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Zwei Bäckereien machen bei der Aktion des Jugendamts bereits mit.

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    "Werden Sie Pflegeeltern!“: Die ganz besondere Semmeltüte

    Manchmal braucht es einen kleinen Anstoß. Den letzten Mutmacher, bevor man ein Vorhaben anpackt. Genau das sollen sie geben: Speziell designte Semmeltüten im Landkreis Mühldorf. Denn auf ihnen steht eine besondere Werbung: "Werden Sie Pflegeeltern!“

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    Von
    • Nadine Cibu

    Ein kurzer Stopp beim Bäcker für die frischen Semmeln zum Frühstück. Am Ende kommt man mit einer Tüte Brötchen raus und dem Entschluss: Wir wollen uns als Pflegeeltern engagieren. So kann es gehen - und zwar im Landkreis Mühldorf. Hier gibt es nämlich ganz besondere Semmeltüten. Sie ziert eine typische Kinderzeichnung aus drei Strichfiguren – zwei große Figuren in schwarz, die die Hand einer kleinen, roten Figur halten. Alle drei lächeln. Darunter steht der Spruch geschrieben: "Werden Sie Pflegeeltern!“

    Tüten, die Mut machen sollen

    Die Idee für diese besondere Werbung stammt vom Amt für Jugend und Familie des Landratsamts Mühldorf. Die Semmeltüte soll dabei der letzte Anstoß sein, den manche Familien brauchen, um sich nun doch als Pflegeeltern zu engagieren. "Viele Familien haben die Idee schon lange im Kopf“, erklärt Sozialpädagogin Rita Herdegen-Hümmrich. "Es braucht aber dann doch noch den letzten Stupser in die Richtung, dass ich sage: Jetzt rufe ich beim Jugendamt an, jetzt erkundige ich mich!“

    Semmeltüten erreichen eine breite Öffentlichkeit

    Bereits seit 25 Jahren arbeitet Herdegen-Hümmrich beim Amt für Jugend und Familie. Gemeinsam mit ihren Kollegen sucht sie immer nach kreativen Ansätzen, um auf das Thema Pflegeeltern aufmerksam zu machen. Die Semmeltüten scheinen ihre Wirkung zu zeigen. "Wir fragen potentielle Pflegefamilien ja auch immer: Wie sind sie auf uns gekommen? Und da haben uns schon mehrere Bewerber erzählt, dass die Bäckertüte die Initialzündung war“, erzählt Herdegen-Hümmrich lächelnd.

    Aktuell sei die Situation hinsichtlich Pflegefamilien und Pflegekindern im Landkreis gut, sagt die Sozialpädagogin. Jedoch ist es immer wichtig, genügend geprüfte Pflegefamilien zu haben. Mit den Semmeltüten könnte man eine breite Öffentlichkeit erreichen. Denn am Ende werden die passenden Eltern für das Kind gesucht – und nicht umgekehrt.

    Pflegeeltern werden: Ein mehrmonatiger Prozess

    Um Pflegeeltern zu werden, braucht es jedoch etwas mehr, als nur ein Gespräch mit dem Jugendamt. Potentielle Pflegeeltern müssen ein standardisiertes Bewerberverfahren durchlaufen. Dies besteht unter anderem aus einem zweitägigen Bewerberseminar, bei dem Pflegeeltern ihre eigene Motivation nochmal hinterfragen können und mit der Thematik Pflegekinderwesen vertraut gemacht werden.

    Anschließend erfolgen noch mehrere, sehr intensive Gespräche und Hausbesuche. Das Jugendamt gibt den Familien auch genügend Bedenkzeit. Der Prozess kann sich daher über mehrere Monate ziehen. Abschrecken soll dieser Prozess jedoch nicht, ermutigt Rita Herdegen-Hümmrich: "Wir müssen wissen: Was bringen die Pflegeeltern mit? Wie belastbar sind sie? Was könnte dagegen sprechen? Wir suchen nach einer möglichst passgenauen Unterbringung, in der die Kinder Geborgenheit zu allen Familienmitgliedern entwickeln können.“ Die Pflegekinder sollen am Ende nicht von Familie zu Familie weitergereicht werden. Je genauer das Jugendamt die Pflegefamilie einschätzen kann, desto sicherer sind sie auch bei der Vermittlung.

    "Durch meine guten Pflegeeltern kann ich eine gute Mutter sein"

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    Die Semmeltüten erreichen eine breite Öffentlichkeit.

    Am Ende kann den Kindern durch eine passgenaue Unterbringung ein guter Start in ihr eigenes Leben geschenkt werden. Sozialpädagogin Herdegen-Hümmrich erzählt gerne von einer jungen Frau, die jetzt selbst Mutter ist. "Sie kommt immer wieder mal zu uns und sagt: 'Durch meine guten Pflegeeltern kann ich auch eine gute Mutter sein und diese Aufgaben erfüllen. Ohne meine Pflegeeltern hätte ich das nicht geschafft.'“

    Aktuell ist die Situation von Pflegeeltern und Familien im Landkreis Mühldorf gut. Jedoch wird immer nach Pflegefamilien gesucht. Daher will das Amt für Jugend und Familie auch die Semmeltüten-Werbung ausweiten. Zwei Bäcker machen aktuell bei der Aktion schon mit, aber das Jugendamt wünscht sich natürlich, dass mehr Bäckereien Lust darauf haben. Am besten im ganzen Landkreis verteilt.

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