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Wer sind die "Gerechten unter den Völkern"? | BR24

© Rolf Vennenbernd dpa-Bildfunk

Die Halle der Namen in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem.

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    Wer sind die "Gerechten unter den Völkern"?

    Jedes Jahr werden "Gerechte unter den Völkern" geehrt. Die Auszeichnung vergibt Israel jedes Jahr an Menschen, die Juden vor der Ermordung durch die Nazis gerettet haben. Was genau steckt hinter diesem Titel?

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    Die "Gerechten unter den Völkern" sind Menschen, die dafür geehrt wurden, dass sie während der Zeit des Nationalsozialismus Juden gerettet haben. Ausgezeichnet werden alle Nichtjuden, die ihr eigenes Leben und das ihrer Familien riskiert haben, um Juden zu schützen. Zum Beispiel, indem sie sie vor den Nazis versteckt haben, ihnen zur Flucht verholfen, ihnen Lebensmittel oder gefälschte Dokumente organisiert haben.

    Ein weiteres Kriterium ist außerdem, dass die Helfer dafür keine Gegenleistung verlangt haben. Mit der Ehrung soll der Minderheit Respekt gezollt werden, die nicht weggeschaut hat, als unschuldige Menschen verfolgt und getötet wurden. Seit 1963 ehrt Israel die "Gerechten der Völker" in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem.

    Namen der Geehrten werden auf Mauern festgehalten

    Yad Vashem wurde gegründet, um der Opfer des Holocausts zu gedenken. Dort soll aber nicht nur an die Opfer erinnert werden, sondern auch an die mutigen Menschen, die ihr Leben riskiert haben, um Juden zu retten. Im "Garten der Gerechten unter den Völkern" stehen viele Mauern, auf denen die Namen aller Geehrten geschrieben stehen. Diese erhalten zudem eine Ehrenurkunde und eine Medaille mit dem Satz: "Wer auch nur ein Leben rettet, rettet die ganze Welt." Früher wurde für die Geehrten zudem im "Garten der Gerechten" ein Baum gepflanzt. Weil hier aber allmählich der Platz ausgeht, ist das selten geworden.

    Fast 630 Deutsche wurden bisher ausgezeichnet

    Im Januar 2019 betrug die Zahl der Gerechten insgesamt 27.362, dazu gehören auch 627 Deutsche aus allen Schichten der Gesellschaft. Zum Vergleich: Die meisten Gerechten kommen aus Polen. Dort wurden bereits über 6.000 Menschen geehrt, gefolgt von den Niederlanden und Frankreich. Insgesamt kommen die Gerechten aus 44 verschiedenen Ländern. Im Internet gibt es eine ausführliche Liste mit allen Namen - dort steht auch, was die einzelnen Personen konkret geleistet haben.

    In Oberbayern gehören zum Kreis der Gerechten zum Beispiel das Ehepaar Rauch aus Grucking bei Erding und das Ehepaar Steinbacher aus der Region Rosenheim. Beide haben Juden auf ihren Bauernhöfen vor den Nazis versteckt und es geschafft, dass diese bis zur Befreiung 1945 nicht entdeckt wurden.

    Ehrung ist mit strikten Kriterien verbunden

    Noch ist die Bearbeitung der Liste nicht abgeschlossen. Jedes Jahr werden von einer unabhängigen Kommission neue "Gerechte unter den Völkern" ernannt. Nach strikten Vorgaben: Es braucht Beweise für die Taten, am besten Dokumente oder Zeugenaussagen. Schon jetzt gibt es kaum mehr Zeugen und je mehr Zeit vergeht, desto schwieriger wird es. Die meisten Ehrungen werden heutzutage posthum verliehen und zu den Feierlichkeiten kommen vor allem die Kinder und Enkel der Retter und Geretteten. So wie zur Ehrung des Ehepaars Michael und Cäcilia Köhldorfner aus Schnaitsee.