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Wie aus Herr Wißgott Frau Wißgott wurde

Sandra Wißgott aus Wolframs-Eschenbach war einmal ein Mann, bekam als solcher drei Kinder und war Leiter einer Schule. Dann outete sie sich, ließ sich medizinisch einer Frau angleichen – und ist nun eben Frau Wißgott. Von Patricia Reichel

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1961 kommt Sandra Wißgott als Bub in einem konservativen Dorf in der Oberpfalz zur Welt. Bereits mit elf Jahren merkt sie, dass sie lieber ein Mädchen wäre. Doch bevor sie sich outen kann, durchläuft sie lange Jahre des Leidens und des Versteckspiels.

"Ich hatte immer Ängste. Wie wird es laufen, wie geht es beruflich, wie geht’s mit der Familie weiter? Von der schulischen Seite habe ich sehr positive Erfahrungen gemacht. Also ich bin wirklich sehr gut aufgenommen worden." Sandra Wißgott, Schulleiterin

Geständnis kostet Überwindung

Die strenge Katholikin behält ihre Gefühle 35 Jahre lang für sich. Als Mann heiratet sie. Ein halbes Jahr später gesteht sie dann ihrer Partnerin, dass sie lieber eine Frau sein möchte.

"Wir waren frisch verliebt und frisch verheiratet. Es war alles wunderbar. Und da habe ich mir erst gedacht, das ist halt irgendeine Spinnerei. Und ich bin dann über die Jahre praktisch auch mit rein gewachsen." Erna Wißgott, Ehefrau von Sandra Wißgott
"Es hat wirklich Überwindung gekostet. Und dann gab's Tränen von ihrer Seite, und Tränen von meiner Seite. Und Unsicherheit – wie geht man damit um?" Sandra Wißgott, Schulleiterin

Familie steht an erster Stelle

Das Paar bekommt drei Kinder. Erst als diese zehn, zwölf und 14 Jahre alt sind, sprechen die Eltern mit ihnen über die Transidentität ihres Vaters.

"Wenn, dann schaffen wir das nur zu fünft. Entweder müssen wir uns trennen, oder wir schaffen es zu fünft. Und die Kinder haben gesagt: Wir wollen, dass ihr zusammen bleibt. Wir schaffen das." Erna Wißgott, Ehefrau von Sandra Wißgott
"Die Familie stand immer im Vordergrund. Und ich denke, wenn die Familie nicht mitgemacht hätte oder nicht hätte mitmachen können, dann hätte ich zumindest noch versucht, es rauszuzögern. Wie lange das gegangen wäre, weiß ich nicht, weil der Druck da war, der Druck war immens." Sandra Wißgott

Das jahrelange Versteckspiel hat ein Ende. Nach dem Outing in der Familie, im Dorf und in der Schule lässt Sandra Wißgott 2008 in einer Operation auch ihr Geschlecht einer Frau angleichen.

Selbsthilfegruppe gegründet

In Ansbach gründet Sandra Wißgott schließlich die Selbsthilfegruppe Trans-Ident – einen Verein, dem inzwischen zwölf Gruppen und Beratungsstellen in Bayern und Hessen angehören. Die Homepage von Trans-Ident wird jeden Tag mehr als 1.000 Mal angeklickt.

"Mir ist vor vielen Jahren auch geholfen worden, in einer anderen Selbsthilfegruppe, so dass ich auf den richtigen Weg gekommen bin. Ich bin jetzt seit fast neun Jahren fertig mit meiner Angleichung – und diese Hilfe, die möchte ich jetzt gerne an andere weitergeben." Sandra Wißgott

Anderen Transidenten rät sie, mit offenen Karten zu spielen. Dank der Toleranz in ihrem Umfeld und in der Familie kann Sandra Wißgott nun sein, was sie im Inneren schon immer ist – eine Frau.