Zurück zur Startseite
Bayern
Zurück zur Startseite
Bayern

Widerstandskämpfer Probst: Ein Mann, der dem Gewissen folgte | BR24

© BR

Zum ersten Mal in der Geschichte der Bundeswehr trägt eine Kaserne den Namen eines NS-Widerstandskämpfers.

9
Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Widerstandskämpfer Probst: Ein Mann, der dem Gewissen folgte

Am 6. November wäre er 100 Jahre alt geworden. Doch Christoph Probst wurde mit nur 23 Jahren hingerichtet. Jetzt wird er von der Bundeswehr geehrt: Zum ersten Mal bekommt eine Kaserne den Namen eines NS-Widerstandskämpfers der Weißen Rose.

9
Per Mail sharen
Teilen

Letzte Vorbereitungen für einen Festakt. Zum ersten Mal in der Geschichte der Bundeswehr trägt eine Kaserne den Namen eines NS-Widerstandskämpfers: Christoph Probst, Mitglied der Weißen Rose, diente im Zweiten Weltkrieg als Sanitätsfeldwebel. Dennoch folgte der Medizinstudent seinem Gewissen und kämpfte gegen das Naziregime.

Die Weiße Rose verteilte Flugblätter, schrieb Freiheitsparolen an Hauswände. Die Gestapo verhaftete die Münchner Widerstandsgruppe 1943. Ein Augenzeuge erinnert sich an den Gerichtsprozess.

"Das ganze Verfahren hat im Verhältnis zu der Gewichtigkeit nicht sehr lang gedauert. Das waren rund drei vier Stunden, die Angeklagten selbst waren außerordentlich gefasst in diesem Prozess." Augenzeugenbericht von Leo Samberger aus dem Jahr 1968

"Christoph Probst wird noch gebraucht"

Im Norden von München ist der Sanitätsdienst der Bundeswehr angesiedelt. Für die Soldatinnen und Soldaten ist Christoph Probst Vorbild. Neben Vertretern der Bundeswehr sind zum Festakt für Christoph Probst auch sein Enkel Sebastian und andere Familienmitglieder gekommen. Die Bundeswehr hat nach ihrem Einverständnis gefragt, als feststand, dass sie die Kaserne nach dem berühmten Vorfahren benennen will. "Ich bin da ganz zufrieden, weil ich habe ihn ja leider nicht erlebt. So ist wenigstens die Erinnerung da und er ist nicht ganz untergegangen im Trubel des Zweiten Weltkriegs.", sagt sein Enkel Sebastian.

Für seinen Sohn Vincent ist die "Riesenveranstaltung" am 100. Geburtstag eine große Auszeichnung. "Es ist ja auch eine Namensgebung nicht nur ein Akt des Erinnerns, sondern es ist auch eine Standortvergewisserung. Wo sind wir heute in der Gesellschaft und was ist uns wichtig, auch der Blick nach vorne. Wir haben das Gefühl, Christoph Probst wird noch gebraucht." meint sein Enkel Maximilian.

Der Vater von Probst war ein Sinnsucher

Christoph Probst war der einzige gebürtige Bayer im Kern der Weißen Rose. In Murnau wird er in großbürgerliche Verhältnisse geboren. Den Vater, Spross einer Allgäuer Kaufmannsfamilie, fasziniert fernöstliche Spiritualität. "Sein Vater Hermann hatte es abgelehnt, das Erbe anzutreten in einem großbürgerlichen Betrieb, sein Vater war ein großer Sinnsucher, der sich nicht einpferchen ließ in vorgegebene bürgerliche Bahnen, seine Mutter, Katharina, war eine sehr sensible Frau, aber die Ehe ging schon in die Brüche, als sie noch mit Christoph schwanger war," so Jakob Knab, Weiße-Rose-Experte.

Christoph Probst wohnt ab 1925 im Münter Haus in Murnau. Die Familie pflegt Kontakt zu Künstlerkreisen. Auch mit Emil Nolde. Er porträtiert "Christel", wie der Junge in seiner Familie genannt wird. "Beide Eltern ließen dem Christoph seine Freiräume. Diese vorgezeichneten engen bürgerlichen Bahnen, das waren Vater und Mutter einfach ein Greul," führt Knab weiter aus.

Durch die Bande der Freundschaft zur "Weißen Rose"

Mit Alexander Schmorell verbindet Probst eine "unzerreißbare Freundschaft“. Er bringt Probst zur Weißen Rose. In Schmorells Elternhaus tippt die Widerstandsgruppe die ersten vier Flugblätter.

Nach der Niederlage von Stalingrad rumort es 1943 in der gleichgeschalteten Bevölkerung. Als Hans Scholl beim Verteilen der Flugblätter in der Münchner Uni verhaftet wird, hat er einen neuen Entwurf mit dem Text von Christoph Probst dabei. Er konnte ihn nicht vernichten. Die Gestapo zwingt Probst später, den Inhalt zu rekonstruieren. Darin stand: Hitler und sein Regime muss fallen, damit Deutschland weiterlebt.

Für den Prozess gegen die Weiße Rose wurde der gefürchtete Strafrichter Roland Freisler eigens aus Berlin eingeflogen.

"Das zeigt, wie das NS-Regime verunsichert war von dieser Handvoll Studenten aus München, die in ihrem Verlangen nach Recht, Freiheit und Würde eine klare Botschaft an das Volk richteten." Jakob Knab, Weiße-Rose-Experte

Keine Gnade für den Familienvater Probst

Zusammen mit Hans und Sophie Scholl wurde Christoph Probst zum Tode verurteilt. Er war gerade zum dritten Mal Vater geworden. Die Familienangehörigen setzten auf Gnadengesuche. Leo Samberger war damals Jura Student und Gerichtsreferendar. "Vater Scholl hat mich dann Nachmittag um 5 Uhr zuhause nochmal angerufen und hat gesagt, es fehlt noch das Gnadengesuch von Christoph Probst. Seine Frau liegt im Krankenhaus Tegernsee im Wochenbett. Während ich ihm das Gnadengesuch ihm gerade übergeben habe, hab ich in der Nähe des Tisches einen Bekannten getroffen und der hat gesagt, er hat gehört, dass das Todesurteil bereits vollstreckt war," erinnert sich Samberger. In München-Stadelheim, ging Christoph Probst seinen letzten Gang zur Guillotine.

Bundeswehr geht neue Wege

Mit dem Einmarsch der Truppenfahne zollen die Soldatinnen und Soldaten Christoph Probst höchsten Respekt. Mit der Namensgebung geht die Bundeswehr neue Wege in der Erinnerungskultur.

"Für uns ist das gestaltungs- und traditionsbestimmend. Das ist das, was wir wollen, dass man seine Meinung sagt, dass man sie äußert und dass man dadurch vorbildlich ist." Dr. Stephan Schoeps, Generalstabsarzt