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Neu im Landtag: Wie bayerische Zeitungen mit der AfD umgehen wollen
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Andreas Neukam
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Neu im Landtag: Wie bayerische Zeitungen mit der AfD umgehen wollen

Die bayerischen Berichterstatter sind gewarnt. Andere Bundesländer berichten: Seit die AfD im Plenum sitzt, ist der Umgangston härter, Tabus werden gebrochen. All das jetzt auch in Bayern?

Der SPD-Politikberater und Kommunikationsexperte Johannes Hillje hat die AfD in seinem Buch "Propaganda 4.0" analysiert. Sein Ergebnis: Die AfD kommuniziert strategisch. Vier Elemente sind dabei wichtig: "Das erste Element ist die Delegitimierung der unabhängigen Qualitätsmedien, Stichwort Lügenpresse. Das zweite Element ist die Schaffung eigener Alternativmedien, über die man dann die vermeintliche Wahrheit verbreitet. Das dritte Element ist die Bildung eines digitalen Volkes, eines homogenen Publikums über diese eigenen digitalen Kanäle. Und das vierte Element ist die Instrumentalisierung journalistischer öffentlicher Diskursarenen, wie die Talkshows, wie ein Zeitungsinterview und so weiter."

Klare Medienstrategie der AfD

Damit wolle die AfD bestimmen, welche Themen diskutiert werden und vor allem auch, wie Medien über Themen diskutieren, so Hillije. Dass es sich dabei um eine klare Strategie der AfD handelt, geht auch aus dem von der Partei selbst so genannten "AfD-Manifest" hervor, das sie vor der Bundestagswahl 2017 erstellt hat. Darin heißt es, dass man auf "sorgfältig geplante Provokationen" und eine "Eskalation der Konflikte" setze.

Nicht jede Provokation aufgreifen

Diese Strategie ist auch bayerischen Medienmachern bekannt. Michael Husarek, Chefredakteur der Nürnberger Nachrichten, mahnt deswegen zur Vorsicht.

"Aufpassen müssen wir, dass wir nicht jede Provokation, die die AfD garantiert auch im Bayerischen Landtag von sich geben wird, sofort aufgreifen und mit lautem Gebrüll dagegen vorgehen." Michael Husarek, Chefredakteur der Nürnberger Nachrichten

AfD nicht anders behandeln

Anders sieht das Alexander Kain. Der stellvertretende Chefredakteur der Passauer Neuen Presse berichtet aus dem Bayerischen Landtag und mahnt, die AfD genau wie die CSU und jede andere Partei zu behandeln: "Wenn es jetzt von der CSU sehr viele unflätige Kommentare gäbe, dann muss ich eben sehr oft darüber berichten und, wenn es von der AfD sehr oft solche Kommentare gäbe, dann muss ich eben sehr oft darüber berichten. Aber meine Aufgabe ist nicht, Berichterstattung zu unterschlagen oder umgekehrt, sie hochzujazzen."

Abwägen und differenzieren sei angesagt, meint Michael Stifter, Politikchef der Augsburger Allgemeinen: "Wir diskutieren natürlich ständig, über die Frage wie wir mit dieser Partei umgehen. Auf der einen Seite können wir nicht eine Partei anders behandeln als die anderen. Andererseits ist die AfD natürlich auch eine Partei, die selber großen Wert darauflegt, dass sie nicht ist wie die anderen."

Deutungshoheit nicht den Rechtspopulisten überlassen

Kommunikationsexperte Hillje warnt allerdings davor, nicht nur auf die AfD zu reagieren. Medien müssten selbst agieren. Denn: Mit ihren eigenen Kanälen könnten die Rechtspopulisten teilweise so viele Menschen wie die Tagesschau erreichen, sagt Hillje. Dem Journalismus komme deswegen immer mehr Verantwortung zu:

"Ich glaube, dass die Aufgabe von Journalismus in dieser Zeit ist, dass die Information schneller als die Desinformation sein muss. Das heißt, dass man das Informieren auch über Themen, die vielleicht noch gar nicht auf dem Bildschirm vieler Leute sind, aber schon in rechtspopulistischen Echokammern eine Rolle spielen, das muss man wahrnehmen und diese Themen auch mitbespielen, sonst überlässt man die Deutungshoheit über solche Themen den Rechtspopulisten."

Politik dürften Journalisten deswegen aber nicht machen, sagt Michael Stifter von der Augsburger Allgemeinen. "Aber es ist schon unsere Aufgabe für die Demokratie einzutreten und in Situationen, wo wir das Gefühl haben, da werden demokratische Grundregeln bewusst missachtet oder verachtet, das auch kundzutun und da auch gegenzuhalten."