BR24 Logo
BR24 Logo
Bayern

Wer schlachtet unsere Schweine? Beispiele aus Niederbayern | BR24

© BR

Wer schlachtet unsere Schweine

1
Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Wer schlachtet unsere Schweine? Beispiele aus Niederbayern

Nach den Corona-Fällen in großen Schlachthöfen hat auch die Diskussion um Billigfleisch, Arbeitsbedingungen und um das Schlachten an sich begonnen. Beispiele aus Niederbayern zeigen Alternativen, aber auch Probleme auf.

1
Per Mail sharen

Berichte über die Zustände in deutschen Schlachthöfen gibt es seit Jahren immer wieder. Neben der Frage, wie es um die Hygiene steht und wie dort mit den Tieren umgegangen wird, stehen vor allem die Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter in der Kritik. Nach den Corona-Fällen in großen Schlachthöfen hat die Diskussion um Billigfleisch wieder an Fahrt aufgenommen. Viele Verbraucher fragen sich: Gibt es überhaupt noch Alternativen zu den großen Schlachthöfen?

Selber Schlachten: schwierig, aber nicht unmöglich

Es gibt sie noch: Dorfmetzgereien, bei denen noch selbst geschlachtet wird. Zum Beispiel in der Metzgerei Santl in Otzing im Kreis Deggendorf. Das Schlachten vor Ort und nicht in fernen Schlachthöfen ist zwar schwierig, aber nicht unmöglich, sagt der Metzger, trotz zunehmender Bürokratie.

"Wir haben natürlich investieren müssen in das Schlachthaus. Und jetzt kommt immer wieder jedes Jahr was anderes dazu. Jetzt muss alles dokumentiert werden. Für mich war das nie ein Thema, dass ich aufhöre, weil dafür habe ich das Fleisch ja von meinen Bauern im Umkreis." Robert Santl, Metzger
© BR/Beham

Robert Santl, Metzger in Otzing

Selber Schlachten mit Auflagen und hohen Kosten verbunden

Für viele Verbraucher ein wichtiges Argument bei ihrem Fleischeinkauf: Regionale Produkte. Tierartgerechte Haltung ja, aber dafür auch mehr bezahlen? Für Landwirt Josef Peringer aus Geiselhöring (Lkr. Straubing-Bogen) geht das nicht zusammen:

"Der Bauer hat fünf Schweine auf der Weide und alle zwei Monate schlachtet er eins und das verkauft er und von dem lebt er - das funktioniert leider nicht. Eine private Schlachtung auf meinem Betrieb ist aus Gründen der Vorgaben der EU, die man als EU-Schlachthaus erfüllen muss, schwierig, weil das immense Kosten verursacht, die man in kleinen Strukturen ganz schwer verwirklichen kann. Deswegen ist die einzige Alternative die man hat, zu Schlachthöfen zu fahren." Josef Peringer, Landwirt

Längere Transportwege zum großen Schlachthof will Peringer seinen Schweinen eigentlich ersparen. Dort seien die Arbeitsbedingungen auch nicht immer transparent.

Keiner will Schlachthof vor der Haustür

Doch in Peringers näherer Umgebung gibt es keinen Schlachthof. Zwar sei einer zehn Kilometer weiter weg von ihm geplant gewesen, aber eine Bürgerinitiative habe sich dagegen gewehrt: "Ja ich will das schon haben, aber bitte nicht vor meiner Haustüre, so der Tenor. Dann haben wir in Zukunft den letzten kleinen Schlachtbetrieb auch noch kaputt gemacht, dann geht alles nur noch in den großen Schlachthof", sagt Peringer.

Landwirte Schlachten kaum noch

Und doch gibt es noch Landwirte, die ihre eigenen Schweine am eigenen Hof schlachten, als EU-zertifizierter Schlachtbetrieb - wie die Krinners in Stephansposching (Lkr. Deggendorf). Landwirt Christian Krinner sagt, für sie sei die Schlachtung sehr wichtig.

"Wir wollen unsere Kunden zufrieden stellen. Eine Genugtuung ist es auch, wenn man ein hochwertiges Produkt an den Mann bringen kann." Christian Krinner, Landwirt

Doch das ist aufwändig. Die meiste Arbeit mache nicht das Schlachten, sondern die Bürokratie, sagt Krinner. Alles muss dokumentiert werden: Vom Desinfizieren über die Temperatur bis hin zu den Schlachtabfällen. Landwirt Christian Krinner hat Freude an seiner Arbeit, will den Schlachtbetrieb mit seiner Frau weiterführen, aber bei immer mehr Auflagen müsse man sich schon überlegen, ob man weitermache oder nicht, sagt er.

Die EU-Auflagen sind hoch und die Nachfrage nach Schweinefleisch am eigenen Hofladen gering. Weil es teurer ist als im Supermarkt. Deswegen müssen die Krinners einen Teil ihrer Schweine auch zum großen Vion-Schlachthof nach Vilshofen (Lkr. Passau) liefern - das bringt Geld zum Leben, sagen sie.

Nur noch wenige Metzger, die auch Schlachten

Viele Schweine der Krinners kommen auch zu umliegenden Metzgereien zum Schlachten, zum regionalen Vermarkten. Doch die werden immer weniger: Vor zehn Jahren gab es laut dem Bayerischen Fleischverband noch 4.000 Metzgereien in Bayern. Mit der EU-Schlachthofverordnung und den vielen neuen Auflagen stiegen die Kosten. Seitdem gibt es in Bayern demnach nur noch 3.000 Metzgereien. Bei nur einem Drittel davon wird selbst geschlachtet.

"Das war damals, als die EU-Zulassung gekommen ist für Schlachtbetriebe. Und da haben sehr viele das Handtuch geworfen. Der Bürokratieaufwand ist schon enorm. Wir sind Metzger, wir sind Handwerker, wir wollen ja produzieren und nicht Stunden im Büro verbringen. Man muss einfach die ganzen bürokratischen Vorgaben überdenken.“ Thomas Krinner, Obmann für Niederbayern vom bayerischen Fleischverband und Obmeister der Metzger-Innung Deggendorf-Straubing

Die Sau, sie dürfte nicht als Massen- und Billigprodukt gesehen werden. Doch das kostet den Verbraucher eben etwas.