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Wie der Einzelhandel Mitarbeiter vor Corona schützt | BR24

© dpa-Bildfunk/Frank Molter

In einer Edeka-Filiale in Schleswig-Holstein schützt sich eine Kassiererin unter einer Plastikplane vor möglicher Ansteckung mit Corona.

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Wie der Einzelhandel Mitarbeiter vor Corona schützt

Metzgerei, Bäckerei, Supermarkt: Hier zählt momentan jeder Mitarbeitende. In sozialen Medien werden kuriose Fotos von Kassiererinnen unter Plastikplanen gepostet. Wie sinnvolle Schutzmaßnahmen aussehen? Große und kleine Betriebe suchen nach Lösungen.

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Nur noch maximal fünf Kunden gleichzeitig dürfen den Laden betreten. So schreibt es das Schild vor, das prominent an der Ladentür der Metzgerei Killer in Dürnbach im oberbayerischen Landkreis Miesbach hängt. Eine kleine Schlange hat sich rund um die Tür gebildet. Eine wichtige Schutzmaßnahme für Mitarbeiter und Kunden, denn im Verkaufsraum der Metzgerei ist wenig Platz, sagt Geschäftsführer Martin Mayer: "Wenn einer rausgeht, darf der nächste rein. Nur so können wir den Abstand von zwei Metern einhalten.“

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Verständnis bei den Kunden ist da

Die Kunden halten sich daran, sagt Mayer. Und auch sonst achtet der Metzgermeister streng auf die Hygiene. Alle halbe Stunde werden die Türen und die Becher, in die beim Zahlen das Geld hineingelegt wird, desinfiziert. Und nach jeder Kundschaft werden die Hände gewaschen, was auch sonst üblich ist.

Fast alle Kunden seien verständnisvoll, die Mitarbeiter zufrieden, so Mayer. Viele Einheimische würden zudem telefonisch bestellen und die Ware dann abholen, das spare Zeit. Leberkäse, Wurstwaren, warme Mahlzeiten: Die Nachfrage sei eigentlich wie immer gut, sagt der Metzger. Und ist sichtlich froh darüber, denn die Wurst müsste nach zwei bis drei Tagen weggeschmissen werden. Ein immenser Schaden, den keiner auffangen könnte.

Kundenkontakt aufs Nötigste reduzieren

Schräg gegenüber von der Metzgerei liegt das Optik-Geschäft Klaunig. Auch hier fällt ein Aufsteller vor der Ladentür ins Auge, darauf ein großer roter Aufkleber: Geöffnet. Im Laden: keine Kundschaft, keine Mitarbeiter. Inhaber Thomas Klaunig hält alleine die Stellung. Seine Mitarbeiter hat er nach Hause geschickt. Auch weil er nur begrenzt Mundschutzmasken zur Verfügung hat. Er möchte den Kundenkontakt auf Notfälle reduzieren. Wer nicht dringend eine neue Brille oder eine Anpassung brauche, solle lieber gar nicht ins Geschäft kommen. Denn Brillen am Gesicht testen, sei derzeit keine gute Idee.

Sehr vorsichtig wollte auch Ursula Vojacek sein. Die Inhaberin der auch bei Münchnern beliebten Konditorei Wagner in Gmund am Tegernsee hat am Wochenende ihr Geschäft zugesperrt - vorerst für zwei Wochen. Auch ihren Mitarbeitern zuliebe. Anders als im Supermarkt könnten die Kunden bei ihr im Laden nicht so gut Abstand halten, hätten sich trotz Hinweis-Schild dicht an die Glastheke mit den Kuchen und Pralinen gedrängt.

"Ein krasses Beispiel hat mir eine Verkäuferin erzählt: Eine Kundschaft hatte Nasenbluten und hat auf die Theke getropft… Am nächsten Tag hab ich gesagt, es reicht, wir machen jetzt zu." Ursula Vojacek, Konditorei Wagner

Hoffnung liegt auch bei Supermärkten auf Plexiglas-Scheiben

Die zweiwöchige Auszeit will die junge Konditorin nutzen, um sich und ihre Mitarbeiter für das Ostergeschäft zu wappnen. Zusätzliche Plexiglas-Scheiben auf der Theke und Absperrbänder könnten dann für ausreichend Schutz und Abstand zwischen Verkäuferinnen und Kunden sorgen.

Abstandsmarkierungen am Boden und "Spuckschutz" an den Kassen, Desinfektionsmittel und auf Wunsch Einweghandschuhe – das sind auch die wichtigsten Maßnahmen, auf die die großen Einzelhandelsketten wie Aldi, Rewe, Edeka, Lidl oder Rossmann beim Schutz für ihre Mitarbeiter setzen. Das Aufstellen von Plexiglas-Scheiben laufe in den Märkten mit Hochdruck, teilten die jeweiligen Sprecher auf Anfrage des BR mit. Außerdem werde den Kunden empfohlen, möglichst ohne Bargeld, also lieber mit EC-Karte zu bezahlen. Jeder direkte Kontakt soll vermieden werden.

Die Lage fordert Flexibilität

Eine Lidl-Sprecherin teilte außerdem mit: "Bei Fragen oder Anmerkungen können sich Mitarbeiter immer an ihre Führungskräfte wenden, außerdem gibt es eine interne Hotline für alle Fragen rund um das Virus."

In den Drogeriemärkten von Rossmann stehen die Wickeltische, Fototerminals und Kaffeeautomaten nicht mehr zur Verfügung, genauso wie die Toiletten. In einigen Filialen gibt es bereits Sicherheitskräfte. Sie helfen mit, damit sich keine zu dichten Schlangen an den Kassen bilden und die Kunden auf Abstand bleiben. Insgesamt, erklärt die Rossmann-Sprecherin, fordere die Lage hohe Flexibilität von den Einzelhändlern, daher könne der Status Quo sich auch jederzeit ändern.

© BR

Einzelhandel in Corona-Zeiten

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