätte wohl nichts dagegen, wenn sich ein paar neue Wähler dauerhaft in sie verlieben würden.