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Widerstand gegen neue Stromtrasse in Franken erfolgreich | BR24

© pa/APA/picturedesk.com

Photovoltaik-Anlagen und Windräder auf der Mainplatte nördlich von Würzburg

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Widerstand gegen neue Stromtrasse in Franken erfolgreich

Der Protest hat Wirkung gezeigt: Die Pläne für die Stromtrasse P44, die von Thüringen nach Unterfranken geführt hätte, sind vom Tisch. Eine andere Trasse nach Grafenrheinfeld soll aber gebaut werden.

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Jahrelange Proteste gegen eine neue Stromtrasse in Nordbayern waren erfolgreich. Es werden weder die geplante Trasse P44 (von Altenfeld in Thüringen nach Grafenrheinfeld in Unterfranken) noch die unter dem Namen P44mod diskutierte Alternative durch den Landkreis Bamberg umgesetzt. Das teilte die bayerische Staatskanzlei heute mit. Demnach hat sich Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) mit dem Bund und den beteiligten Ländern Thüringen und Hessen geeinigt.

Trasse in Unterfranken wird trotzdem gebaut

In einem Schreiben des Wirtschaftsministeriums heißt es, dass ein anderes Stromtrassen-Projekt – die Trasse P43 – in ihrer ursprünglichen Form von Mecklar in Hessen nach Grafenrheinfeld gebaut werde. Sie soll allerdings so weit wie möglich mit Erdkabeln realisiert werden, was laut Staatskanzlei "enorm zur Landschaftsverträglichkeit beiträgt".

Alternative Trassen-Verläufe komplett in Hessen konnte man laut Wirtschaftsministerium in den Verhandlungen nicht durchsetzen. Auch andere Leitungen – wie die Juraleitung von Nürnberg nach Landshut – sollen teilweise erdverkabelt werden.

Aufatmen im Landkreis Bamberg

Der Landkreis Bamberg hatte mit seinen betroffenen Kommunen mehrfach gegen den Netzentwicklungsplan der Bundesnetzagentur mobil gemacht. Bambergs Landrat Johann Kalb sagte dem BR, seit 2015 habe man gegen die P44-Pläne gekämpft. Jetzt seien "alle erleichtert", dass diese vom Tisch seien. Bereits vorhandene Stromtrassen sowie die ICE Strecke und die Autobahnen A73 und A70 würden bereits erheblich in das Landschaftsbild eingreifen. Eine zusätzliche Belastung der Kulturlandschaft und der Menschen sei "nicht mehr zumutbar".

Das Aktionsbündnis gegen die Süd-Ost-Trasse begrüßte das P44-Aus. "Wir konnten eine wirklich überflüssige Trasse verhindern", so Sprecherin Dörte Hamann.

Netzbetreiber Tennet reagiert gelassen

Der Netzbetreiber Tennet reagierte gelassen auf die Entscheidungen. "Wir nehmen die getroffenen Vereinbarungen zur Kenntnis", sagte eine Unternehmenssprecherin dem Bayerischen Rundfunk. Die Politik verzichte mit der P44 und deren Alternativvariante auf eine Stromleitung, die ohnehin noch in keinem Gesetzesverfahren gestanden habe.

Die P43-Pläne müsse der Bundestag nun im Bundesbedarfsplangesetz festschreiben. Nach Einschätzung des Netzbetreibers sei damit erst im nächsten Jahr zu rechnen.

Mehr Photovoltaik-Anlagen in Bayern

Zudem hat der bayerische Ministerrat bei seiner heutigen Sitzung beschlossen, die bisherige Höchstgrenze für Photovoltaik-Anlagen auf landwirtschaftlich genutzten Flächen heraufzusetzen. Bisher lag die Grenze bei maximal 30 Freiflächen-Anlagen pro Jahr auf Acker- und Grünlandflächen in benachteiligten Gebieten. Künftig dürfen jährlich im Freistaat 70 dieser Anlagen entstehen.

Um die Versorgungssicherheit in Bayern zu garantieren, sind laut der bayerischen Staatsregierung weitere Vorhaben geplant – etwa neue Gaskraftwerke für die Reserve-Stromproduktion oder die Verlängerung der Förderung für Kraft-Wärme-Kopplung bis 2030. Für die Staatskanzlei sind die Maßnahmen ein großer Schritt für eine "dauerhafte Versorgungssicherheit in Bayern nach der Abschaltung aller bayerischen Atomkraftwerke Ende 2022".

© pa/dpa

Starkstrommasten in der Nähe von Grafenrheinfeld