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Bauern unterstützen mit Weidewiesen die Artenvielfalt

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    Wie Bauern mit Weidewiesen Artenvielfalt unterstützen

    Durch das Volksbegehren Artenschutz fühlten sich konventionelle Bauern angeprangert: Sie würden der Umwelt schaden und Lebensräume zerstören. Landwirt Sepp Zeller aus Traunstein zeigt: Auch konventionelle Landwirtschaft fördert Artenvielfalt.

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    Er ist kein Biobauer und tut trotzdem was für die Artenvielfalt: Sepp Zeller lässt seine Kälber auf der Weitsee-Alm bei Reit im Winkl in den östlichen Chiemgauer Alpen grasen. Mitten im Naturschutzgebiet. Denn seine Weidetiere sorgen für die Artenvielfalt hier oben. Über 70 verschiedene Gräser und blühende Kräuter wachsen auf den Almwiesen, darunter seltene Pflanzen wie das Schusternagerl, auch Frühlingsenzian genannt, Orchideen wie die Mückenhändelwurz oder die Weiße Waldhyazinthe.

    Ohne Beweidung werden Almwiesen zu Wald

    Später im Herbst räumt der Bergbauer mit der Motorsense die Almfläche frei: von Büschen und Disteln, die die Tiere nicht fressen. Diese aufwendige Arbeit macht Sepp Zeller auf insgesamt drei Almen, die zu seinem Hof gehören. Von Mai bis Oktober beweidet er mit 30 weiblichen Jungrindern und 28 Weideochsen fast 40 Hektar Almwiesen. Dafür bekommt er Geld aus dem Vertragsnaturschutzprogramm des bayerischen Umweltministeriums und aus dem Kulturlandschaftsprogramm (KULAP) des Landwirtschaftsministeriums, zum Beispiel für die schwierige Bewirtschaftung von Steillagen.

    Nicht Bio, aber "extensiv"

    Aber Sepp Zeller tut noch mehr für seine artenreichen Wiesen, auch wenn er kein Biobauer ist: Er bewirtschaftet als konventioneller Landwirt auch Grünland im Tal "extensiv", also mit wenig Ertrag - sprich wenig Futter für seine Tiere. "Würde man diese Flächen düngen, könnte man das Doppelte und Dreifache rausholen."

    Kaum düngen, spät mähen

    Auf einigen Flächen verzichtet er komplett auf Dünger, sie werden dadurch "mager" und bieten Pflanzen Lebensraum, die sich auf "fetten", nährstoffreichen Wiesen nicht durchsetzen könnten. Außerdem mäht der Landwirt besonders spät, nach der Blüte. Auch das ist gut für die Artenvielfalt: Die blühenden Pflanzen bieten Insekten Nahrung, sie können Samen bilden und so auch im kommenden Jahr wieder wachsen.

    Das Kräuter-Heu schmeckt den Rindviechern

    Beim Heu-Machen setzt Sepp Zeller auf moderne Technik: Er hat eine Trocknungsanlage auf dem Hof. Nach der Mahd wird das Gras auf den Wiesen nur wenig gewendet und mit bis zu 40 Prozent Restfeuchte zu großen Rundballen gepresst und erst auf dem Hof getrocknet. Die Trocknungsanlage bläst von unten Luft in die Ballen. Auf solches Heu stehen seine "Rindviecher", erklärt Sepp Zeller. Zwischen 800 und 1.000 Rundballen bringt er jedes Jahr heim, als Winterfutter für seine Weideochsen, das Jungvieh und 20 Milchkühe.

    Milch: Leistung und Preis stimmen

    Trotz der extensiven Bewirtschaftung der Wiesen geben die Kühe von Sepp Zeller 7.000 bis 8.000 Liter Milch pro Jahr. Über ein Bergbauernprogramm seiner Molkerei bekommt der Landwirt einen Zuschlag beim Milchpreis und außerdem staatliche Fördergelder für seine Artenschutzmaßnahmen. Alles zusammen rechnet sich.

    Großes Interesse an Fördermaßnahmen

    Mehr als die Hälfte der rund 104.000 landwirtschaftlichen Betriebe in Bayern haben 2019 an einer oder mehreren Agrarumweltmaßnahmen teilgenommen: Insgesamt 62.300 Betriebe. Das war auch schon vor dem Volksbegehren "Rettet die Bienen" und dem draus resultierenden Artenschutzgesetz so.

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