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Widerstandskämpfer Scholl: Letzte Schwester gestorben | BR24

© pa/dpa/Stefan Puchner

Hans und Sophie Scholl: Letzte Schwester gestorben

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Widerstandskämpfer Scholl: Letzte Schwester gestorben

Elisabeth Hartnagel, Schwester der NS-Widerstandskämpfer Hans und Sophie Scholl, ist tot. Am Freitag ist sie - einen Tag nach ihrem 100. Geburtstag - gestorben. Sie hatte nach dem Tod ihrer Geschwister den Verlobten von Sophie Scholl geheiratet.

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Die letzte Schwester der Widerstandskämpfer Hans und Sophie Scholl ist tot: Elisabeth Hartnagel starb laut der Weiße-Rose-Stiftung in München am vergangenen Freitag, einen Tag nach ihrem 100. Geburtstag. Hartnagel lebte in Stuttgart.

Ihre Geschwister Hans (geboren 1918) und Sophie (geboren 1921) waren 1943 als Mitglieder der Widerstandsgruppe "Weiße Rose" von den Nationalsozialisten hingerichtet worden. Sie hatten das Terrorregime der Nazis gemeinsam mit u.a. Alexander Schmorell, Willi Graf, Christoph Probst und Kurt Huber in Flugblättern angegriffen. Heute erinnert eine Dauerausstellung am Lichthof der Ludwig-Maximilians-Universität an die "Weiße Rose".

"Ich habe mir damals gewünscht, ich würde mir das nur einbilden"

Die Weiße-Rose-Stiftung hatte zum 100. Geburtstag Elisabeth Hartnagels eine Würdigung auf ihrer Facebookseite veröffentlicht. Darin hieß es, Elisabeth Hartnagel habe von der Hinrichtung ihrer Geschwister am Tag danach aus der Zeitung davon erfahren. "Ich habe mir damals einfach gewünscht, ich sei verrückt, ich würde mir das alles einbilden, es würde bestimmt nicht wahr sein", erzählte sie später.

Ganze Familie nach Hinrichtung in "Schutzhaft" genommen

Sie hatte Hans und Sophie erst zwei Wochen vor deren Verhaftung in München-Schwabing besucht, wusste aber nichts vom aktiven Widerstand der beiden. "Ich war zu naiv", erklärte sie einmal, "dabei hätte ich mir alles zusammenreimen können".

Kurz nach der Beisetzung der Geschwister wurde die gesamte Familie Scholl in "Schutzhaft" genommen, wie die Weiße-Rose-Stiftung weiter berichtete. Nur Bruder Werner blieb demnach verschont, weil er als Soldat an der sowjetischen Front war. Später wurde bekannt, dass Werner der erste unter den Geschwistern war, der gegen die Nazis aufbegehrte: Als Jugendlicher soll er zum Beispiel der Justitia-Statue vor dem Ulmer Landgericht mit einem Hakenkreuztuch die Augen verbunden haben.

Sophies Verlobten geheiratet

Elisabeth Hartnagel blieb laut der Weiße-Rose-Stiftung zwei Monate im Gefängnis und wurde während der Haft schwer krank. 1945 heiratete sie den ehemaligen Verlobten ihrer Schwester Sophie, Fritz Hartnagel (1917-2001). Das Paar hatte vier Kinder.

Die "Frankfurter Rundschau" berichtete 2005 über Elisabeth Hartnagel, sie habe sich zum Widerstand gegen das Hitler-Regime in der Öffentlichkeit lange zurückgehalten. "Doch seit ihre Schwester Inge Aicher-Scholl und inzwischen auch ihr Mann verstorben sind, fühlt sie als Zeitzeugin eine Verpflichtung zum Reden und Aufklären."

© BR/Ulrich Chaussy

Elisabeth Hartnagel, Schwester der NS-Widerstandskämpfer Hans und Sophie Scholl erzählte 2005 dem BR-Journalisten Ulrich Chaussy von Sophies Rolle in der "Weißen Rose" - anlässlich der Aufstellung einer Büste der Schwester in der Walhalla.

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