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Archivbild: Kleiner Parteitag der bayerischen SPD

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    Wer soll die Bayern-SPD führen? Basis unentschlossen

    Wer folgt auf Natascha Kohnen an der Spitze der Bayern-SPD? Bisher im Rennen: Generalsekretär Grötsch und das Duo Endres/von Brunn. Die Letzteren stellen heute Vormittag ihre Ideen für einen "Neustart" vor. Ein Stimmungsbild von der Basis.

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    Von
    • Eva Lell

    Was die neue SPD-Spitze in Bayern leisten muss, steht für Rita Röhrl, SPD-Landrätin im Landkreis Regen, fest: "Das Einfühlen in die Volksseele ist dringender erforderlich denn je." Darauf, wen sie bei der Vorstandswahl unterstützen wird, hat sich Röhrl aber noch nicht festgelegt. Damit geht es ihr wie vielen in der Partei. Zweitrangig ist nach Ansicht der SPD-Frau auch die Frage, ob ein Bundespolitiker wie Uli Grötsch oder ein Landespolitiker wie Florian von Brunn (zusammen mit Ronja Endres) das Ruder übernehmen soll.

    Auch Katharina Schrader von der SPD Kempten hat noch gar keine Präferenz. "Ich warte ab, welche Vorstellungen die Teams haben", sagt sie auf BR24-Anfrage. Sie begrüßt aber, dass die Parteimitglieder eine Auswahl haben werden: "Konkurrenz belebt das Geschäft." Bis 5. Februar können sich noch weitere Kandidaten melden, der Parteitag ist bisher für den 20. März geplant.

    Mehr ländliche Themen: Basis hat auch inhaltliche Wünsche

    Zuvor will die Partei Vorstellungsrunden stattfinden lassen, vermutlich digital. Pamela Nembach plädiert für Präsenz-Formate. Die SPD-Vorsitzende im Kreis Main-Spessart kennt zwar alle Kandidaten von Parteitagen, möchte sie aber persönlich sehen, um sich eine Meinung zu bilden. Sie will, dass die künftige Parteiführung mehr Themen aus dem ländlichen Raum vorantreibt, zum Beispiel die Finanzierung des öffentlichen Personennahverkehrs und von Schwimmbädern. Dazu gebe es zwar Ideen, diese würden aber "nicht so prominent bespielt", beklagt sie.

    Auch Thorsten Brehm, Chef der SPD in Nürnberg, hat einen konkreten Wunsch an die neue Führung: "Dass man vor allem auch immer den Rat der Kommunalpolitiker ernst- und aufnimmt. Und dass man sich um die konkreten Themen vor Ort kümmert, die die Menschen bewegen." Auch er hat sich nach eigenem Bekunden noch nicht festgelegt, wen er wählen möchte.

    Unterstützer auf beiden Seiten

    Es gibt aber auch Leute an der SPD-Basis, die sich bereits entschieden haben. Wenig überraschend unterstützt Gunar Prauschke, Vorsitzender im Ortsverein Tirschenreuth, Uli Grötsch, der aus dem benachbarten Weiden kommt. Prauschke erzählt am Telefon eine Anekdote, warum er an Grötsch glaubt: Nach einem Treffen Prauschkes mit einem Bekannten, der bei der CSU ist und Grötsch, habe der CSU-ler anerkennend gesagt: "Man merkt, dass er das lebt, was er vertritt." In seinen Augen kann Grötsch der BayernSPD mehr Aufmerksamkeit verschaffen und die Themen in der Öffentlichkeit besser verkaufen.

    Achim Stötzner, Chef der SPD Hersbruck im Nürnberger Land, hat sich ebenfalls schon festgelegt. Er kennt Florian von Brunn persönlich, der Abgeordnete hat ihn im Kommunalwahlkampf unterstützt. Nun will Stötzner seinerseits das Duo von Brunn/Endres unterstützen - auch weil die beiden als Doppelspitze antreten.

    In der Analyse vieler Mitglieder setzt die SPD zwar in Bayern auf die richtigen Themen, sie werden jedoch zu wenig vermittelt, "zu schlecht verkauft", wir Stötzner es formuliert.

    Wen bevorzugt der Landesvorstand?

    Von Brunn ist medial sehr präsent, Grötsch ist als amtierender Generalsekretär in der Partei wahrscheinlich besser vernetzt. Der Vorsitzende der SPD Fürth und stellvertretende Landeschef, Matthias Dornhuber, spricht sich klar für Grötsch aus. Das könnte möglicherweise ein Indiz dafür sein, dass die Parteispitze, der Grötsch als Generalsekretär seit drei Jahren angehört, eher diesen unterstützt.

    Doch auch von Brunn ist seit Jahren Mitglied des Landesvorstands. Seine Mitstreiterin, die Regensburgerin Ronja Endres, ist Vorsitzende der SPD-Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen und vielen in der Partei ebenfalls bekannt.

    Oberpfalz für Grötsch – München und Regensburg für von Brunn/Endres?

    Wie wichtig ist bei den bayerischen Sozialdemokraten der Regionalproporz? Kann Grötsch mit der Unterstützung der Delegierten aus Nordostbayern rechnen? Und von Brunn mit den Münchner Stimmen? Anruf bei Franz Schindler, dem Bezirksvorsitzenden Oberpfalz. Es gebe eine "Oberpfälzer Grundsolidarität", sagt er diplomatisch, es könne aber nicht ausgeschlossen werden, dass Delegierte aus der Oberpfalz Grötsch nicht wählen. Die Vorsitzende der München-SPD, Claudia Tausend, wollte sich vor der offiziellen Vorstellung des Teams von Brunn/Endres, die für heute angesetzt ist, nicht äußern.

    Jusos und Landtagsfraktionschef offenbar neutral

    Die Landesvorsitzende der SPD-Jugendorganisation (Jusos), Anna Tanzer, äußert sich ebenfalls diplomatisch: "Wir schauen weiterhin, wer sich noch ins Rennen begibt." Die Jusos als Verband wollten ihre Entscheidung von Inhalten abhängig machen. Dass mit Ronja Endres eine junge Frau an von Brunns Seite kandidiert, begeistert Tanzer: "Wir finden es cool, dass nicht nur Männer um die Spitze kämpfen, sondern dass da eine junge energiegeladene Frau dabei ist."

    Bedeckt hält sich auch der Vorsitzende der Landtagsfraktion, Horst Arnold: Er freue sich, dass mit Florian von Brunn ein Mitglied seiner Fraktion kandidiere, sagt er. Er sei guter Dinge, dass - egal wie es ausgehe - "gute Leute am Ruder sitzen".

    Arnold schließt nicht aus, dass sich weitere Bewerberinnen und Bewerber melden. Ein sehr erfahrener SPD-Mann sagt hinter vorgehaltener Hand allerdings, er gehe nicht davon aus, dass es weitere Kandidaten geben wird. Er rechne mit einem relativ knappen Ergebnis: 40 zu 60 - einem Resultat auf jeden Fall, das keinen der Kandidaten beschädigt.

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