BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

NEU

Wie Corona die Kriminalität in Bayern verändert hat | BR24

© BR

Die Corona-Pandemie hat auch Auswirkungen auf die Kriminalität in Bayern. Während des Lockdowns gingen die Straftaten in einigen Bereichen - wie beispielsweise bei Wohnungseinbrüchen - deutlich zurück.

43
Per Mail sharen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Wie Corona die Kriminalität in Bayern verändert hat

Die Zahl der Wohnungseinbrüche ist gesunken, Einbrüche in Büros dagegen haben deutlich zugenommen: Es sind nicht die einzigen Beispiele, die zeigen, dass sich die Kriminalität in Bayern durch die Corona-Maßnahmen verändert hat.

43
Per Mail sharen

Grundsätzlich sei der Zeitraum der Betrachtung zwar zu kurz, aber es gebe doch deutliche Trends, sagt der Bayerische Landespolizeipräsident Wilhelm Schmidbauer. Dass mehr Menschen als je zuvor im Homeoffice arbeiten und Büros dünner besetzt sind, spiegelt sich auch in den Zahlen der Polizei wider. Zwischen März und Juli registrierte sie deutlich weniger Wohnungseinbrüche, jedoch ein Plus von 40 Prozent bei den Einbrüchen in Büros.

Dass die Leute mehr zu Hause sind, "schreckt die Einbrecher ab", so Schmidbauer. Ein weiterer Grund für die gesunkenen Wohnungseinbrüche in diesem Zeitraum sei, dass die Grenzen geschlossen waren: Laut Schmidbauer ist ein großer Teil der Wohnungseinbrüche auf "fahrende Banden", die in ganz Europa unterwegs sind, zurückzuführen: "Die sind durch die Grenzkontrollen gehindert worden, hier sehen wir jetzt wieder einen leichten Anstieg."

Deutlich weniger Körperverletzung

Einen spürbaren Rückgang gibt es auch bei den Körperverletzungen im öffentlichen Raum. So gab es seit Beginn der Pandemie in ganz Bayern knapp ein Viertel weniger Anzeigen. Allein im August gab es rund 30 Prozent weniger Körperverletzungen als im Vorjahr. Der Polizeipräsident vermutet, dass diese Entwicklung mit einem gesunkenen Alkoholkonsum im öffentlichen Raum zu tun hat.

"Dass nach wie vor die Bars nicht offen hatten und Alkohol seither nicht mehr so leicht zugänglich ist, das führt zu erheblichen Rückgängen. Und wir sehen dort, wo Alkoholausschank wieder zugelassen wird, steigt das auch wieder an." Wilhelm Schmidbauer, Landespolizeipräsident Bayern.

Neue Formen der Kriminalität

Corona hat aber auch neue Arten von Betrügereien ermöglicht. "Wir haben Deliktsbereiche, die total in Mode gekommen sind", so Schmidbauer. Bei digitalen Zahlungsabwicklungen werde wesentlich mehr betrogen. Zudem sei es inzwischen immer schwieriger, solche Trickbetrüger zu erkennen, viele Plattformen seien zu gut gemacht.

Die Polizei rät deshalb - gerade in Zeiten von Corona - keine Vorauskasse zu leisten und erst dann zu bezahlen, wenn man die Ware bekommen hat. Besonders vorsichtig sollte man sein, wenn bei einer Zahlung ein technisches Problem auftritt und man über ein anderes System zur Vorauskasse gebeten wird. "Dann sollte man lieber die Finger davon lassen, Maske aufsetzen und im analogen Raum bezahlen", rät Schmidbauer.

Betrug bei Corona-Soforthilfen

Auch werde Corona inzwischen als Vehikel genutzt, um illegale Gelder zu waschen. Achthundert Verfahren seien direkt auf Corona zurückzuführen. Zudem ermittelt die Polizei landesweit in mehreren hundert Fällen, in denen Menschen die Corona-Soforthilfen missbrauchten. Beispielsweise, wenn Unternehmer fälschlicherweise vorgeben, in bestimmten Bereichen tätig zu sein oder gar Fake-Firmen gründen, um "staatliche Subventionen einzustreichen".

Auf die Arbeitsbelastung der Polizei habe sich die Corona-Krise kaum ausgewirkt, es haben sich allerdings die Schwerpunkte verschoben. So mussten zwar seit März keine Fußballspiele oder Großveranstaltungen mehr polizeilich begleitet werden, dafür wurden zahlreiche Kontrollen zur Einhaltung der Corona-Auflagen durchgeführt. Laut Innenministerium gab es seit März zwei Millionen Kontrollen. Rund 200.000 Verstöße haben die Beamten gemeldet.

Bislang keine Zunahme bei häuslicher Gewalt

Befürchtungen, dass auch die häusliche Gewalt zugenommen hat, konnten bislang nicht bestätigt werden. Wilhelm Schmidbauer betont allerdings, dass man hier frühestens in einem halben Jahr belastbare Zahlen vorlegen könne. Denn wenn der Lebenspartner gewalttätig ist, hätten die Opfer oftmals eine große innere Hemmschwelle, ihre Partner oder Familienmitglieder anzuzeigen und zur Polizei zu gehen.

"Da braucht es eine gewisse Überlegungsphase, ob man das noch aushalten will oder ob man dann doch einen Strich zieht und sagt: Jetzt ist die Gewalt unerträglich geworden. Das ist insbesondere bei Frauen zu beobachten. Wir verstehen das einerseits, weil damit in einem Augenblick die Lebensplanung mit dem Partner kaputtgeht." Wilhelm Schmidbauer, Landespolizeipräsident Bayern.

Andererseits rät Schmidbauer, nicht zu geduldig zu sein, denn Gewalt steigere sich. Betroffene könnten vor einer Anzeige zunächst auch erst einmal Hilfsorganisationen anonym konsultieren oder sich bei den Opfer-Beauftragten der Polizei beraten lassen.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!