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Wie die Kirchen in Bayern mit Corona umgehen | BR24

© BR/Matthias Morgenroth

Abgesagte Gottesdienste in einer Münchner Kirchengemeinde

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    Wie die Kirchen in Bayern mit Corona umgehen

    Die meisten Gottesdienste in Bayern sind abgesagt worden: die Erzdiözese München-Freising hat ihre Kirchen geschlossen, gestern hat die evangelische Landeskirche nachgezogen. Stattdessen sollen nur die Glocken läuten.

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    Nachdem schon in Italien alle Gottesdienste abgesagt wurden, wurde im Lauf der letzten Tage auch in Bayern das kirchliche Leben immer weiter eingeschränkt. Zunächst kündigte das Erzbistum München und Freising an, alle Firmungen und Taufen, die vor Ostern stattfinden sollten, zu verschieben, am Freitag sagte Kardinal Reinhard Marx alle öffentlichen Gottesdienste bis zum 3. April ab, zugleich wurde für die Gläubigen die Sonntagspflicht aufgehoben. Die anderen katholischen Bistümer beschränken sich darauf, nur Gottesdienste mit weniger als 100 Menschen zu feiern.

    "Es ist eine schwierige Situation und die schneidet ein in unser kirchliches Leben, aber die Situation ist auch so, dass wir Solidarität zeigen müssen mit den Menschen, nicht nur mit uns, sondern mit all den anderen Brüdern und Schwestern und mit den Menschen in unserer Gesellschaft." Kardinal Reinhard Marx

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    Kirchenleitung: "Dringende Empfehlung" auf Gottesdienste zu verzichten

    Am Freitag empfahl die Evangelische Landeskirche noch, Gottesdienste in abgespeckter Form stattfinden zu lassen - ohne Friedensgruß mit Händeschütteln und ohne Abendmahlskelch. Am Wochenende erreichte dann die Kirchengemeinden die Empfehlung, vor Ort zu entscheiden. Daraufhin fanden in den einen Gemeinden die Gottesdienste statt, in den anderen nicht. Gestern Nachmittag dann die "dringende Empfehlung" der Kirchenleitung, bis auf Weiteres auf alle Gottesdienste zu verzichten - Ausnahme: Bestattungen.

    „Für uns Christen ist der gemeinsame Gottesdienst eine große Kraftquelle und Ermutigung. Doch in diesen Tagen bedeutet nach Aussage aller Fachleute jede Versammlung von Menschen eine zusätzliche Infektionsgefahr, die das Corona-Virus weiterverbreitet. In der aktuellen Situation gebietet die Nächstenliebe, zuerst an die besonders gefährdeten Kranken und Schwachen zu denken und Rücksicht auf sie zu nehmen." Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm

    Karwoche und Osterfest kann von Entscheidung betroffen sein

    Die Kirchengemeinden trifft das unvorbereitet - diesen Fall gab es in der jüngeren Geschichte noch nie, zumal auch die Karwoche und Ostern betroffen sein kann. In einigen Gemeinden wurden bereits Video-Botschaften verbreitet, auch Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm hat sich schon per Video an die Gläubigen gewandt.

    "Wir gehen in diesen Tagen auf Ostern zu. Die Osterbotschaft war noch nie so wichtig wie heute. Sie ist eine Botschaft der Zuversicht, eine Botschaft der Hoffnung und ich bin zuversichtlich, ja ich bin sicher, dass es unseren Kirchengemeinden, all den Menschen, die da aktiv sind, gelingen wird, gerade jetzt diese Botschaft weiterzutragen." Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm

    Übertragung von Gottesdiensten auch beim Bayerischen Rundfunk

    Ansonsten verweisen die Kirchen auch an die gottesdienstliche Grundversorgung durch den Bayerischen Rundfunk, etwa die Morgenfeiern sonntags auf Bayern 1. Sonstige Angebote der Kirchengemeinden für Senioren, Jugendliche und Kinder sind meist bis nach den Osterferien gestrichen, in manchen Gemeinden sogar schon darüber hinaus.

    Offen ist noch, ob und wie die Erstkommunionfeiern in den katholischen Kirchengemeinden stattfinden werden - in der Regel eine Woche nach Ostern. Die evangelischen Kirchengemeinden wissen noch nicht, ob sie die zwischen Ostern und Pfingsten geplanten Konfirmationen verschieben sollen - ebenfalls meist große Familienfeste.

    Maßnahmen wegen Corona auch in anderen Gebetshäusern

    Der Zentralrat der Muslime in Deutschland rät dazu, die Freitagsgebete bis mindestens Ende März auszusetzen. Die Orthodoxe Rabbinerkonferenz veröffentlichte Empfehlungen für die Synagogen: Kultusgegenstände sollen nicht geküsst werden. Außerdem sollen die Gläubigen Körperkontakt vermeiden und die Gebetsräume gut gelüftet werden.