Zurück zur Startseite
Bayern
Zurück zur Startseite
Bayern

Wie das Finanzamt günstige Mieten verhindert | BR24

© BR/Julia Müller

Günstige Wohnungen sind in München kaum noch zu finden, denn das Finanzamt macht sozialen Vermietern leider einen Strich durch die Rechnung.

10
Per Mail sharen
Teilen

    Wie das Finanzamt günstige Mieten verhindert

    Günstige Wohnungen sind in München Mangelware. Doch das liegt nicht nur an Vermietern, die immer mehr Geld wollen: Das Finanzamt zwingt soziale Vermieter, nicht zu billig zu vermieten und sich mindestens an die ortsübliche Miete zu halten.

    10
    Per Mail sharen
    Teilen

    Für Mitarbeiter günstige Wohnungen zu finden, ist noch möglich. Deshalb hat der Unternehmer Bernhard Gerstenkorn vom Gartencenter Seebauer 50 Betriebswohnungen gebaut. Er vermietet sie günstig. Das allerdings passt dem Finanzamt nicht. "Das größte Problem ist der geldwerte Vorteil, den die Mitarbeiter hätten, wenn sie günstiger wohnen", erklärt Gerstenkorn. "Nur weil drei Vermieter ringsherum die Miete anheben und die ortsübliche Miete deswegen steigt, werde ich vom Finanzamt aufgefordert, meine Miete auch zu erhöhen. Dafür habe ich überhaupt kein Verständnis."

    Problemfall "ortsübliche Miete"

    Ortsübliche Miete bedeutet für das Finanzamt: Entweder der Mieter muss mehr zahlen – oder der Vermieter. Der Gesetzgeber erwartet vom Finanzamt, dass es sich nach dem geltenden Quadratmeterpreis richtet, und Werbungskosten werden nur dann anerkannt, wenn sie mindestens 66 Prozent von der Kaltmiete ausmachen.

    Das Finanzamt will so Schwarzmieten verhindern oder dass verbilligt an Bekannte, Freunde oder Angehörige vermietet wird. Denn so könnten die vollen Werbungskosten abgerechnet werden und somit negative Einkünfte entstehen, die gegen andere Einnahmen verrechnet werden könnten.

    Nicht nur bei Betriebswohnungen mischt sich das Finanzamt ein. Auch private Vermieter dürfen ihr Eigentum nicht zu günstig vermieten. Sibylle Neumann vermietet ihre geerbte 1-Zimmerwohnung mit 37 Quadratmetern in Moosach aktuell für 475 Euro. Doch das Finanzamt verlangt von ihr, einen Quadratmeter-Preis von 22,85 Euro für den Stadtteil München-Moosach zu verlangen, um Werbungskosten absetzen zu können.

    Das bedeutet, sie müsste eine Miete von 868 Euro verlangen. Das wäre fast das Doppelte. "Ich empfinde es als nicht fair, dass mir das Finanzamt vorschreibt, wie viel Miete ich verlange", sagt Sibylle Neumann. "Ich kann für eine kleine Wohnung nicht so viel Geld verlangen, 1000 Euro. Das ist nicht nur ein Bauchgefühl, sondern das ist unanständig."

    Paradoxe Politik

    Die Münchner Rechtsanwältin Stephanie Schmid ärgert sich: "Auf der einen Seite fordert die Politik, dass die Vermieter günstig vermieten sollen und dass die Mieten nicht zu hoch sind. Auf der anderen Seite verlangt aber der Staat über das Finanzamt, die Miete massiv zu erhöhen - zumal das eigentlich überhaupt nicht zulässig ist nach der aktuellen Gesetzeslage."

    Auf Anfrage des Bayerischen Rundfunks antwortet das Finanzamt nur schriftlich, dass es eine Initiative gestartet habe, um sozialen Vermietern entgegen kommen zu können. Doch die Entscheidung darüber liege beim Bundesgesetzgeber.

    Somit treibt das Finanzamt die Mietpreise weiter in die Höhe. Es bestraft private soziale Vermieter, anstatt sie zu fördern. Ein Irrsinn – passend zu den Mietpreisen der Stadt.