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Widerstand gegen Bahnstromleitung in Amberg-Sulzbach wächst | BR24

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In der Oberpfalz fahren Züge noch nicht mit Strom, sondern immer noch mit Diesel. Die Bahn will nun zum Beispiel die Strecken Regensburg - Hof oder auch Nürnberg - Marktredwitz elektrifizieren. Um die geplanten Bahnstromlinien aber gibt's Zoff.

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Widerstand gegen Bahnstromleitung in Amberg-Sulzbach wächst

Die geplante Stromleitung der Deutschen Bahn im Landkreis Amberg-Sulzbach bekommt immer mehr Widerstand zu spüren. Vertreter einer Interessensgemeinschaft kritisieren, dass der Bau knapp 100 Kilometer unberührte Natur zerstören würde.

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Im Landkreis Amberg-Sulzbach wächst der Widerstand gegen eine geplante Stromleitung der Deutschen Bahn. Sie soll von Ottensoos in Mittelfranken bis nach Schwandorf führen. Dabei handelt es sich um eine klassische Überland-Leitung durch die Natur - mit 30 Meter hohen Masten. Die Interessensgemeinschaft "Bahnstrom - so nicht" spricht sich deutlich für technologische Neuerungen aus. Sie kritisiert aber, dass damit knapp 100 Kilometer unberührte Natur zerstört würden. Außerdem halten die Vertreter die Stromleitung für nicht mehr zeitgemäß und fordern, dass auch Alternativen geprüft werden sollten, zum Beispiel die Einspeisung oder Bündelung mit dem öffentlichen Netz.

Gegner betiteln Stromleitung als Sicherheitsleitung

Die Stromleitung soll ein paar Kilometer südlich der Bahnstrecke Nürnberg - Schwandorf verlaufen, die aber nicht elektrifiziert wird. Dafür fehlt bislang noch der Planungsauftrag. Die Gegner der Stromleitung kritisieren daher, es handele sich bei der geplanten Trasse um eine "Sicherheitsleitung" für die Bahnstrecken Regensburg - Hof und Nürnberg-Marktredwitz, die elektrifiziert werden. Nordostbayern ist eine der letzten Regionen in Deutschland, in der noch ausschließlich Diesel-Loks fahren, so die Bahn. Daher ist der Bahnausbau Nordostbayern in Gang, zu dem die geplante Stromleitung gehört.

Projektleiter sieht Elektrifizierung als beste Alternative

Projektleiter Matthias Trykowski sieht keine Alternative zur geplanten Stromleitung. Natürlich sei es ein Eingriff in die Natur, die Naturbelastung sei aber relativ gering im Vergleich zu dem, was man insgesamt mit der Elektrifizierung an CO2 einspare. "Wir werden mit der Elektrifizierung (von Nordostbayern Anm. d. Red.) sehr viel klimafreundlicher", so Trykowski. Es gebe auch Signale, dass es 2021 den Planungsauftrag für die Strecke Nürnberg - Schwandorf geben könnte. Die Vertreter der Interessensgemeinschaft halten dagegen: Sollten tatsächlich einmal elektrische Züge auf der Strecke fahren, dann frühestens in zehn Jahren, befürchten sie. Möglicherweise greife man dann auch auf andere Antriebe wie Wasserstoff oder Akku-betriebene Loks zurück und es würden nie Elektro-Loks auf der Strecke fahren.

Widerstand formiert sich seit Juni

Die geplante Stromleitung soll aber bereits in fünf Jahren fertig sein, so Dieter Dehling von der Interessensgemeinschaft. Der Widerstand dagegen formiert sich seit Juni und deckt Bürger von Pommelsbrunn in Mittelfranken bis Amberg ab. Sämtliche Gemeinde- und Stadträte hätten bereits einstimmige Beschlüsse gefasst, sich den Forderungen der Interessensgemeinschaft anzuschließen, so Dieter Dehling. Er und seine Mitstreiter fordern die Prüfung aller möglichen Alternativen sowie den Einsatz von "umweltschonenden und durchdachten, zukunftsweisenden Technologien“, sagt Sprecherin Pia Huber.

Bürgerdialog bis Mitte Oktober möglich

Bis Mitte Oktober hat die Deutsche Bahn Termine zum Bürgerdialog angesetzt, in Schwandorf, Amberg und Marktredwitz. Dafür ist aufgrund der Corona-Bedingungen eine Anmeldung nötig. Das Raumordnungsverfahren für die geplante Stromleitung durch den Landkreis Amberg-Sulzbach soll im Frühjahr starten. Eine Leitung direkt entlang der Bahnstrecke Nürnberg -Schwandorf sei nicht möglich, so die Deutsche Bahn, weil sie durch viele Wohn- und Stadtgebiete führe.

© BR/ Margit Ringer

Die Stelle der geplanten Stromleitung im Kreis Amberg-Sulzbach

© BR/Margit Ringer

Die Interessensgemeinschaft "Bahnstrom - so nicht" positioniert sich

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