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Wie aussagekräftig sind Zwischenzeugnisse im Homeschooling?

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Wie aussagekräftig sind Zwischenzeugnisse im Homeschooling?

Heute gibt es an vielen bayerischen Schulen Zwischenzeugnisse - wegen der Schulschließungen drei Wochen später als geplant. Viele Schüler waren allerdings die letzten Wochen und Monate im Distanzunterricht. Wie aussagekräftig sind die Bewertungen?

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Von
  • Adrian Dittrich
  • BR24 Redaktion

An bayerischen Gymnasien gibt es heute mit drei Wochen Verspätung die Zwischenzeugnisse. Aber im Distanzunterricht der letzten Wochen und Monate gab es weniger Noten als sonst. Nun gibt es eine Debatte darüber, wie aussagekräftig die Zwischenzensuren in diesem Corona-Halbjahr wirklich seien.

"Ich finde es schon aussagekräftig, weil ja eben Noten gemacht wurden. Aber die Noten, die eben online gemacht werden, das ist eben noch ein großer Unterschied zu denen, die im normalen Präsenzunterricht gemacht werden", sagt die Schülerin Laura Meyer. Die derzeitigen Noten im Homeschooling kämen in ihrer Qualität noch nicht an den normalen Standard vor dem Corona-Lockdown.

Abiturientin: Überblick über Leistungsstand ist wichtig

Laura Meyer geht auf das Rainer-Maria-Rilke Gymnasium in Icking und will im Mai ihr Abitur schreiben. Jede Note zählt - daher ist ihr ein Überblick über den aktuellen Leistungsstand wichtig. Allerdings: Die meisten Noten kennt sie schon. Für sie sei das Zeugnis keine Überraschung, erzählt sie. Die Lehrer hätten die Noten schon vorab informell mitgeteilt. "Aber es ist jetzt schon nochmal formell festgelegt und dann sieht man auch nochmal, dass die Noten so sicher sind."

An vielen Schulen ist das Zwischenzeugnis längst nicht mehr ein Überraschungs-Ei. Denn die Lehrerinnen und Lehrer setzen auf Noten-Transparenz. In vielen Fällen erfahren die Schüler ihren aktuellen Leistungsstand durch zwei zeitlich versetzte Notenberichte statt durch ein Zeugnis. So zumindest an den Realschulen und Gymnasien. An den Grund- und Mittelschulen sind Lernentwicklungsgespräche beliebt.

Grundschullehrerin: Leistungsstand schwer zu ermitteln

Wegen der Pandemie und des langen Distanzunterrichts sei es gar nicht einfach, den Leistungsstand zu ermitteln, sagt Grundschullehrerin Claudia Jarosch: "Es war insoweit schwierig, weil wir ja die Kinder praktisch nur bis Ende Dezember, Mitte Dezember hatten und da auch Leistungsnachweise machen konnten." Im Homeschooling könnten die Zensuren nur durch mündliche Noten gemacht werden, und durch Mitarbeit. Das Problem dabei: "Wir wissen nicht, ob die Kinder bestimmte Bereiche hundertprozentig verstanden haben oder nicht."

Die Schülerinnen und Schüler über den Video-Chat richtig und fair zu bewerten, ist gar nicht so einfach. Denn oft können die Lehrer nicht kontrollieren, ob sie sich bei einer Abfrage helfen lassen und wie aktiv sie tatsächlich am Unterricht teilnehmen. Auch deshalb können Lehrkräfte ein paar Noten auch pandemiebedingt weglassen.

BLLV-Präsidentin: Zwischenzeugnis ist überflüssig

Die Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands, Simone Fleischmann, hält deswegen das Zwischenzeugnis für überflüssig.

"Es kann nicht den Wert haben wie früher. Wir befinden uns in einer völlig abnormalen Zeit. Die Kolleginnen und Kollegen haben sich alle sehr bemüht, möglichst fair trotz Corona jetzt für die Zwischenzeugnisse den Schülerinnen und Schülern eine Rückmeldung zu geben. Aber allein der Satz: Kann aus Corona-Situation heraus nicht umfassend beurteilt werden, zeigt ja schon, dass die Note oder die Beurteilung oder die Beschreibung gar nicht so viel wert ist wie sonst." Simone Fleischmann, Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes

Das bayerische Kultusministerium dagegen hält an den Noten fest, hat aber auf die schwierige Situation bereits reagiert. An Bayerns Schulen gibt es dieses Jahr insgesamt deutlich weniger Noten. Bewertete Leistungsnachweise sind in der Pandemie nämlich nicht mehr ausschließlich das Wichtigste, so Kultusminister Michael Piazolo.

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