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Nach Halle: Wer hilft der jüdischen Gemeinde Amberg? | BR24

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Nach dem Anschlag auf eine Synagoge in Halle waren die Rufe nach Maßnahmen gegen Antisemitismus und Radikalisierung laut. In Amberg versucht ein Rabbiner ein Präventionsprojekt zu etablieren. Auf finanzielle Hilfe wartet er seit Monaten vergeblich.

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Nach Halle: Wer hilft der jüdischen Gemeinde Amberg?

Nach dem Anschlag auf eine Synagoge in Halle waren die Rufe nach Maßnahmen gegen Antisemitismus und Radikalisierung laut. In Amberg versucht ein Rabbiner ein Präventionsprojekt zu etablieren. Auf finanzielle Hilfe wartet er seit Monaten vergeblich.

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Über 20 Jahre lang waren Brett Gilman seine jüdischen Wurzeln egal. Der US-Amerikaner, ein international tätiger Manager, hatte vor allem Beruf und Karriere im Kopf. Erst spät fand er zurück zum Judentum. Als er vor einigen Jahren von Frankfurt in die Oberpfalz zog, stellte der 48-Jährige voller Freude fest, dass es auch in Amberg eine Synagoge gibt – und eine rege jüdische Gemeinde. Dort fühlt sich Gilman wohl. Weil er aber selbst von Freunden und Bekannten immer wieder antisemitische Sprüche zu hören bekommt, will er Profil gegen den Antisemitismus zeigen – in seiner neuen Heimat Amberg.

Kleine, aber aktive jüdische Gemeinde in Amberg

130 Mitglieder hat die Gemeinde in Amberg, es ist eine kleine jüdische Gemeinde in Bayern. An hohen Feiertagen kommen aber fast alle, um mitzufeiern – so auch vergangenen Oktober an Jom Kippur, dem höchsten jüdischen Feiertag. Dem Tag, als in Halle in Sachsen-Anhalt ein Attentäter versuchte, ein Massaker in der dortigen Synagoge anzurichten.

Ignaz Berger, Vorsitzender der Amberger jüdischen Gemeinde, ist entsetzt über das, was in Halle passiert ist. Von Angst möchte er aber nicht reden. Er spürt in seiner Gemeinde auch viel Positives, eine optimistische Stimmung. Den Nährboden für Antisemitismus sieht er in Positionen, wie sie die AfD vertritt.

"Wir hoffen, dass wir trotzdem eine Demokratie bleiben und nicht diesen Ruck nach rechts haben. Dass wir wieder weg kommen von dem, was sich jetzt entwickelt." Ignaz Berger, Vorsitzender der jüdischen Gemeinde Amberg.

Projekt gegen Antisemitismus geplant

Ambergs Rabbiner Elias Dray betreut in Berlin ein Präventionsprojekt und wurde dort auch schon tätlich angegriffen. Seitdem zieht er in der Hauptstadt ein Baseballcap über seine Kippa, wenn er öffentlich unterwegs ist. In Amberg manchmal auch, meistens aber, um in einer bayerischen Kleinstadt nicht aufzufallen oder komisch angeschaut zu werden.

In Amberg will er ein "Zentrum gegen Radikalisierung" aufbauen, ein Präventionsprojekt mit Wertevermittlung in Schulen und Workshops für Schüler. Dazu will er die Räume von jüdischen Gemeinden öffnen für Führungen. Kontakte, gegenseitiges Kennenlernen und Diskussionen – das seien die Mittel, um Vorurteile abzubauen. So könne man Antisemitismus bekämpfen, sagt Dray.

Keine Unterstützung vom Bundesfamilienministerium

Seit mehr als einem Jahr trommelt er für seine Initiative und versucht, die Finanzierung auf die Beine stellen. Vom Förderprogramm "Demokratie leben" des Bundesfamilienministeriums gab es eine Ablehnung, was Elias Dray sehr enttäuscht hat.

Vor einem Jahr war bereits Ludwig Spaenle, der Beauftragte der Staatsregierung für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus, bei einem Workshop in Amberg zu Gast. Von ihm erhofft sich der Rabbiner nun Unterstützung, damit das "Zentrum gegen Radikalisierung" verwirklicht werden kann.

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