Die Gewitter über Bayern ziehen langsam ab.

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Unwetter über Bayern bremsen EM-Kanuwettbewerbe aus

Unwetter über Bayern bremsen EM-Kanuwettbewerbe aus

Der Deutsche Wetterdienst hat seine Warnungen für die meisten Regionen entschärft. Wegen des Unwetters mussten aber die Wettbewerbe der Kanu-EM abgebrochen werden. Das Open-Air-Konzert von Helene Fischer in München konnte dagegen stattfinden.

Die Unwetter über dem Freistaat ziehen langsam in Richtung Österreich und Tschechien ab. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hat seine Warnung für Samstag deshalb in den meisten Regionen herabgestuft. Die Unwetterwarnung vor heftigem Starkregen und ergiebigem Dauerregen, die bis zum Nachmittag noch für den östlichen bayerischen Alpendrand und das angrenzende Vorland gegolten hatte, ist aufgehoben.

Für einige Landkreise und Kreisfreie Städte im Südosten Bayerns warnt der Wetterdienst vor starkem Gewitter (Stufe 2).

Wettbewerbe der Kanu-EM abgebrochen

Die drei ausstehenden Medaillen-Entscheidungen der Kanu-EM sind auf Sonntag verschoben worden. Die Wettbewerbe wurden wegen des Unwetters über der Regattastrecke in Oberschleißheim am Samstag abgebrochen. Betroffen sind auch zwei Finals mit deutscher Beteiligung. Die Zuschauer wurden über Lautsprecher dazu aufgerufen, das Gelände zu verlassen.

Helene-Fischer-Konzert kann stattfinden

Ein Open-Air-Konzert mit mehr als 130.000 Besucherinnen und Besucher der Sängerin Helene Fischer in München musste dagegen nicht abgesagt werden - trotz anhaltenden Regens.

Teilweise Beeinträchtigungen im Bahnverkehr

Wegen der starken Niederschläge kam es zu Behinderungen im Zug- und Straßenverkehr. Die Bahnstrecke zwischen Lindau und Bregenz war beispielsweise zeitweise unterbrochen. Wegen einer Sperrung des Hauptbahnhofs in Dortmund war außerdem der Fernverkehr nach Bayern beeinträchtigt.

Die vergangene Nacht verlief nach Angaben der Feuerwehr dagegen vergleichsweise glimpflich. Die Zahl an Unfällen und verletzten Personen in Bayern hielt sich in Grenzen. Das erklärte ein Sprecher des Lagezentrums Bayern.

In Niederbayern sei es auf einzelnen Bundesstraßen zu Aquaplaning gekommen, wie die Passauer Neue Presse berichtete. Ernsthaft verletzt worden sei bei Unfällen jedoch niemand. Auch in Garmisch-Partenkirchen und dem Allgäu, wo mit Stufe 4 die höchste Warnstufe ausgerufen worden war, habe es nach Angaben der Polizei keine größeren Einsätze gegeben.

Mure bei Oberstdorf abgegangen

Im Allgäu kam es nur zu wenigen Überflutungen kleinerer Straßen. Das teilte das Polizeipräsidium Südwest auf Anfrage mit. Bei Oberstdorf ging eine kleine Mure ab, allerdings in unbewohntem Gebiet.

Hunderte Feuerwehreinsätze in Oberbayern

Im oberbayerischen Landkreis Neuburg-Schrobenhausen flutete der Regen am Freitag Felder und Wiesen. Das Wasser konnte dort aber nicht ablaufen und bahnte sich vielerorts seinen Weg über Straßen und Grundstücke.

In Großmehring, Manching und Schrobenhausen zählte die Integrierte Leitstelle über 200 Feuerwehreinsätze. Vor allem seien viele Keller vollgelaufen, weil beispielsweise Rückschlagventile nicht richtig funktionierten. Straßen stünden unter Wasser, weil das Wasser in Gullys nicht mehr ablaufen konnte. Ein Supermarktparkplatz in Großmehring wurde laut Leitstelle komplett überschwemmt. Am Freitagabend hatte sich das Wetter aber wieder beruhigt und es nieselte in den betroffenen Gebieten nur noch.

Im Landkreis Pfaffenhofen a. d. Ilm waren am Freitagabend gegen 22 Uhr noch 180 Feuerwehreinsätze abzuarbeiten. Die Einsatzkräfte mussten überflutete Keller leer pumpen und geflutete Straßen zu sichern.

Aquaplaning auf der Autobahn

Die Autobahnpolizei Günzburg meldete mehrere Aquaplaning-Unfälle mit insgesamt vier Verletzten und etwa 200.000 Euro Sachschaden. Auf den Autobahnen A7, A8 und B28 bei Senden, Neu-Ulm, Burgau, Leipheim und Günzburg sei es zu Aquaplaning gekommen, "mehrfach verloren Verkehrsteilnehmer die Kontrolle über ihre Fahrzeuge", teilte die Polizei mit.

Starkregen und stürmische Böen

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hatte am Freitag vor Starkregen und Erdrutschen vor allem im Süden Deutschlands gewarnt - bis zu 80 Liter pro Quadratmeter seien innerhalb weniger Stunden möglich.

Zusätzliche Gefahr bestehe, weil die Böden durch die Trockenheit der vergangenen Wochen verhärtet sind. Deshalb könnten sie die großen Niederschlagsmengen nicht aufnehmen.

Auch in den benachbarten Ländern war es Donnerstag und Freitag zu starken Unwettern gekommen - einige mit tödlichen Folgen. Fünf Menschen starben in Österreich in Folge umgestürzter Bäume, mindestens elf weitere wurden verletzt. Auf der französischen Insel Korsika starben nach Behördenangaben sechs Personen durch das Unwetter, weitere 20 wurden verletzt, einige schwer.

Hochwasser: Diese Kreise und Städte können betroffen sein

In Bayern hat der Dauerregen vor allem den Wasserstand vieler Flüsse steigen lassen. Betroffen seien am Samstag vor allem die Gebiete der kleineren südlichen Zuflüsse zur oberen Donau, der Altmühl, am Oberlauf von Iller und Lech, der Bodensee-Zuflüsse sowie das Inn-Gebiet, meldete der Hochwassernachrichtendienst Bayern: "An mittleren und größeren Flüssen, die von den Pegelmessstellen mit Meldestufen-Einteilung beobachtet werden, haben die Regenmengen bisher nur vereinzelt zu Ausuferungen geführt."

Wegen der dynamischen Wetterentwicklung seien Hochwasser allerdings schwer vorherzusagen. Nach Einschätzung von Meteorologen ist die Gefahr von Überschwemmungen und Erdrutschen nicht gebannt.

Für mehrere bayerische Landkreise gilt von Samstagnachmittag bis derzeit Sonntagnachmittag die zweite von drei Hochwasser-Warnstufen. Dabei können Flüsse über die Ufer treten und für Überschwemmungen sorgen, es sollte aber nicht großflächig zur Überschwemmung bebauter Gebiete kommen.

Die Warnstufe gilt für die folgenden Landkreise:

Niederbayern: Kelheim

Schwaben: Stadt und Landkreis Augsburg, Landkreis Donau-Ries, Landkreis Neu-Ulm, Landkreis Günzburg, Landkreis Aichach-Friedberg, Landkreis Dillingen a.d. Donau

Oberpfalz: Schwandorf

Entwarnung für mehrere Regionen

In zahlreichen Regionen wurde dagegen inzwischen Entwarnung vor Hochwasser gegeben, unter anderem in Stadt und Landkreis Landshut, Landkreis Dingolfing-Landau, Stadt und Landkreis München, im Landkreis Lindau am Bodensee und in den Landkreisen Ost-, Unter- und Oberallgäu.

Grafik: Aktuelle Wetterwarnungen für Bayern

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) informiert über Wetterlagen und gibt auch im Ernstfall amtliche Unwetterwarnungen heraus. Abgestuft werden diese in vier Kategorien:

Stufe 1 (gelb): Gewitter: elektrische Entladung, auch in Verbindung mit Windböen ab 50 km/h.

Stufe 2 (orange): Starkes Gewitter: in Verbindung mit Sturmböen, schweren Sturmböen bis 104 km/h, Starkregen oder Hagel

Stufe 3 (rot): Schwere Gewitter: mit Hagelschlag, heftigem Starkregen oder orkan(artigen) Böen bis 119 km/h, ggf. Tornadogefahr (rot)

Stufe 4 (dunkelrot): Extremes Gewitter: mit Hagelschlag, extrem heftigem Starkregen oder extremen orkan(artigen) Böen ab 120 km/h, ggf. Tornadogefahr.

Lila: Hitzewarnung / Rosa: UV-Warnung / Grün: Keine Warnung / Schraffiert: Vorab-Warnung

Unwetter bei Grasbrunn

Bildrechte: pa/dpa/ Matthias Balk

Isar und Loisach: Nicht baden und Boot fahren

Wegen einer Hochwasserwarnung für München wurde am Freitag vom Baden in und Bootsfahrten auf der Isar abgeraten. Es könnte eine erhebliche Gefahr für Leib und Leben bestehen, wie das Referat für Klima- und Umweltschutz mitteilte. Bei erkennbar hohem Wasserstand, starker Strömung oder sobald das Wasser trüb sei sollte die Isar nicht mit Booten befahren werden.

Von Samstagvormittag an rechnete der DWD mit weniger Regen. Bis Sonntagnacht soll sich das Tiefdruckgebiet Richtung Tschechien und Österreich bewegen, so dass dann nur noch einzelne Schauer und Gewitter erwartet werden. Zu Wochenbeginn soll es nur noch gelegentlich regnen, von Dienstag an wieder wärmer und trockener werden.

Allgäu: Sandsäcke und Kanal-Checks als Vorbereitung

Im südlichen Allgäu hatten sich seit Freitagvormittag Feuerwehren und Behörden auf die Unwetterlage vorbereitet. Die Oberstdorfer Feuerwehr hatte beispielsweise vorsorglich Sandsäcke befüllt und riet den Menschen in Oberstdorf, Abflüsse und Rückschlagklappen zu überprüfen. In Rettenberg wurde aktuell ein mobiles Hochwasserschutzsystem verladen und Pumpen in die Einsatzfahrzeuge gepackt.

Erst im vergangenen Sommer hatte dort sintflutartiger Regen für große Schäden gesorgt. Im Ostallgäu hatte der städtische Bauhof Gullys und Schlammauffänger kontrolliert und gesäubert, damit das Wasser besser ablaufen konnte.

Luftrettung der Wasserwacht in Alarmbereitschaft

Das Bayerische Rote Kreuz hatte vorsorglich die Luftrettung der Wasserwacht in erhöhte Bereitschaft gesetzt. Die erste von drei Alarmstufen sei angeordnet worden, wie ein BRK-Sprecher mitteilte. Die "Air Rescue Specialists" sind Einsatzkräfte, die mit einem Hubschrauber über das Einsatzgebiet geflogen werden und verunglückte oder hilflose Menschen retten können.

Zuletzt waren die Luftretter der bayerischen Wasserwacht laut BRK beim Ahrtal-Hochwasser in Rheinland-Pfalz im Einsatz.

Dieser Artikel enthält Material der dpa.

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