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Michael Sachweh vor einer Animation des Jetstreams

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    Aprilwetter im Mai: Der Jetstream ist schuld!

    Corona-Lockerungen in der Gastronomie rechtzeitig vor Pfingsten – eigentlich gute Aussichten für Entspannung im Biergarten. Doch das Wetter ist schon seit Tagen eher April-typisch als Mai-mäßig. Schuld ist eine ungewöhnliche Position des Jetstream.

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    Von
    • Simon Plentinger
    • Katharina Pfadenhauer

    Ein schneller Wechsel aus Sonne, Wolken, Schauern und Gewittern, dazu Temperaturen von zwölf bis siebzehn Grad. Insgesamt zu kühl für die Jahreszeit. Die Wetterlage der vergangenen Woche nennt BR-Wetterexperte Michael Sachweh eher typisch für den April als für den Wonnemonat Mai. Für den Meteorologen ist die Ursache klar: Eine für die Jahreszeit ungewöhnliche Stärke und Position des sogenannten Jetsreams.

    Starkwindband sorgt für wechselhaftes Wetter

    Wenn man auf Michael Sachwehs Radarbilder schaut, zeigt sich ein Schauerteppich über Mittel- und Nordeuropa, der aus Westen heranzieht. Der Jetstream wirkt wie ein Transportband für Wolken, Schauer und Winde und entsteht, weil sich Warme und kalte Luft in der höheren Atmosphäre vermischen:

    Von Süden drückt warme Luft Richtung Norden und von Norden kalte Luft gen Süden. "Und dieses Nebeneinander sorgt eben für eine Strömung außerordentlich starker Winde", so Sachweh - den Jetstream.

    Im Grunde ist der Jetstream also ein Band orkanartiger Winde in rund fünf bis zehn Kilometern Höhe. "Der steuert unser Wetter und wenn der Jetstream in der Nähe ist, was nicht so oft passiert und im Mai schon gar nicht, dann erleben wir solch wechselhaftes Wetter", sagt Sachweh.

    Jetstream viel südlicher als normalerweise im Mai

    Im Zentrum des Jetstreams, zuletzt über Norditalien über der Po-Ebene, toben Winde von über 200 Stundenkilometer. Über Bayern, also an der nördlichen Flanke des Jetstreams, sind es immerhin noch über 140 Stundenkilometer.

    Normalerweise wäre der Jetstream jetzt im Frühjahr viel weiter nördlich zu erwarten, über Nordengland oder Skandinavien. Die derzeitige Position und Stärke des Jetstreams entsprechen eher dem Hochwinter, sagt Meteorologe Sachweh: "Was uns Meteorologen fasziniert oder auch fassungslos macht, ist, dass wir so eine winterliche Lage im Mai haben. Das habe ich in den letzten 25 Jahren selten erlebt."

    Polare Kaltluftmassen hätten es aber geschafft, einen Großteil des Nordatlantik zu überfluten und den Jetstream in unsere Nähe zu drängen. Auch die Form des Jetstream ist ungewöhnlich: "Er ist normalerweise nicht so straight, so langgestreckt, fast wie mit dem Lineal gezogen, sondern eher mäanderförmig, wie ein Flusslauf", erklärt Sachweh.

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    Position und Stärke des Jetstreams im Vergleich.

    Klimaforscher: Jetstream bleibt in bestimmter Position

    Mit dem Klimawandel habe der Jetstream laut des Meteorologen Sachweh aber nichts zu tun: "Solche Wetterkapriolen kann es immer geben." Grundsätzlich werde sich der Trend der Erwärmung in den nächsten Jahren fortsetzen, so Sachweh.

    Für Klimaforscher ist es schwierig, einzelne Wetterlagen einem menschengemachten Klimawandel zuzuschreiben. Aussagen lassen sich nur bei Beobachtungen über längere Zeiträume treffen.

    Tatsächlich aber erforschen Wissenschaftler, zum Beispiel an der Universität Würzburg, Einflüsse des Klimawandels auf den wellenförmig verlaufenden Jetstream. So haben sie beobachtet, dass der Jetstream durch die Klimaveränderung länger in einer bestimmten Wellenposition verharrt.

    Nach wie vor Grundwasserdefizite in Bayern

    Immerhin: "Die Dürregefahr der vergangenen Jahre ist in diesem Jahr vom Tisch", sagt Sachweh. Der Natur, Vegetation und den Wäldern tun die regenreichen Wochen gut, denn in Bayern herrsche ein ziemlich großes Grundwasserdefizit.

    Auch Landwirte bräuchten - vor allem im Mai - ausreichend Feuchtigkeit für das Wachstum ihrer Ernte. Um das Grundwasserdefizit der letzten Jahre auszugleichen, müsste es aber Sachweh zufolge noch lange weiter regnen. "Wir bräuchten ein oder zwei Jahre mit großen Regenmengen."

    Wetter an Pfingsten: Es bleibt kühl

    Die Wetterlage über Bayern wird wohl auch noch über Pfingsten kühl und feucht bleiben. Sollte es aber der warmen Luft gelingen, den Jetstream wieder zurück nach Norden zu drängen, kommt auch der Freistaat wieder in den Genuss wärmerer Luft – "und irgendwann in den nächsten Wochen sollte das der Fall sein", hofft Michael Sachweh.

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