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Wetterbilanz Franken: Trend zu höheren Durchschnittstemperaturen | BR24

© BR/Rika Dechant

Diplom-Meteorologe Christian Lorenz an der Pegnitz in Lauf: "Normalerweise ist der Wasserstand ein dreiviertel Meter höher."

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    Wetterbilanz Franken: Trend zu höheren Durchschnittstemperaturen

    Je nach Region war es 2020 in Franken zwischen 1,5 und 2,5 Grad wärmer als im langjährigen Mittel. Selbst teilweise hohe Niederschlagssummen haben das Jahr statistisch zu trocken ausfallen lassen. Die Sonne schien dabei zehn bis 15 Prozent mehr.

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    Von
    • Rika Dechant

    Erneut keine "weiße Weihnacht", mit geschlossener Schneedecke an allen drei Feiertagen. Das passt zur Jahresbilanz, die wieder ein vergleichsweise warmes Jahr aufzeigt. Doch nicht nur die steigenden Durchschnittstemperaturen sind besorgniserregend. In Kombination mit mangelndem Niederschlag nehmen die Niedrigwasserstände zu, erklärt Diplom-Meteorologe Christian Lorenz.

    Niedrigwasserproblem bei vielen fränkischen Flüssen

    Laut dem Meteorologen gehören die Pegnitz und der Main zu den Flüssen, die aufgrund der langen trockenen Witterung immer wieder Niedrigwasserstände aufweisen. Ein besonderes Dürrekapitel schlägt dabei Unterfranken auf, wo es im April für gut fünf Wochen keinen messbaren Niederschlag gab.

    Bereits zu Jahresbeginn fällt der Winter aus

    Das Jahr begann mit einem Winter, der keiner war. In oberfränkischen Skiorten wie Fichtelgebirge und Frankenwald, fielen im Januar maximal sieben Zentimeter Schnee. Zum Vergleich: 2010 lagen in der Gegend noch 60 Zentimeter der weißen Pracht.

    Deutschlandweit war es der zweitwärmste Winter seit Aufzeichnungsbeginn 1881. Dementsprechend sah es zu Jahresbeginn im Flachland aus: Nürnberg verzeichnete keinen Tag Schnee, auch hier gab es vor zehn Jahren noch 26 Tage mit Schneedecke.

    Orkantief Sabine vergleichbar mit Lothar und Kyrill, aber besseres Warnmanagement

    Im Februar erreichte Orkantief "Sabine" Franken. Am 10. Februar machten Spitzenböen von 116 Kilometern pro Stunde den Sturm vergleichbar mit den historischen Orkanen "Lothar" von 1999 und "Kyrill" von 2007.

    Die Auswirkungen waren aufgrund eines verbesserten Warnmanagements weniger katastrophal, da Züge in den Bahnhöfen sowie Schulen und Kindergärten geschlossen bleiben. Den Beweis für die sinnvollen Maßnahmen lieferte der Blick auf eine Schulbushaltestelle im Landkreis München. Hier riss der Orkan ein komplettes Blechdach nieder. An normalen Schultagen hätten hier zahlreiche Kinder gestanden.

    Zahlreiche Wetterkapriolen im Frühling

    Der April schien den ausgefallenen Winter nachholen zu wollen: Bad Königshofen erreicht mit minus elf Grad den bayerischen Allzeit-Kälterekord an einem 1. April. Teile Unterfrankens zählen 22 Frosttage. In derselben Region fiel auch der Wonnemonat Mai aus: Am 11. Mai fiel hier fast so viel Regen wie sonst im gesamten Monat. Im Spessart wurde die deutschlandweit höchste Tagessumme erreicht.

    Trockenheit mit Überflutungen

    Laut Diplom-Meteorologen Christian Lorenz nützen die sintflutartigen Niederschläge den durch Trockenheit geschädigten Böden gar nichts. Die Böden können das Wasser nicht mehr aufnehmen. Die Folge ist: Es kommt zu Überflutungen. Was die Natur bräuchte, sind langanhaltende Landregen.

    Franken bekommt neues Sommerklima

    Der Juni blieb recht nass, der Juli wurde sonnig. Am 9. August, dem heißesten Tag des Jahres, wurden im Hotspot Kahl am Main fast 38 Grad gemessen. Es folgte eine mehrtägige Hitzewelle in ganz Bayern von über 35 Grad. In Weißenburg werden, zusammen mit Rheinfelden, die bundesweit meisten Sonnenstunden gemessen.

    "Wir haben ein neues Sommerklima: aus extrem heiß wurde normal. Was vor 30 oder 40 Jahren noch ein extrem heißer Sommer war, ist heutzutage nur noch ein normaler, durchschnittlicher Sommer." Christian Lorenz, Diplom-Meteorologe

    Starke Schwankungen in Herbst und Winter

    Nach einem spätsommerlichen September fiel der goldene Oktober komplett aus. Dafür erreichte im November Bad Königshofen mit minus zehn Grad den bundesweiten Tiefstwert.

    Pünktlich zum meteorologischen Winterbeginn am 1. Dezember erlebte Franken einen Wintereinbruch. Trotz breit angelegter Wetterwarnungen kam der Schnee für viele jedoch überraschend: Die Folge waren zahlreiche Verkehrsunfälle auf Autobahnen und Landstraßen wie der B22 und der A73.

    Erneut "grüne Weihnacht" passt zur Jahresbilanz

    Die letzte klassische "weiße Weihnacht", mit drei Tagen geschlossener Schneedecke in ganz Franken gab es zuletzt in den Jahren 2001 und 2010. Wobei die "weiße Weihnacht" in unseren Breitengraden sowieso nur eine romantische Vorstellung ist, die wahrscheinlich aus dem amerikanischen Film übernommen wurde.

    Insgesamt war das Jahr in Franken je nach Region 1,5 bis 2,5 Grad wärmer als im langjährigen Mittel.

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