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Regenwolken über Nürnberg

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    Nasser Mai kann Niederschlagsdefizite nicht ausgleichen

    Wegen einer ungewöhnlichen Großwetterlage ist der Mai bisher überdurchschnittlich nass. Was schlecht für die Öffnungen in der Außengastronomie ist, ist gut für die Vegetation und die Grundwasserspiegel. Doch die sind weiterhin zu niedrig.

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    Von
    • Simon Plentinger

    Eine ungewöhnliche Position und Stärke des Jetstreams hat in den ersten Maiwochen für ungewöhnlich wechselhaftes, kühles Wetter und viel Niederschlag gesorgt. Laut Joachim Stoermer, Meteorologe am Bayerischen Landesamt für Umwelt, sind in Bayern im Mai bisher etwa 95 Liter Regen pro Quadratmeter gefallen. Das bedeutet ein dickes Plus der Niederschlagsmenge von 85 Prozent im Vergleich zum Mittelwert der Jahre 1971 bis 2000, die den Hydrologen als Vergleichswert dienen.

    Laut Stoermer ist ein so nasser Mai aber nicht völlig ungewöhnlich. Bereits in den Jahren 2019 und 2016 regnete es besonders viel. Und im Jahr 2007 wurde ein bisheriger Höchstwert mit 168 Litern pro Quadratmeter erreicht.

    Grundwasserdefizit: Leichte Entspannung im Mai

    Auch die kühlen Temperaturen sind für den Meteorologen im Rahmen des Normalen. Gerade Mitte Mai in der Zeit der sogenannten Eisheiligen ist eine kühlere Wetterlage typisch. Stoermer sieht vielmehr die positiven Effekte: Noch im April hatten zwei Drittel der oberflächennahen Grundwassermessstellen zu niedrigem Pegel angezeigt. Jetzt ist es nur noch ein Drittel.

    Großflächige Regenfälle haben für eine gewisse Entspannung gesorgt, so Stoermer. Doch eine wirklich nachhaltige Verbesserung für die erschöpften Grundwasserspiegel in Bayern sieht der Meteorologe damit noch lange nicht.

    Winterhalbjahr für Grundwasserneubildung entscheidend

    Der Klimaforscher Heiko Paeth, Professor an der Universität Würzburg, formuliert es noch etwas eindringlicher: "Ein überdurchschnittlicher Niederschlag im Mai kann vielleicht gerade so die Defizite aus dem April ausgleichen", so Paeth.

    Das Problem: Es ist bereits seit mehreren Jahren insgesamt zu trocken. Laut Landesamt für Umwelt, hat sich in Bayern seit 2018 ein Defizit von 350 Litern pro Quadratmeter aufgebaut. Laut Meteorologe Joachim Stoermer, liegt das vor allem an zu wenig Niederschlag über die Winterhalbjahre: "Die klassische Zeit für die Grundwasserneubildung dauert von November bis April. Es wäre für das Grundwasser besser, wenn die Niederschläge in diesem Zeitraum gefallen wären."

    Für das vergangene Winterhalbjahr spricht der Experte von einem Niederschlagsdefizit von dreißig Prozent. Jetzt im Sommerhalbjahr würde der Großteil der Wassermengen direkt in der Nähe der Oberfläche von der Vegetation verbraucht. Bei starkem Regen fließt viel in die Gewässer ab. Dazu kommt eine gewisse Verdunstung im Sommer. So können die Niederschläge im Sommer viel weniger zu einer Erholung des Grundwasserspiegels beitragen.

    Prognosen zu Grundwasserspiegel kaum belastbar

    Die Messungen der Grundwasserpegel des Landesamts für Umwelt sind in dessen Portal Niedrigwasser-Informationsdienst übersichtlich aufbereitet. In Nähe der bayerischen Flüsse ist die Lage demnach noch deutlich besser. Besondere Schwerpunkte beim Grundwasserdefizit liegen laut Joachim Stoermer dagegen etwas südlich der Donau und in Mittelfranken.

    Ob sich die Grundwassersspiegel über die nächsten Jahre irgendwann nachhaltig erholen können wird vor allem von den Niederschlagsmengen über die Wintermonate abhängen. Langfristige Prognosen, wie sich die Niederschläge entwickeln werden, sind laut dem Meterologen allerdings nur schwer zu treffen, beziehungsweise kaum belastbar.

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