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Wer sitzt wo? Stühlerücken im Landtag | BR24

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6 statt 4 Parteien, 205 statt 180 Abgeordnete - das stellt nicht nur die Landtagsverwaltung vor Herausforderungen. Nun muss neu verhandelt werden, welche Fraktion wo im Plenarsaal sitzt - und wer vielleicht ausziehen muss.

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Wer sitzt wo? Stühlerücken im Landtag

Sechs statt vier Parteien, 205 statt 180 Abgeordnete - das stellt nicht nur die Verwaltung des Landtags vor Herausforderungen. Jetzt muss neu verhandelt werden, welche Fraktion wo im Plenarsaal sitzt - und wer vielleicht aus dem Landtag ziehen muss.

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Sechs statt vier Fraktionen - im Plenarsaal wird’s künftig etwas eng. Denn auf den roten Stuhlreihen mit den hellbraunen Pulten werden bei jetzt 205 statt regulär 180 Abgeordneten, nicht mehr alle Platz haben. Ein paar müssen nach hinten in den Gang an der Wand, wo Abgeordnete rein- und rausgehen und sich Kameras vorbeizwängen.

Amtschef Peter Worm, der die Verwaltung des Landtags leitet, überlegt, dafür Stühle mit einer klappbaren Schreibplatte anzuschaffen, damit die Abgeordneten wie bei den Banken ihre Unterlagen ablegen können.

Plenarsaal hat ein modular angelegtes Stuhlsystem

Den Umbau sieht Peter Worm gelassen. Die Stühle und Tische im Plenarsaal sind nicht festinstalliert, sondern stecken in Schlitzen und können so alle fünf Jahre nach den Wahlen neu angeordnet werden. Worm rechnet nach:

"Wenn man alle Steckplätze ausnützt, sind es, wenn ich es richtig in Erinnerung habe, 180 plus die 18 auf der Regierungsbank. Sind 198. Das heißt, dann hätten wir nur sieben, die wir irgendwo unterbringen müssten." Peter Worm

Doch wenn an allen Plätzen Stühle befestigt werden, gäbe es keine Gänge mehr - schon aus Brandschutzgründen unmöglich. Deshalb werden wohl mehr als sieben Abgeordnete hinten Platz nehmen müssen.

Wie verteilen sich die Fraktionen im Plenarsaal?

Brisanter aber ist die Frage, welche Fraktion wo im Plenarsaal sitzen wird. Noch steht offiziell nichts fest. Es könnte auf eine ähnliche Verteilung wie im Bundestag hinauslaufen - mit AfD ganz rechts, dann FDP, CSU, Freie Wähler und links SPD und Grüne. Das wäre eine mögliche Option. Doch der FDP passt das nicht, sie will einen Platz in der Mitte. Auch die Grünen sehen sich nicht mehr links außen, wo die Fraktion bisher saß, sondern eher Richtung Mitte. Darauf antwortet Tobias Reiß, Parlamentarischer Geschäftsführer der CSU-Fraktion:

"In der Mitte ist die CSU - und alles wird sich drum herum gruppieren. Wir werden sicher neben den Freien Wählern sitzen, wenn dann auch die Koalition zustande kommt. Und ob die FDP dann rechts oder links neben der Regierungskoalition sitzt, das wird man nochmal besprechen." Tobias Reiß, Parlamentarischer Geschäftsführer der CSU-Fraktion

Über die Sitzverteilung beraten im Moment die Fraktionen. Endgültig entscheidet dann der Ältestenrat, nach der konstituierenden Sitzung des Landtags Anfang November.

Wo finden alle Abgeordneten Büroräume?

Insgesamt muss im Landtag nun Platz gemacht werden für sechs statt bisher vier Fraktionen mit ihren Räumen und für Büros von 25 zusätzlichen Abgeordneten. Rund 200 Büros gibt es für die Fraktionen bisher im Maximilianeum. Schon jetzt haben einige Abgeordnete ihre Büros außerhalb. Aber die gesamte Fraktion des Landtags anzusiedeln, dagegen wehrt sich Alexander Muthmann von der FDP.

"Es ist schon praktisch, sich während der Sitzungstage im Maximilianeum selbst zu Gesprächen zu treffen, sich zu Beratungen zurückzuziehen. Und da braucht's kurze Wege, weil man immer auch schnell mal wieder in den Plenarsaal zurück muss." Alexander Muthmann, FDP

1986: kein Platz für die neue Grünen-Fraktion im Landtag

Der langjährige Grünen-Abgeordnete Christian Magerl hat sein Büro in der Ismaninger Straße, fünf Gehminuten vom Landtag entfernt. Magerl, der jetzt aus dem Landtags ausscheidet, war seit dem Einzug der Grünen 1986 in den Landtag Abgeordneter. Damals musste fast die komplette Fraktion der Grünen ihre Quartiere außerhalb des Maximilianeums beziehen. Es habe einfach keine Räume im Landtag gegeben, deshalb habe die Fraktion sich für eine pragmatische Lösung entschieden, sagt Magerl. Die Räume in der Ismaninger Straße waren frei - und so konnte man schnell mit der Arbeit beginnen.

Wichtige Geschäftsräume im Maximilianeum

Dieses Mal werden es die Fraktionen, die neu oder wieder in den Landtag einziehen, wohl etwas einfacher haben. Zwar ist noch nichts beschlossen, aber aus unterschiedlichen Parteien hört man den Vorschlag, dass alle Parteien zumindest wichtige Geschäftsräume im Landtag selbst haben sollen. Welche Fraktion welche Räume bekommt, darüber entscheidet das Landtagspräsidium in den nächsten Wochen.

Auch wenn es im Plenarsaal etwas enger wird - prinzipiell findet Christian Magerl es gar nicht so schlecht, dass jetzt 25 zusätzliche Abgeordnete im Landtag sitzen. Bayern habe ja jetzt auch zwei Millionen Einwohner mehr als vor 30 Jahren:

"Ich muss als Abgeordneter eine gewisse Vertretung in der Fläche für die Leute zur Verfügung stellen. Von daher ist es gar nicht schlecht, wenn es jetzt ein paar Abgeordnete mehr sind als die 180." Christian Magerl, langjähriger Landtagsabgeordneter der Grünen

Bis 2003 saßen im Landtag übrigens noch 204 Abgeordnete. Das war die reguläre Anzahl, bevor der Landtag damals verkleinert wurde. Durch die Überhang- und Ausgleichsmandate ist die Zahl der Abgeordneten jetzt auf 205 gestiegen.