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Wichtiger Verhandlungstag im Aschaffenburger Cold-Case-Prozess | BR24

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Cold Case Aschaffenburg: Der sogenannte Frühstückstempel

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    Wichtiger Verhandlungstag im Aschaffenburger Cold-Case-Prozess

    Im Cold-Case-Prozess am Landgericht Aschaffenburg um einen 40 Jahre zurückliegenden Mordfall geht es erneut um eine möglicherweise entscheidende Biss-Spur. Das Gutachten einer Expertin aus München hatte sich zuvor als fehlerhaft erwiesen.

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    Von
    • Katrin Küx

    In der nicht öffentlichen Verhandlung um einen 40 Jahre zurückliegenden Mordfall vor dem Aschaffenburger Landgericht wird voraussichtlich die Beweisaufnahme abgeschlossen. Ein zahnmedizinischer Gutachter geht erneut auf die Biss-Spur ein, die am Körper der getöteten 15-jährigen Christiane gefunden wurde. Diese Spur ist das Hauptindiz im Prozess gegen einen 57 Jahre alten Mann, der vor 40 Jahren in der Nachbarschaft der 15-Jährigen gewohnt hatte.

    Erstes Gutachten fehlerhaft

    Eine Gerichtsmedizinerin aus München hatte die Biss-Spur unterhalb der Brust des Opfers im Februar mit "an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit" dem Angeklagten zugeordnet. Eine Verurteilung erschien sicher. Doch das Beweismittel Nummer 1 im Indizienprozess hatte sich als wertlos erwiesen. Die Gutachterin verstrickte sich in Wiedersprüche. Ihr zufolge sei ein bestimmter Zahn (4-4) im Gebiss des Angeklagten genetisch bedingt nicht angelegt gewesen. Krankenunterlagen aus den 90er Jahren zeigten aber, dass es diesen Zahn sehr wohl gegeben hatte.

    Ausgewiesener Experte für Zahngutachten

    Das mit Spannung erwartete zweite Gutachten ist nun von einem Experten des rechtsmedizinischen Instituts in Duisburg erstellt worden. Das Aufgabengebiet des neu benannten Sachverständigen liegt laut Gerichtssprecher Ingo Krist unter anderem in der forensischen Bissspur-Analyse. Als Obduzent sei er regelmäßig mit der zahnärztlichen Identifizierung von Verstorbenen betraut und habe seine forensische Expertise bereits in Gremien des Bundeskriminalamtes eingebracht.

    Kann Angeklagter als Täter ausgeschlossen werden?

    Der Sachverständige solle sein Gutachten vollständig ergebnisoffen erstatten und dabei unter anderem prüfen, ob der Angeklagte als Verursacher der Bissspur am Opfer in Betracht komme oder ob dieser als Spur-Verursacher sogar gänzlich ausgeschlossen werden kann. Nachdem sich das erste Gutachten zerschlagen hatte, wurde der Angeklagte Mitte Februar aus der Haft entlassen. Er erscheint seit dem 11. Verhandlungstag als freier Mann vor Gericht.

    Öffentlichkeit ausgeschlossen

    Über den Prozessverlauf informiert Gerichtssprecher Ingo Krist, weil der Angeklagte zur Tatzeit 17 Jahre alt und somit minderjährig war. Die Öffentlichkeit ist deshalb von dem Verfahren ausgeschlossen. Die Plädoyers und das Urteil in dem Aufsehen erregenden Prozess werden für den kommenden Donnerstag erwartet.

    💡 Um was geht es im Aschaffenburger Cold-Case-Prozess?

    Seit dem 8. Januar muss sich ein 57 Jahre alter Mann vor dem Aschaffenburger Landgericht wegen Mordes verantworten. Er soll vor 40 Jahren die damals 15 Jahre alte Christiane J. in den Aschaffenburger Schlosspark gelockt und umgebracht haben. Zum Prozessauftakt hatte der Mann die Tat bestritten. Weil der Angeklagte damals erst 17 Jahre alt war – und damit minderjährig – wird nach Jugendstrafrecht verhandelt. Die Öffentlichkeit ist von dem Prozess ausgeschlossen.

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