BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© BR
Bildrechte: BR/Carolin Hasenauer

Jeder Deutsche verursacht pro Jahr rund 38 Kilo Plastikmüll. Um das Material möglichst lange im Wertstoff-Kreislauf zu halten, forscht das Süddeutsche Kunststoffzentrum in Würzburg nach Alternativen.

12
Per Mail sharen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Wie aus Plastikmüll neuer Rohstoff wird

Wir verursachen in Deutschland pro Jahr 38 Kilo Plastikmüll - verbrennen und exportieren kann nicht mehr länger die Lösung sein. Vielmehr braucht es nachhaltige Alternativen, um das Material möglichst lange im Wertstoff-Kreislauf zu halten.

12
Per Mail sharen
Von
  • Carolin Hasenauer

Ob Shampooflasche, Joghurtbecher, Nudelpackung oder die Flasche Mineralwasser - fast alles, was wir im Alltag brauchen, ist in Plastik gepackt. Jeder von uns in Deutschland verursacht pro Jahr etwa 38 Kilogramm Plastikmüll mit solchen Kunststoff-Verpackungen - und dann? Exportieren war lange das Mittel der Wahl. Seit 2017 müssen 58,5 Prozent des Verpackungsmülls per Gesetz wieder zu Kunststoff verarbeitet werden. Das größte Kunststoffzentrum Deutschlands mit Sitz in Würzburg forscht und tüftelt an nachhaltigen Alternativen.

Verpackungs-Mix macht Recycling schwierig

Alle zwei Wochen wird der Gelbe Sack abgeholt – und zum Teil recycelt. Aber so einfach ist das gar nicht, erklärt Chemikerin Marieluise Lang: "Plastikverpackungen sind oft nicht nur aus einem Kunststoff. Häufig sind die innen mit einer Art Metall beschichtet."

Kekse und Nüsse sind oft so verpackt, damit sie lange frisch und knackig bleiben. Die Plastiktüten um Rosinen oder Toast sind dagegen oft etwa aus durchsichtigem Material, das sich besser recyclen lässt. Gereinigt werden müssen aber alle Verpackungen, bevor sie wiederverwertet werden können - ein langer Prozess, bis sie endlich bei Marieluise Lang am Süddeutschen Kunststoffzentrum, kurz SKZ, in Würzburg ankommen.

© BR
Bildrechte: BR

Verpackungsmüll und Recycling in Deutschland

Maschine schmilzt Müll ein und formt neues Material

Entscheidend ist für ihre Forschung eine ziemlich laute Maschine, die bis unter die fünf Meter hohe Decke der Produktionshalle reicht. Sie erhitzt die Plastikschnipsel auf 250 Grad Celsius bis sie schmelzen und formt die zähe Masse dann zu gleichgroßen Kügelchen. Und genau das ist entscheidend, erklärt Chemikerin Marieluise Lang: "Beim Backen zum Beispiel: Zucker lässt sich problemlos dosieren, Mehl dagegen schwappt immer so raus - das liegt daran, dass Zuckerkörner eine einheitliche Größe haben, Mehl nicht."

Von Plastikmüll bis hochwertigeres Material

Und mit diesen Plastik-Kügelchen, die ja eigentlich Müll waren, kann jetzt was komplett Neues hergestellt werden: Pflanzkästen, Transportboxen, Werkzeugkoffer oder Shampoo-Flaschen zum Beispiel. Nichts, was für die Ewigkeit halten muss, denn die Qualität des Plastiks aus den Gelbe-Sack-Schnipseln ist natürlich nicht besonders gut.

Kunststoff für nachhaltige Mobilität

Doch es zeigt: Plastik muss kein Wegwerf-Produkt sein. Und mit hochwertigen Kunststoff-Schnipseln kann man sogar Flugzeuge oder Autos ausstatten, sagt SKZ-Leiter Martin Bastian: "Und da ist Kunststoff klar im Vorteil gegenüber Stahl etwa, weil es acht Mal leichter ist. So verbraucht das Auto am Ende auch viel weniger Sprit - ein leichtes Auto ist ein umweltfreundliches Auto."

Entscheidend sei da aber natürlich auch, dass der Kunststoff aus nachwachsenden Rohstoffen anstatt aus Erdöl hergestellt wird. Noch ist die Forschung nicht soweit und die Recycling-Maschine frisst auch nicht alles.

60 Jahre Süddeutsches Kunststoffzentrum

Das größte Kunststoffzentrum Deutschlands SKZ hat seinen Sitz in Würzburg. Vor 60 Jahren wurde es gegründet und erforschte damals neuartige Rohre für die Wasserversorgung als Ersatz für Bleirohre. Heute liegt der Hauptforschungs-Schwerpunkt auf dem 3D-Druck, auf der Weiterbildung und der Prüfung von Kunststoffen. Das SKZ-Netzwerk hat 400 Mitgliedsunternehmen.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!