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Wie die Augsburger das Ende des Zweiten Weltkriegs erlebt haben | BR24

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Kaum Essen, zerbombte Wohnungen, die Lage im April 1945 war entsetzlich. Augsburg ging ohne Blutvergießen an die Amerikaner, dafür hatte sich eine Gruppe von Augsburger Bürgern eingesetzt. Manche aus Überzeugung, andere, um ihren Ruf zu verbessern.

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Wie die Augsburger das Ende des Zweiten Weltkriegs erlebt haben

Kaum Essen, zerbombte Wohnungen, die Lage im April 1945 war entsetzlich. Augsburg ging ohne Blutvergießen an die Amerikaner, dafür hatte sich eine Gruppe von Augsburger Bürgern eingesetzt, manche aus Überzeugung, andere, um ihren Ruf zu verbessern.

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Von
  • Thomas Pösl
  • Roswitha Polaschek

“Die Versorgungslage gerade in Großstädten wie Augsburg wurde immer schlechter, die Wohnungssituation durch die Bombardierung auch." Stefan Paulus, Historiker an der Uni Augsburg, hat sich mit dem Zweiten Weltkrieg beschäftigt. Als die Menschen in Augsburg gehört haben, dass die Amerikaner näher rücken, haben sie sich laut Paulus gefragt, "was wird das für uns bedeuten?” Die Bürger hofften auf ein baldiges Kriegsende. Ungewiss war aber, was die Zukunft bringen würde.

Bürger engagieren sich für unblutige Besetzung Augsburgs

Die Augsburger wussten, die Amerikaner rücken an und werden irgendwann vor den Toren der Stadt stehen, berichtet Historiker Stefan Paulus. In diesen Wochen der Ungewissheit bildete sich ein kleine Gruppe von Menschen, die Augsburg für immer in Erinnerung behalten wird. Das Ziel der Gruppe: Die Besetzung der Stadt durch die Amerikaner ohne Blutvergießen. Da waren Ärzte dabei, Priester oder der Leiter der Blindenschule, Menschen, die den Nationalsozialismus schon immer abgelehnt haben, aber auch andere, die sich bei den Amerikanern gut präsentieren wollten.

Die konspirativen Treffen der Augsburger Gruppe

Die Gruppe hat sich konspirativ getroffen, berichtet Stefan Paulus, in der Blindenschule, teilweise in den Klosteranlagen von St. Elisabeth am Dom, um die Übergabe der Stadt an die Amerikaner zu planen. Die Gruppe hat Kontakt zu den Amerikanern aufgenommen, per Telefon. Das war sehr gefährlich, denn wenn die Nazis die Telefonate abgehört hätten, wäre die Gruppe möglicherweise aufgeflogen. Die Augsburger hatten sogar ihre Namen genannt, um das Vertrauen der Amerikaner in sie zu stärken: "Und wenn diese Namen abgefangen worden wären - und da ging es um nur Stunden oder Minuten - hätte man sich dieser Männer zumindest habhaft gemacht und hätte sie vielleicht standrechtlich erschossen, also es ging hier schon um Leben und Tod.“

Augsburger begleiten amerikanischen Stoßtrupp ins Domviertel

Am 27. April vor 75 Jahren, teilt die Gruppe den Amerikanern am Telefon mit, dass sich Augsburg ergeben werde. Auch der damalige Oberbürgermeister stellt sich auf die Seite der Männer. In der Nacht auf den 28. April geleitet die Gruppe einen amerikanischen Stoßtrupp der dritten Infanteriedivision in die Stadt zur Kommandozentrale im Domviertel, wo überall schon weiße Fahnen hingen. An der Stelle befinden sich heute die Stadtwerke Augsburg. Eine Gedenktafel erinnert an die mutigen Augsburger. Die Gruppe bleibt in Erinnerung als die “Augsburger Freiheitsbewegung”, sagt Historiker Stefan Paulus.