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Wie auf verlassenen Bauernhöfen wieder Leben einkehrt | BR24

© BR/Judith Zacher

Täglich werden in Bayern Flächen zubetoniert. Kritiker sprechen von Flächenfraß. Der Kreis Donau-Ries will gegensteuern und verlassene Bauernhöfe wiederbeleben.

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Wie auf verlassenen Bauernhöfen wieder Leben einkehrt

Der Flächenverbrauch in Bayern: ein Thema mit Zündstoff. Dabei gibt es im Freistaat noch viel Platz – zum Beispiel auf Bauernhöfen, die nicht mehr bewirtschaftet werden. Der Landkreis Donau-Ries versucht, solchen Höfen neues Leben einzuhauchen.

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Martin Doppelbauer zeigt auf ein Foto aus dem Jahr 1999. Damals haben er und seine Frau Kathrin einen früheren Schweinestall neben seinem Elternhaus in Appetshofen gekauft, einem Ortsteil von Möttingen im Landkreis Donau-Ries.

"Wir haben 24 Monate umgebaut"

Harte Jahre seien das damals gewesen, erinnert er sich: "Wir haben ja 24 Monate umgebaut." Was die Sache etwas vereinfacht hat: der Vater ein ehemaliger Maurer – und Freunde, die mitgeholfen haben. Alles in allem habe es Spaß gemacht. Schließlich sei es darum gegangen, etwas Eigenes zu schaffen.

Mittlerweile haben die Doppelbauers auch das Nachbarhaus renoviert – für Kathrins Eltern, die aus Sachsen nach Nordschwaben gezogen sind. Grüne Fensterläden, Sprossenfenster: Aus dem einst verfallenen Bauernhaus ist ein Haus wie aus dem Bilderbuch geworden: "Der alte schwäbische Baustil – das hat auch einen gewissen Charakter, so ein Haus", findet Martin Doppelbauer. Da könne man sich richtig wohlfühlen.

Kreis Donau-Ries hat Modellprojekt entwickelt

Über Unterstützung der Gemeinde hätten sie sich allerdings gefreut, sagt Kathrin Doppelbauer: "Schön wäre es gewesen, wenn die Gemeinde noch bisschen was honoriert hätte." Zum Beispiel, indem die Möglichkeit geschaffen worden wäre, Schutt kostenlos zu entsorgen.

Anreize schaffen, um leerstehende Gebäude in Ortschaften wiederzubeleben: Darum bemüht sich der Landkreis Donau-Ries seit fünf Jahren in einem Modellprojekt. Zunächst hat man ermittelt, wie viele Flächen innerorts überhaupt zur Verfügung stehen. Dann ging es um die Frage, wer tatsächlich verkaufen will.

Zwei große Baugebiete könnten eingespart werden

Schon das sei eine ganze Menge, sagt Barbara Wunder vom Landratsamt Donau-Ries: "Wir haben schon hundert Leerstände und Brachflächen im Ortskern ermittelt, die zum Verkauf stehen." Allein damit könne man zwei große Baugebiete einsparen.

Theoretisch wäre noch mehr drin: Ganze 350 Hektar liegen innerorts brach. Das Problem: Die Eigentümer wollen nicht verkaufen. Auf der Bank gibt’ es zurzeit kaum Zinsen fürs Geld – und gerade beim Verkauf von Bauernhöfen fürchten viele die Steuerlast. Eine Belastung, die sich nach Einschätzung von Steuerberatern allerdings durch eine gute Vorbereitung vermindern lässt.

Die Doppelbauers sind zufrieden mit neuem Zuhause

Die Doppelbauers jedenfalls sind glücklich mit ihrem neuen Zuhause: Es bietet einfach mehr Platz als ein herkömmliches Haus in einer Siedlung. So viel Platz, dass sich der gelernte Metallbauer Martin Doppelbauer noch eine Werkstatt eingerichtet hat. Das Dorf sei als Mischgebiet eingestuft – da sei es recht einfach, ein Gewerbe anzumelden.

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