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Wettlauf mit dem Borkenkäfer | BR24

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Forstarbeiten bevor der Borkenkäfer kommt

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Wettlauf mit dem Borkenkäfer

Für die Forstarbeiter ist es ein Wettlauf mit der Zeit - und dem Borkenkäfer. Spätestens Ende April schwärmt er aus. Und findet reichlich Nahrung. Denn Sturmtief "Sabine" hat viel Schadholz im Wald hinterlassen.

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Das Sturmtief "Sabine" hat in Bayern viel Wald zerstört. Jetzt, wo der Wald erwacht, stehen die Forstwirte unter Zeitdruck: Wenn die Sturmschäden nämlich nicht rechtzeitig weggeräumt werden, dann sind die umgestürzten Bäume ein hervorragender Brutplatz für den Borkenkäfer.

Ideale Brutstätte

Eine Herausforderung für die Forstmitarbeiter. Denn spätestens Ende April muss alles weggeräumt sein, sagt Linda Madl, Leiterin des Forstbetriebs Weißenhorn: "Das Holz, das da liegt, ist das ideale Brutgebiet für den Borkenkäfer. Von diesen befallenen Bäumen breitet sich der Käfer weiter auf gesunde Bäume aus. Deshalb ist es so wichtig, dass wir vor Beginn der ersten Schwärmzeit das Schadholz aus dem Wald rausholen."

Die Zeit drängt

Sturmtief Sabine hat ihr und ihren Mitarbeitern viel Arbeit hinterlassen. Die Zeit drängt. Die Sturmschäden, die vielen umgeknickten Fichten, müssen schleunigst weg, sonst hat der Borkenkäfer leichtes Spiel, so Linda Madl: "Wenn die Temperaturen ungefähr bei 16 Grad sind, dann fängt der Borkenkäfer an, sich zu entwickeln. Und wenn wir längere Zeit 16 Grad haben, dann fängt er an zu schwärmen, dann geht er ins Holz rein und brütet dort. Aus einem befallenen Baum werden schnell zehn. Das heißt, das Brutmaterial, das wir jetzt im Wald liegen haben, das muss raus."

Technik im Einsatz

Dafür haben die Forstmitarbeiter auf einer digitalen Karte einzelne Punkte markiert, wo es Sturmschäden zu entfernen gibt. Die werden von großen Maschinen abgefahren. Sogenannte Harvester sind im Wald unterwegs. Die Maschinen können mit ihrem Greifarm die zerstörten Bäume aufnehmen und in nur wenigen Sekunden so zerkleinern, dass sie leichter aus dem Wald transportiert werden können.

Zukunftsfeste Baumarten

Aber zur Zeit geht es nicht nur darum, die Sturmschäden zu beseitigen. Es müssen auch neue Bäume gepflanzt werden. Forstarbeiter Franz-Josef Schupp setzt ganz vorsichtig kleine Buchen ein: "Und jetzt kann ich eben die Pflanze noch ein Stückl hochziehen und dann den Boden festdrücken. Aber eben nicht zu fest, so dass das Wurzelwerk gut anwachsen kann."

Aber warum werden ausgerechnet Buchen in einem Wald gepflanzt, der größtenteils aus Fichten besteht? Madl erklärt: "In den trockenen Jahren hat die Fichte recht gelitten und mit der Pflanzung von Baumarten, die etwas klimatoleranter sind, wollen wir den Wald auf die Zukunft vorbereiten."

Corona bindet Kapazitäten

Es gibt also viel zu tun für die Forstarbeiter – ist das alles trotz der Corona-Krise zu schaffen? Sie haben einen Vorteil: Ihr Arbeitsplatz, der Wald, erlaubt es ihnen, großzügig Abstand zu halten, so Madl: "Grundsätzlich dürfen wir im Wald weiter arbeiten – man kann sich gut aus dem Weg gehen. Wir haben das organisatorisch so eingerichtet, dass das funktioniert. Aber unsere Leute sind auch viel in der Kinderbetreuung beschäftigt. Wir merken schon, dass uns Kapazitäten abgehen. Das fordert uns aber heraus und wir setzten alles daran, dass wir den Wald sauber kriegen, bevor der Käfer fliegt."

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