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Wie Corona Familien und Freunde spaltet | BR24

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Pfarrer Wolfgang Schnabel und sein Bruder Ralf haben unterschiedliche Meinungen zum Thema Corona.

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    Wie Corona Familien und Freunde spaltet

    Der Umgang mit dem Corona-Virus spaltet die Gesellschaft. Während die einen die Maßnahmen der Politik für sinnvoll halten, kämpfen andere für mehr Selbstverantwortung und ihre Freiheit. Wie gehen Angehörige und Freunde mit diesem Konflikt um?

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    Zwei Brüder, zwei Meinungen: Die Brüder Ralf und Wolfgang Schnabel liegen bei der Frage nach der Angemessenheit der Corona-Maßnahmen über Kreuz. Wolfgang Schnabel ist Pfarrer im Allgäu. Er hat viele ältere Menschen in seiner Gemeinde und möchte, dass alle vor einer möglichen Infektion mit dem Virus geschützt sind. Er hält die Einschränkungen durch die Politik für angemessen. "Wir müssen auf Handhygiene achten, die Hände desinfizieren, die Maske aufsetzen zum Rein- und Rausgehen. Ich finde das schon sinnvoll, weil das sind kleine Maßnahmen, die wir einfach zum Schutz voreinander auch jetzt in der Kirche umsetzen.“

    Der Pfarrer und der Querdenker

    Sein Bruder Rolf engagiert sich bei den Querdenkern. Er meint, die derzeitigen Einschränkungen stünden nicht im Verhältnis zur Gefahr: "Wir haben alle Ängste und Sorgen, die Frage ist nur: ist die Angst noch berechtigt, dass wir noch in einer Pandemie sind?" Er sieht Grundrechte in Gefahr, ihm gehe es um Menschenwürde, Freiheit und Selbstbestimmung.

    Auch im Familien- und Freundeskreis von Tanja von Ehrenstein gehen die Meinungen auseinander. Sie demonstriert in Weilheim, weil wegen Corona ihrer Meinung nach zu viele Krankenhausbetten freigehalten und Operationen verschoben wurden. Die täglichen Meldungen und die Fixierung auf die Zahlen von Infizierten, an oder mit Corona Verstorbenen, die Maskenpflicht auch im Schulhof – das ist für die Mutter dreier Kinder kein sinnvoller Umgang mit dem Virus. Sie würde vor allem auf die Eigenverantwortung der Menschen statt auf strenge Regeln setzen – wie übrigens 54 Prozent der Deutschen (ARD-Deutschlandtrend vom 1. Oktober).

    "Wie man zu Corona steht, spaltet wahnsinnig", sagt Tanja von Ehrenstein. "Ich hoffe, dass man da einfach wieder zusammenkommt. Weil ich bin derselbe Mensch wie vor einem halben Jahr. Und habe vielleicht nur eine andere Meinung dazu. Aber das hat ja mit meiner Persönlichkeit nichts zu tun."

    Am schlimmsten ist die Angst

    Die Angst vor steigenden Infektionszahlen im Herbst und Winter wächst - und so auch das Konfliktpotential. Der "Querdenker" und sein Bruder, der Pfarrer, treffen sich nach wie vor regelmäßig. Sie bleiben im Gespräch, ja, sie suchen es und finden dabei Gemeinsamkeiten.

    "Was ich mir wünschen würde, ist, dass wir das alles in einen Kontext setzen, dass wir in den Berichten nicht nur von Infizierten sprechen, sondern von den wirklich Erkrankten", sagt Ralf Schnabel. "Wir können ja auch von den Genesenen sprechen, es sind ja sehr viele genesen."

    Die Angst vor dem Virus, die Unsicherheit mit dem angemessenen Umgang – das treibt die Menschen auseinander, das weiß auch sein Bruder Wolfgang Schnabel, der Pfarrer: “Ich denke, wir schaffen es nur gemeinsam. Gemeinsam die Angst zu nehmen, aus dem Glauben heraus, aus dem Vertrauen, dass auch jetzt in dieser Zeit ein guter Gott da ist, der uns da begleitet.“

    Weniger Angst, weniger Alarmzustand: so schaffen es die Brüder, dass Corona sie nicht entzweit. Auch ihre Mutter hält die beiden zusammen: mit dem Älteren geht sie auf Demos, mit beiden in die Kirche.

    Mehr zum Thema "Was uns bewegt" erfahren Sie am 7. Oktober um 19 Uhr in STATIONEN im BR Fernsehen und in der BR Mediathek.