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Wie Bürokratie Integration am Arbeitsmarkt behindert | BR24

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Flüchtlinge auf dem Arbeitsmarkt zu integrieren kommt einem Hürdenlauf gleich. Politik und Bürokratie stehen dem Erfolg oft im Weg.

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Wie Bürokratie Integration am Arbeitsmarkt behindert

Deutschland braucht Fachkräfte und vor allem junge Asylbewerber brennen darauf, eine Lehre abzuschließen, um danach arbeiten zu können. Aber Politik und Bürokratie stehen der erfolgreichen Integration auf dem Arbeitsmarkt oft im Weg.

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Ich hole Brian an der Asylunterkunft ab, in der er wohnt - ein paar Container, aufgestellt in einem Gewerbegebiet in Weilheim. Zusammen fahren wir zur Backstube der Bäckerei Kasprowicz einige Gemeinden weiter. Brian hat bis Anfang des Jahres dort gearbeitet. Er habe so viel Kraft in die Ausbildung gesteckt und jetzt könne er nicht mehr arbeiten, so Brian.

Gut zwei Monate hat Brian aus Uganda nach seiner Ausbildung zum Bäckergesellen gearbeitet. Dann hat ihm das Landratsamt Weilheim-Schongau die Arbeitsgenehmigung nicht verlängert. Und das, obwohl er sich offenbar schon in der Ausbildung wirklich angestrengt hat. Jede Nacht ist er zur Backstube geradelt, 18 Kilometer am Tag. Einmal in der Woche ist er mit dem Fahrrad sogar nach Garmisch in die Berufsschule, das sind über 100 Kilometer.

Arbeitserlaubnis wegen Umzugs nicht verlängert

Die Schicht in der Bäckerei Kasprowicz in Pähl beginnt um sieben Uhr Früh. Das ist von der Asylunterkunft in Weilheim nicht mit dem ersten Bus zu schaffen. Deswegen hat Brian sich in Pähl eine Wohnung gemietet und sich offiziell umgemeldet. Aber als Asylbewerber hätte er nicht einfach so ausziehen dürfen. Brian musste wieder zurück in die Unterkunft, für die Ausländerbehörde ist das auch ein Grund, ihm jetzt die Arbeitserlaubnis zu verweigern.

Bäckerei Kasprowicz würde Brian wieder einstellen

Wir fahren mit Brian zum Gut Kerschlach, wo die Bäckerei Kasprowicz ihre Waren produziert. Die Bäcker und Chef Julian Kasprowicz freuen sich sehr über den Besuch von Brian. Sie würden ihn sofort wieder arbeiten lassen, sobald die Genehmigung da ist.

"Natürlich fehlt der Brian. Erstens mal als Mensch, weil er einfach ein sympathischer junger Mann ist, aber natürlich auch als Arbeitskraft, als gelernter Bäcker, der er ja ist." Julian Kasprowicz, Bäckereichef

2014 ist Brian aus Uganda geflohen und nach Deutschland gekommen. Sein Asylantrag wurde vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge abgelehnt. Dagegen klagt er vor dem Bayerischen Verwaltungsgericht. Bleiben darf er solange das Verfahren noch läuft – arbeiten aber nicht.

Innenministerium verspricht leichteren Zugang zum Arbeitsmarkt

Das Bayerische Innenministerium kündigte Anfang März an, dass der Zugang zum Arbeitsmarkt für Asylbewerber deutlich gelockert werden soll. Jana Weidhaase vom Bayerischen Flüchtlingsrat rechnet nicht mit einer grundlegenden Verbesserung der Situation.

"Es wird Einzelfälle betreffen, aber keine Massen, weil das erste Problem bleibt bestehen: Es ist immer im Ermessen der Ausländerbehörde." Jana Weidhaase, Bayerischer Flüchtlingsrat

Bäckergeselle zwischen den Mühlen von Bürokratie und Justiz

Trotzdem: Vor allem für Asylbewerber, die sich besonders gut integrieren konnten, sollen sich die Chancen verbessern. Ob Brian wieder arbeiten darf, ist weiterhin ungewiss. Auf eine Anfrage hin äußert das Innenministerium daran Zweifel, weil die Identität noch nicht geklärt sei und noch kein Pass vorgelegt worden sei.

Damit seine Identität festgestellt werden kann, hat Brian eine beglaubigte Kopie seiner Geburtsurkunde vorgelegt. Das Originaldokument ist bei seiner Mutter in Uganda. Er könnte einen neuen Pass beim ugandischen Konsulat in Berlin beantragen, aber das könnte dazu führen, dass seine Klage gegen den negativen Asylbescheid keine Chance mehr hat. Wer hier Schutz vor seinem Heimatland sucht, darf normalerweise keinen Kontakt zu den Behörden dieses Landes haben.