Am Hochgrat wachsen Fichten.

Bildrechte: BR/ Veronika Scheidl
  • Artikel mit Audio-Inhalten
  • Artikel mit Video-Inhalten
>

Wie der Klimawandel den Bergwald verändert

Wie der Klimawandel den Bergwald verändert

Forschende gehen davon aus, dass wegen des Klimawandels Bäume immer höher ins Gebirge vordringen. Ein Forschungsprojekt will das nun untersuchen und setzt dabei auf eine App, mit der jeder Wanderer während Bergtouren Daten und Bilder hochladen kann.

Förster Andreas Fisel ist gut drauf: Die Sonne lacht, die Sicht auf die Alpen ringsum ist phänomenal. Fisel ist unterwegs zum 1834 Meter hohen Hochgrat - zusammen mit 13 Exkursionsteilnehmern. Der Förster erklärt der bunt gemischten Gruppe aus Studierenden, Rentnerinnen und Naturinteressierten theoretische Grundlagen. "Im Gebirge ändert sich das Klima vom Tal bis zum Gipfel. Mit zunehmender Höhenlage nimmt die Temperatur ab, auf hundert Höhenmeter haben wir etwa ein halbes Grad tiefere Temperatur“, sagt Fisel.

Bäume weichen dem Klimawandel aus

"Mit zunehmender Höhenlage nehmen dann auch die Niederschläge zu, Trockenperioden werden weniger, das heißt: Bäume können dem Klimawandel ein Stück weit ausweichen, indem sie nach oben rutschen." So zumindest die These in der Forschung, erklärt der Förster. Fisel und die Bürgerforschenden machen sich jetzt auf die Suche nach Beweisen - welche Baumarten liegen am Hochgrat am höchsten? "Für mich ist es ein Wettkampf zwischen Fichte, Vogelbeere und Grün-Erle. Einer von den dreien wird das Rennen machen", sagt Förster Fisel. Und tatsächlich: Etwas unterhalb des Hochgrat-Gipfels hat sich eine kleine Fichte durchgesetzt – ein typischer Hochlagen-Baum.

Daten werden in der App „Baysics“ vermittelt

Ein Teilnehmer zückt sein Smartphone und öffnet die kostenlose App "Baysics": Hier werden die Daten zum Baum gleich eingetragen: die Baumart, der Standort, die Höhenmeter und die Größe des Baumes. Auch ein Beweisfoto wird gemacht – so kann später überprüft werden, ob es sich tatsächlich um eine Fichte und nicht um einen anderen Baum handelt.

Auf dem Weg weiter hinunter zur Bergstation des Hochgrats läuft die Exkursionsgruppe fast an einem Exemplar einer weiteren Baumart vorbei, die sich gut hinter einer weiteren Fichte versteckt hat: Eine Vogelbeere. Bürgerforscherin Sonja Schaller hat sie mit aufmerksamen Augen entdeckt und ist stolz: „Es war jetzt ein kleines Glücksgefühl, am Wegesrand mal bewusster zu schauen und dann auch tatsächlich eine von den Baumarten zu finden, die wir heute auf dem Programm haben“, sagt Schaller.

Eine Fichte liegt am Hochgrat am höchsten.

Bildrechte: BR/ Veronika Scheidl

Jeder kann beim Forschungsprojekt mitmachen

Es sind genau diese Momente, auf die das Forschungsprojekt Baysics setzt. Je mehr Menschen sich beteiligen, umso mehr kann entdeckt werden – und umso mehr Daten zum Klimawandel liegen vor. Und eben auch dazu, welche Baumarten in Zukunft noch gut wachsen können, sagt Förster Andreas Fisel. "Mit jedem Baum, den wir pflanzen, treffen wir eine Entscheidung, die erst in 100 Jahren wirksam ist. Das ist für uns eine Riesenverantwortung, diesen langen Zeitraum vorherzusehen. Und da ist es natürlich sehr sinnvoll zu wissen, was die Natur uns in hundert Jahren für ein Klima vorgibt.“

Forschende vergleichen heutige Daten mit dem Jahr 1854

Die hochgeladenen Daten werden von der TU München und der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf überprüft und ausgewertet. Das Projekt Baysics sammelt nicht nur Daten zu Bäumen, sondern auch zu Pflanzen, Tieren und dem Pollenflug. Alle Daten sind öffentlich im Internet zu sehen – es kann also jeder nachvollziehen, wo und welche Baum- oder Tierarten bereits an einem bestimmten Ort erfasst worden sind.

Verglichen werden die neuen Informationen zu den Bäumen und Pflanzen mit einem Datenschatz des Münchner Botanikers Otto Sendtner. Der war 1854 im Auftrag des Bayerischen Königs Maximilian II. mit Barometer und Karte losgezogen, um die höchstgelegenen Pflanzenarten in Bayern zu suchen und zu vermessen. Auf den Spuren Otto Sendtners können alle Bergwanderer jetzt wandeln – und dafür eben ganz einfach das Smartphone nutzen.

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!