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Wer zahlt die Kosten, wenn Senioren in Quarantäne müssen? | BR24

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Senioren, die stationär in einem Krankenhaus behandelt wurden, dürfen erst nach 14-tägiger Quarantäne zurück in ihre Wohnheime. Die Frage ist nur, wo sie diese absitzen, denn den Kliniken wird der Aufenthalt nicht bezahlt.

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Wer zahlt die Kosten, wenn Senioren in Quarantäne müssen?

Seit April müssen Senioren nach einem Klinikaufenthalt erst in eine 14-tägige Quarantäne, bevor sie wieder in ihr Heim zurückverlegt werden dürfen. In den dafür vorgesehenen Kurzzeitpflegeeinrichtungen ist das aber oft nicht möglich.

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Der Aufnahmestopp in Pflegeeinrichtungen stellt Krankenhäuser vor enorme Probleme. Sie müssen oft Patienten während deren zweiwöchiger Quarantäne behalten, weil sie Senioren ohne diesen Nachweis nicht rückverlegen dürfen und Kurzzeitpflegeplätze kaum zu bekommen sind. Doch wer die Kosten der Kliniken dafür übernimmt, ist noch immer unklar.

14 Tage Quarantäne sind Pflicht

Viele Alten- oder Pflegeheime können für Senioren, die in einem Krankenhaus ganz normal behandelt wurden und wieder zurückverlegt werden müssen, eine 14-tägige Quarantäne nicht gewährleisten. Das ist jedoch Vorschrift, denn das bayerische Gesundheitsministerium hat Anfang April erlassen, dass Rückverlegungen von Bewohnerinnen und Bewohnern in ihre Einrichtungen aus dem Krankenhaus nur erlaubt sind, wenn diese für 14 Tage isoliert werden können und dort auch die notwendige Schutzausrüstung vorhanden ist. Andernfalls müssen die Betroffenen für den Zeitraum von zwei Wochen in anderen Einrichtungen, zum Beispiel in der Kurzzeitpflege, untergebracht werden. Theoretisch möglich, praktisch aber eben nicht so einfach.

Alltag einer Sozialdienstmitarbeiterin

Gabi Dürbeck vom Sozialdienst im Klinikum Fichtelgebirge in Marktredwitz verbringt viele Stunden des Tages am Telefon. Sie sucht freie Plätze in Kurzzeit- oder Pflegeeinrichtungen. Das war schon immer ein Problem, jetzt in Zeiten von Corona, ist es noch schwieriger geworden. "Ich habe letzte Woche an einem Vormittag 40 bis 50 Pflegeheime durchtelefoniert und habe einen Pflegeplatz ergattert und die hatten aber eine ganz schwierige Auflage, die wir nicht erledigen konnten", erzählt Dürbeck. Die Konsequenz: Der Patient musste im Krankenhaus bleiben, da kein Heim gefunden wurde, dass ihn vor der endgültigen Aufnahme erst zwei Wochen in Quarantäne unterbringen kann.

Das Problem der Abrechnung - Wer zahlt?

Doch die Krankenhäuser sind für solche Fälle eigentlich nicht da und deshalb gibt es für einen solchen Quarantäne-Aufenthalt auch keinen Abrechnungsschlüssel. Die Konsequenz: Die Krankenhäuser bleiben im Moment auf ihren Kosten dafür sitzen. Das sind alleine für zwei Patienten mehrere Tausend Euro.

"Wir bekommen nur für die Akut-Stationären, also für den somatischen Bereich, Erlöse. Für solche Fälle, die jetzt in die Quarantäne müssen – das ist noch offen, ob wir die überhaupt finanziert bekommen und in welcher Höhe und in welcher Größenordnung." Martin Schmid, Geschäftsführer des Klinikums Fichtelgebirge

Die Bayerische Krankenhausgesellschaft hat bereits vorgeschlagen, jedes Bett mit 560 Euro je Behandlungstag zu verrechnen. Dieser Satz gilt auch für Klinikbetten, die freigehalten werden für Corona-Patienten. Krankenkassen, Kliniken und das bayerische Gesundheitsministerium seien im Gespräch, wie diese Leistungen verrechnet werden könnten, erklärt die Arbeitsgemeinschaft der Krankenkassenverbände. Eine Nachfrage des BR beim bayerischen Gesundheitsministerium, wann weitere Gespräche oder eine Entscheidung über die Finanzierung stattfinden, bleibt unbeantwortet.

"Ministerin muss in die Gänge kommen"

Doch die Zeit drängt, denn vielen Kliniken geht es finanziell nicht gut. Zudem sind nicht nur für die Quarantänezeit die Kosten immer noch nicht geklärt. Wenn eine Pflegeeinrichtung signalisiert, dass ein Pflegeplatz frei sei oder die Patienten wieder zurück in ihr ursprüngliches Heim könnten, dann werden davor oft zahlreiche Corona-Tests verlangt. Auch hier ist für die Tests eine entsprechende Abrechnungsmodalität für die Krankenhäuser unklar. Es muss gehandelt werden, fordert auch der Geschäftsführer des Klinikum Fichtelgebirge mit deutlichen Worten:

"Und so muss jetzt unsere Ministerin in die Gänge kommen und muss hier mal eine Entscheidung platzieren." Martin Schmid, Klinkum Fichtelgebirge
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Für Senioren ist nach einem Krankenhausaufenthalt eine vierzehntägige Quarantäne vorgeschrieben. Doch es fehlen die Plätze dafür - und zudem ist die Finanzierung nicht geregelt.

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