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Sollte ein Flutpolder in Bertoldsheim gebaut werden, fürchten Anwohner und der Bürgermeister von Marxheim, dass dieser den natürlichen Abfluss verhindere und als unüberwindliche Sperre rückstauendes Wasser in die Häuser der Gemeinde drücke.

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Widerstand gegen Flutpolder: Marxheim droht mit Klage

In Marxheim im Landkreis Donau-Ries wächst der Widerstand gegen den Flutpolder Bertoldsheim. Anwohner fürchten bei einem Rückstau, dass ihre Häuser geflutet werden. Der Bürgermeister und auch Anwohner drohen jetzt mit einer Klage.

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Von
  • Tobias Hildebrandt

Für Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) dürfte es ein schwieriges Gespräch werden: Am Montagabend (19.07.2021) trifft er im Kloster Weltenburg Bürgermeister aus den von Flutpoldern betroffenen Gemeinden. In Marxheim im Landkreis Donau-Ries ist schon von einer Klage gegen den Polder Bertoldsheim die Rede. Der Streit um den Flutpolder ist damit nach jahrelanger Pause wieder voll entbrannt.

Bürgermeister und Anwohner wollen vor Gericht ziehen

Der Marxheimer Bürgermeister Alois Schiegg sagte dem BR, seine Gemeinde habe die Planungshoheit, deshalb sei es gut möglich, dass die Kommune federführend klage. Auch Anwohner Reiner Baumann, Mitglied einer Bürgerinitiative gegen den Flutpolder, kündigt an, vor Gericht zu ziehen: "Wir werden da massiv auftreten", sagte Baumann dem BR.

Schäden für Anwohner "unvermeidbar"

Vor dem Gespräch mit Umweltminister Glauber, an dem auch Marxheims Bürgermeister teilnehmen wird, sagte Alois Schiegg dem BR: Vor fünf Jahren habe es geheißen, der Polder dürfe nicht gebaut werden, wenn den bestehenden Anwohnern Nachteile entstehen, "und das ist aus unserer Sicht unvermeidbar."

Handyfotos zeigen überflutete Dorfstraße

Warum, das zeigt Anwohnerin Gabriele Buck-Baumann mit mehreren Handy-Fotos. Darauf zu sehen: Die Hauptstraße in Marxheim nach einem Starkregen vor vier Wochen. Der Dorfbach ist über die Ufer getreten, die Straße geflutet und das Wasser steht bis zur Einfahrt in ihr Grundstück. "Normalerweise läuft das Wasser dann hier nach unten ab, aber das könnte es ja nicht, wenn da ein Flutpolder wäre", sagt Buch-Baumann.

Bürgermeister fürchtet geflutete Häuser

Die Anwohner und Bürgermeister Schiegg fürchten, dass der Damm des Flutpolders den natürlichen Abfluss aus Marxheim verhindert und eine unüberwindbare Sperre darstellt. Starkregen oder auch Grundwasser, dass bei einem Donau-Hochwasser durch den kiesigen Untergrund hochgedrückt werde, könne dann nicht mehr wie gewohnt in Richtung Donau abfließen. Der Bürgermeister glaubt, dass sich das Wasser dann auf der Rückseite des Damms stauen und in viele Häuser in Marxheim laufen könnte.

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BR24-Grafik: Flutpolder an der Donau

Umweltministerium will Wasser über den Damm pumpen

Sollte sich das Wasser auf der Rückseite des Polderdamms sammeln, dann wird es laut Umweltministerium über den Damm in die Überschwemmungsfläche gepumpt. Wie das im Detail aussehen könnte, stehe aber noch nicht fest.

Bürgermeister Schiegg bezweifelt, dass das möglich ist und macht eine Rechnung auf: Das Einzugsgebiet sei hier fünf Quadratkilometer groß, bei einem Starkregen von 50 Litern pro Quadratmeter kämen 250.000 Kubikmeter Wasser zusammen. Selbst eine Hochleistungspumpe schaffe nur gut 7.000 Kubikmeter Wasser pro Stunde – das sei viel zu langsam.

Mit Blick auf das Treffen mit dem Umweltminister sagte Schiegg dem BR, Glauber müsse nachweisen, wo auf der Rückseite des Damms in Marxheim Platz für das Wasser wäre und fügt hinzu: "Das wird er nicht können!"

Bürgermeister wirft Ministerium "Lug und Betrug" vor

Ohnehin kritisiert Schiegg das von den Freien Wählern geführte Umweltministerium scharf. 2018 war im Koalitionsvertrag festgehalten worden, dass der Flutpolder Bertoldsheim nicht kommt. Trotzdem habe das Umweltministerium schon drei Monate nach dem Koalitionsvertrag die vertiefende Studie in Auftrag gegeben. "Das ist doch Lug und Betrug!", klagt Schiegg, der ohne Unterstützung einer Partei zum Bürgermeister von Marxheim gewählt worden, selbst aber CSU-Mitglied ist.

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In Marxheim im Landkreis Donau-Ries wächst der Widerstand gegen den Flutpolder Bertoldsheim. Anwohner fürchten bei einem Rückstau, dass ihre Häuser geflutet werden. Bürgermeister und auch Anwohner drohen jetzt mit einer Klage.

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