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Rund 250.000 Tonnen Klärschlamm fallen in Bayern jährlich an, der entsorgt werden muss - meist weit entfernt in Verbrennungsanlagen. Aber das könnte auch energiesparender gehen und vielleicht bald sogar mit positivem Nebeneffekt ...

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Wie aus Abwasser wertvolle Biokohle werden kann

Schwermetalle, Arzneimittel, Bakterien: Unser Abwasser ist voll mit schädlichen Substanzen. Bei seiner Reinigung in Kläranlagen entsteht giftiger Klärschlamm. Doch es gibt Alternativen, die den Schlamm in Biokohle verwandeln – und die Umwelt schonen.

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Von
  • Judith Zacher
  • Ariane Stürmer

Rund 2.600 Kläranlagen gibt es in Bayern, so viele wie in keinem anderen Bundesland in Deutschland. Sie bereiten das Abwasser auf, das täglich in Küchen, Badezimmern, Toiletten und bei der gewerblichen Produktion anfällt. Übrig bleibt am Ende des langwierigen Reinigungsprozesses auch Klärschlamm. Der wiederum enthält zwar wertvolle Rohstoffe wie Phosphor, zugleich aber auch umweltschädliche und teils giftige Substanzen.

Klärschlamm-Transport quer durch Bayern

Wohin also mit den rund 250.000 Tonnen Klärschlamm, die jährlich in Bayerns Kläranlagen anfallen? Rund 80 Prozent davon landen derzeit in getrockneter Form in den Verbrennungsanlagen – oft weit entfernt von den Kläranlagen, in denen der Klärschlamm entstanden ist. Der Transport dorthin kostet – und schadet der Umwelt.

Getrockneter Klärschlamm spart Kosten

Wie es anders gehen könnte, zeigt das Beispiel einer kleinen Kläranlage in Monheim im Landkreis Donau-Ries. Sie verarbeitet die Abwässer von etwa 7.000 Personen. Statt den Klärschlamm rund 130 Kilometer zur Verbrennungsanlage nach Schongau fahren zu lassen, setzt Klärmeister Wolfgang Wild seit zwei Jahren auf eine moderne Trocknungsanlage, die den Schlamm zunächst entwässert und in Pellets presst. Seither verlassen erheblich weniger Lkw die Monheimer Kläranlage Richtung Verbrennung, denn das Volumen des Schlamms verringert sich mit der Trocknung zu Pellets um rund 75 Prozent.

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Die Verfahrensschritte: vom Abwasser über den mechanisch getrockneten Klärschlamm und die Klärschlammpellets bis hin zur Biokohle.

Klärschlamm als Energielieferant

Gebaut hat die Anlage die Firma Jumbo Group im schwäbischen Buttenwiesen. Geschäftsführer Franz Kraus möchte mit seinen Trocknungsanlagen künftig noch einen Schritt weitergehen und aus dem Verarbeitungsprozess des Klärschlamms sowohl Energie als auch Rohstoffe ziehen. Die Pellets sollen dann nicht mehr verbrannt werden müssen, sondern als Biokohle zum Einsatz kommen.

Wie aus Klärschlamm Biokohle wird

Eine solche Trocknungsanlage erprobt die Firma derzeit in Bissingen im Landkreis Dillingen. Die Pellets werden in diesem Verfahren unter Ausschluss von Sauerstoff nochmals getrocknet. Alles Organische werde den Klärschlammpellets dadurch entzogen, so Kraus. Auf diesem Weg entstehe reine, tiefschwarze Biokohle.

Ein weiterer Effekt: Bei der Trocknung der Pellets zu Biokohle entsteht Gas. Das Gas wiederum lässt sich verbrennen, die dabei entstehende Wärme unterstützt die Trocknung des Klärschlamms. Damit sei für den gesamten Prozess keine weitere Energiezufuhr nötig.

Ein Kreislauf, der CO2 wie ein Wald speichert

Von den 850.000 Kubikmetern Abwasser, die in Monheim pro Jahr anfallen, blieben nach der Verarbeitung zu Pellets etwa 150 Tonnen, nach der sogenannten "Pyrolyse" wären dann noch etwa 80 Tonnen Biokohle übrig. Die habe zwei weitere Vorteile, so Kraus: Zum einen enthalte sie Kohlenstoff, klimaschädliches CO2 würde gebunden.

Bei einer Menge von 5.000 Tonnen jährlichen Klärschlamms könnten einer Berechnung von Kraus zufolge 633 Tonnen CO2 gespeichert werden. Das entspreche der CO2-Speicherleistung einer Waldfläche von 50 Hektar.

Als Bodenverbesserer zugelassen, als Dünger (noch) nicht

Der zweite Vorteil: Der Phosphor bleibt in diesem Produkt enthalten: Damit sei die Methode zur Phosphorrückgewinnung geeignet, so Kraus. Und die ist ab 2029 gesetzlich vorgeschrieben.

Biokohlepellets könnten als Zusatz zur Effizienzsteigerung in Biogasanlagen oder als Bodenverbesserer genutzt werden. Noch allerdings seien sie nicht als Dünger zugelassen: Käme die Genehmigung dafür, könnte man den getrockneten und zu Biokohle umgewandelten Klärschlamm gewinnbringend verkaufen, statt ihn teuer zu entsorgen.

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